Zahlreiche Unternehmensführungen müssen derzeit grundlegende strategische Fragen überdenken. Ganz oben auf der Agenda stehen das Risikomanagement und die Verfügbarkeit finanzieller Mittel. Die Adressaten des Jahresabschlusses erwarten eine transparente Darstellung des Risikomanagements und der bedeutenden Risiken des Unternehmens. Sieht ein Unternehmen ein erhebliches Risiko, in Liquiditäts- und Finanzierungsengpässe zu geraten, ist transparent offenzulegen, wie die Unternehmensleitung die Liquidität und die Finanzierung beurteilt.

Werthaltigkeit von Vermögen

Im aktuellen Umfeld besteht für die Unternehmen das konkrete Risiko einer Wertminderung der bilanzierten Vermögenswerte. Dies gilt insbesondere für Finanzanlagen, immaterielle Anlagen und den Goodwill. Nach dem Schweizer Obligationenrecht können die Vermögenswerte einer Bilanzposition bei der Beurteilung der Werthaltigkeit als Gruppe betrachtet werden. Unter IFRS hingegen muss jeder Vermögenswert einzeln auf seine Werthaltigkeit hin überprüft werden. Konkrete Anhaltspunkte für eine Wertminderung der Vermögenswerte sind:

Eine signifikante Verschlechterung des Marktumfeldes;

ein Börsenwert, der geringer ist als das Eigenkapital;

ein deutlicher Rückgang des geplanten Netto-Cashflows oder des betrieblichen Ergebnisses.

Deuten solche Indizien auf eine Wertminderung hin, so wird am Ende der Berichtsperiode eine erneute Beurteilung notwendig, die über den periodisch erforderlichen Impairment-Test hinausgeht. Die Verschlechterung des Marktumfeldes erschwert die Cashflow-Prognosen und die Ermittlung des Abzinsungssatzes, also jener Grösse, die dem sogenannten Nutzungswert zugrunde liegt.

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Cashflow-Prognosen müssen auf vernünftigen und vertretbaren Annahmen basieren. Cashflows, die aus künftigen Restrukturierungen oder aus einer Verbesserung der Ertragskraft des Vermögenswertes resultieren, dürfen nicht in die Prognosen einfliessen. Um den Unsicherheiten Rechnung zu tragen, empfiehlt es sich, verschiedene Szenarien auszuarbeiten.

Restrukturierungskosten

Unternehmen, die Restrukturierungsmassnahmen vorsehen, stehen vor der Frage, wann und in welcher Form Rückstellungen für Restrukturierungsaufwendungen gebildet werden müssen. Erstellt ein Unternehmen seinen Jahresabschluss nach Obligationenrecht, so ist ein verbindlicher Beschluss des Verwaltungsrats über Restrukturierungsmassnahmen hinreichend für die Bildung einer entsprechenden Rückstellung. Voraussetzung ist lediglich, dass die zu erwartenden Kosten verlässlich geschätzt werden können. Das Vorsichtsprinzip ist hier massgebend.

Die Kriterien zur Bildung einer Rückstellung unter IAS 37 sind wesentlich strikter und müssen kumulativ erfüllt sein. Eine Rückstellung darf zudem nur für jene Kosten gebildet werden, die in direktem Zusammenhang mit der Restrukturierung entstehen.

Die Höhe einer Restrukturierungsrückstellung basiert auf Annahmen; ihre Ermittlung kann daher gewisse Unsicherheiten mit sich bringen, die möglicherweise zu weiteren Belastungen in den Folgejahren führen. Im Sinne einer transparenten Jahresrechnung empfiehlt es sich, die wichtigsten Annahmen und die damit verbundenen Unsicherheiten im Anhang offenzulegen.