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Preispolitik
Kritik an Apple – iPhone und Co. noch nicht günstiger

Apple: Der neue Wechselkurs ist vorteilhaft für die Firma.  Keystone

Importprodukte werden günstiger, weil der Franken deutlich stärker ist. Dennoch hat Apple die Preise für seine Geräte bisher nicht gesenkt. Der Konsumentenschutz kritisiert dies.

Von Marc Iseli
am 22.01.2015

Der Schweizer Franken hat nach der Aufgabe des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank gegenüber dem Euro stark aufgewertet. Die Folge: Zahlreiche Importgüter werden drastisch billiger. Denn der Franken zeigt sich aber nicht nur gegenüber dem Euro stark, sondern legte gegenüber allen wichtigen Währungen zu. Das gilt auch für den Dollar. Vor einer Woche erhielt man die US-Währung für rund einen Franken. Seither hat der Franken aber 13 Prozent zugelegt. Nun kriegt man einen Dollar für 87 Rappen.

Von den neuen Realitäten am Devisenmarkt profitiert auch Technologiegigant Apple. Der Import von US-Produkten in die Schweiz wird jetzt günstiger. So verbessert sich die Gewinnmarge der Kalifornier. Das Plus gibt Apple bis anhin nicht an seine Kunden weiter: Das Unternehmen hält zum jetzigen Zeitpunkt die Preise für iPhones, iMacs, iPads und Co. konstant. Apps kosten derzeit ebenfalls gleich viel wie vorher. Die Preise für Musik im iTunes-Store bilden die Ausnahme. Die in drei Stufen gesetzten Titel-Preise betragen neu 1.90, 1.50 und 0.90 Franken statt bisher 2.20, 1.60 und 1.10 Franken.

Preise im App-Store erhöht

Pikant: Vor zwei Wochen hat das Unternehmen die Preise von Apps in Kanada, Norwegen und in der Europäischen Union angepasst. Anwendungen der günstigsten Kategorie kosten statt 0.89 Euro jetzt 0.99 Euro. Das ist ein Plus von mehr als zehn Prozent. Apps, für die vorher 5.99 Euro fällig wurden, sind seit kurzem sogar einen ganzen Euro teurer. Das entspricht einem Plus von fast 17 Prozent.

Apple begründete die Preissprünge einerseits mit höheren Mehrwertsteuern. Bisher galt der Steuersatz des Landes, in dem der Anbieter (also Apple) seinen Sitz hat – in diesem Fall in Luxemburg. Seit 2015 fällt die Mehrwertsteuer auf digitale Produkte aber in dem Land an, in dem der Kunde sie abruft. Weil die Steuersätze in Luxemburg markant tiefer sind als in den meisten anderen Ländern, drückt die Regeländerung auf die Gewinnmargen. Deshalb erhöhte Apple die Preise für Apps. Andererseits argumentieren die Kalifornier aber auch mit veränderten Wechselkursen. Der Euro ist zum Dollar 2014 um 13 Prozent gefallen.

Konsumentenschutz: Preise müssen runter

Der Technologiekonzern reagiert also im einen Fall auf veränderte Devisenkurse, im anderen nicht. Für die Stiftung für Konsumentenschutz ist daher klar: «Apple nutzt seine Marktmacht aus», wie Präsidentin und SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo sagt.

Es sei kein Novum, dass Apple sich den Anliegen der Konsumenten versperre, ergänzt die Politikerin. Der Technologiekonzern hätte sich bereits vor zwei Jahren geweigert, das seit 2013 geltende kostenlose Anrecht auf eine zweijährige Garantie umzusetzen. Birrer-Heimo fordert von Apple nun: «Die Preise müssen sinken.» Das gelte aber auch für alle anderen Firmen, die von den neuen Realitäten am Devisenmarkt profitieren.

Andere Elektronikhändler reagieren sehr wohl

Die Preise für das iPhone und Co. sinken vorerst zwar nicht. Dem Unternehmen ist aber zugute zu halten, dass die App-Preise Anfang Jahr – im Gegensatz zu den EU-Länder – nicht erhöht wurden. Auch die Preise für Apple-Produkte blieben in den letzten sechs Monaten konstant, obschon der Franken gegenüber dem Dollar 2014 stark an Wert verloren hat. Während man im März knapp 87 Rappen für einen Franken erhielt, herrschte per Jahrsende quasi Gleichstand.

Andere Elektronikhändler geben den Währungsrabatt aber sehr wohl an die Kunden weiter. Stefanie Hynek, Pressesprecherin von Digitec, sagt: Bei Digitec sei es üblich, «die Preise laufend dem Marktlevel anzupassen und somit auch Preisvorteile weiterzugeben.»

Preisrabatt bis zu 15 Prozent

So auch der Onlinehändler Brack.ch. Das Unternehmen kaufe nun günstiger ein und gebe den Effekt direkt an die Kunden weiter. «Bis dato sind bereits 10'000 Produkte im Preis reduziert worden», sagt Mediensprecher Daniel Rei. Gleichzeitig relativiert er: «Viele Produkte sinken im Preis nicht sofort, da Preise mit den ausländischen Lieferanten teilweise neu ausgehandelt werden müssen.» Er gibt sich aber kämpferisch: «Wir arbeiten weiter daran.»

Auch der nach eigenen Angaben grösste unabhängige Onlinehändler Pcp.ch hat die Preise gesenkt. Nur einen Tag nach dem SNB-Entscheid vermeldeten die Schaffhauser, dass es auf rund einem Drittel des Angebotes bis zu 15 Prozent Währungsrabatt gäbe. Weil das Unternehmen eigene Einkaufsgesellschaften im Euroland betreibe, könne es die Einkaufsvorteile quasi sofort an die Kunden weitergeben.

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