Thomas Minder kommt in Rage, wenn er über die Generalversammlung (GV) von OC Oerlikon von 2007 spricht. Eine einzige Show sei es gewesen, Glamour pur. Er glaubte sich eher in einem Puff statt an einer Generalversammlung zu befinden: Rote Beleuchtung und rot gekleidete Hostessen kümmerten sich im KKL in Luzern um die Aktionäre. Der Geschäftsführer von Trybol, kritische Aktionär und Urheber der Abzocker- Initiative, nennt diese GV als Paradebeispiel für ein Missverhältnis zwischen der Präsentation an der Generalversammlung und der Performance des Unternehmens. Denn bereits ein Jahr später steckte man in tiefroten Zahlen.

Viele GV seien in den letzten Jahren zu pompösen Events geworden. Minder fordert deshalb weniger Glamour und Pomp, dafür eine gute Führung des Unternehmens. Dabei dürfe aber auch der soziale Aspekt von GV nicht ausser Acht gelassen werden. Viele, vor allem ältere Aktionäre kennen sich und besuchen die GV nur oder hauptsächlich der Häppchen und kleinen Aufmerksamkeiten wegen. Diesem Aspekt müsse man gerecht werden, aber auf alles, was nicht unbedingt relevant sei, sollte verzichtet werden.

Viele Generalversammlungen werden seit einigen Jahren vermehrt wie Events gestaltet. Dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch bei den Generalversammlungen gespart wird, hat Thomas Minder schon bei der UBS beobachtet. Früher habe es noch einen Stehlunch mit Wienerli gegeben, heute gebe es noch eine Tüte mit Wasser, Sandwich und Schokolade.

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Veranstalter: «Es wird gespart»

Auch Eventveranstalter wie Hans-Jürg Rufener, Inhaber und CEO von Rufener Events, und Markus Raschle, Geschäftsleiter von Alpha Blue, haben festgestellt, dass dieses Jahr gespart wird. Zu ihren Kunden zählen Unternehmen wie UBS, Swisscom und Swiss Life. Gespart wird bei Lokalität, Dekoration, Technik und Catering. Laut Hans-Jürg Rufener geschieht dies nicht in sehr grossem Ausmass, aber die Firmen geben sich klar kostenbewusster, vor allem was das Catering anbelange. Raschle nennt zwei Gründe: Erstens steht grundsätzlich weniger Geld zur Verfügung, zweitens will man Akzente setzen, man will den Aktionären zeigen, dass man spart. Dabei soll das Erscheinungsbild aber nicht zu «billig» sein, da dies als Signal wahrgenommen werden könnte, dass es mit dem Unternehmen dem Ende zugehe. Generell werden die Kosten für eine Generalversammlung mit 250 bis 600 Fr. pro Aktionär beziffert, sagt Raschle.

Die Aussagen der Konzerne selbst sind nicht so deutlich wie jene der Veranstalter. UBS liess auf Anfrage verlauten, dass sich ihr GV-Budget im Rahmen von 2 bis 2,5 Mio Fr. bewege, wobei das Wort Budget nicht ganz richtig sei, da eine GV ja durchgeführt werden müsse und fixe Kosten beständen, wie jene für Hostessen, Sicherheit und Infrastruktur. Daher gebe es ohnehin keinen grossen Spielraum für Sparmassnahmen. Das diesjährige Budget bewege sich im selben Rahmen wie immer.

Ähnlich wie bei der UBS klingt es bei Swiss Life. Ihr Budget liege im ähnlichen Rahmen wie bisher. Gegenüber 2008 sei es etwas reduziert. Dies liege aber mehr daran, dass dies ein Jubiläumsjahr war und die Aktionäre ein zusätzliches Geschenk erhielten, und habe nichts mit der Finanzkrise zu tun.

Dass es bei einer rechtlichen Angelegenheit wie einer GV einige Bereiche gibt, wo nicht gespart werden kann oder sollte, bestätigen Aussagen von Markus Raschle. Ein Beispiel ist die Bild- und Tontechnik. Diese muss auf jeden Fall immer funktionieren. Doch das heisst nicht, dass im Ganzen gesehen kein Sparpotenzial vorhanden ist. Denn ob nun 250 oder 600 Fr. pro Aktionär ausgegeben werden, ist ein erheblicher Unterschied.

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Sparen beim Schnaps

Laut Raschle gibt es verschiedene Sparmöglichkeiten. So kann zum Beispiel auf Spirituosen oder ein elektronisches Abstimmungssystem verzichtet werden, die Ambientebeleuchtung reduziert und weniger aufwendige Projektionssysteme verwendet werden.

Die Anzeichen deuten für dieses Jahr also auf eine Rückbesinnung zu mehr Bescheidenheit hin. Die Buffets werden schlanker sein, und Thomas Minder wird sich kaum mehr an grossen Shows wie bei OC Oerlikon wiederfinden. Die Aussage der Konzerne, dass ihre GV bisher schon in einem bescheidenen und angemessenen Rahmen stattfanden, steht zwar im Widerspruch zu den Aussagen von Thomas Minder und den Eventveranstaltern. Doch das ist verständlich: Niemand will ein Signal senden, dass man in den letzten Jahren für die GV mehr Geld ausgegeben hat als nötig war.

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