Milliardenpleiten bei amerikanischen Investmentbanken, aufgefangen durch staatliche Hilfeleistungen und Zwangsübernahmen, lösen sich ab mit enormen Abschreibern bei den international tätigen Geschäftsbanken. Zuletzt waren es renommierte Namen wie Merrill Lynch und Lehman Brother, die unter die Fittiche der Bank of America kamen oder Gläubigerschutz beantragten.

In einem solchen Wirtschaftsumfeld, das gespickt ist mit periodischen Negativmeldungen, kann die Branche nicht zur Ruhe kommen. Ein Jahr nach dem akuten Ausbruch der Finanzkrise lässt sich ohne prophetische Ga- ben leicht voraussagen: Die Schlechtwetterfront wird sich so rasch nicht verziehen.

Das hat Konsequenzen für die Bankiers. Der schnelle und problemlose Gewinn lässt sich im laufenden und im kommenden Jahr nicht realisieren. Statt den Hasardeuren im schnelllebigen Investment Banking sind jetzt wieder die kühlen Strategen im Top-Management und die verlässlichen, diskret operierenden Kundenberater im Private Banking gefragt. Die Pflege der Details gewinnt an Gewicht. Verunsicherte Privatkunden und institutionelle Anleger wollen umsorgt sein. Wenn Depotwerte schrumpfen und die Gebühren vergleichsweise hoch bleiben, baut sich Unzufriedenheit auf. Aggressive Investoren, die vermeintlich sichere Hochrisikopapiere in den USA erworben haben, kämpfen nun mit Sammelklagen für einen Rückkauf oder die Entschädigung durch die Bank. Auch in der Schweiz, wo solche Kollektivvorstösse nicht möglich sind, greifen nun einzelne Anleger zum juristischen Zweihänder. Geldinstitute, die riskante Finanzvehikel mit zweifelhaften Versprechen auf den Markt bringen, müssen sich wappnen.

Was heisst das für die Bankaktivitäten? Die Flut an strukturierten Produkten ist bereits zum Erliegen gekommen. Auch der Fondsmarkt hat gelitten. Eine, dank dem Internet, besser aufgeklärte Kundschaft wählt derzeit im Anlageuniversum wesentlich selektiver aus. Gesucht sind solide, nachhaltige Renditen, auch wenn sie am Geldmarkt derzeit äusserst bescheiden ausfallen. Das Risiko wird gescheut, verminderte Volumen an den Aktienmärkten sind die Folge.

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Mehr Arbeit gibt es unter solchen Prämissen in der Finanzbranche nicht. Das erfordert im Bankmanagement eine Rückbesinnung auf die nachhaltigen Werttreiber. Im Investment Banking liegen diese für die Schweizer Banken ganz sicher nicht. Die Vermögensverwaltung ist der (fast alleinige) Trumpf. Das Ausschöpfen dieses Swissness-Labels im Ausland bleibt die hohe Kunst.