1. Home
  2. Unternehmen
  3. Kritik von vielen Seiten - doch Rohner ist bestätigt

Umbau
Kritik von vielen Seiten - doch Rohner ist bestätigt

Die Führung der Credit Suisse ist mit einem blauen Auge davongekommen. Urs Rohner ist als VR-Präsident wiedergewählt. Der Vergütungsbericht wurde angenommen, mit einer Zustimmung von nur 58 Prozent.

Veröffentlicht am 28.04.2017

Die Aktionäre der Credit Suisse haben die Konzernspitze auf der Generalversammlung der Schweizer Grossbank wegen hoher Managerlöhne scharf kritisiert. «Schieben wir dem Raubrittertum einen Riegel vor», sagte Aktionärsschützer Hans-Jacob Heitz am Freitag und forderte die Eigentümer dazu auf, gegen die Vergütungsvorschläge der zweitgrössten Schweizer Bank zu stimmen.

Nur noch rund 58 Prozent der Eigentümer sprachen sich für den Vergütungsbericht aus, der Gehälter und Boni für die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat regelt. Vor einem Jahr lag die Zustimmungsquote noch bei knapp 80 Prozent. Über weitere Lohn-Tagesordnungspunkten stimmen im Aktionäre im weiteren Verlauf des Nachmittags ab.

Deutsche-Bank-Chef verzichtete im Gegensatz zu Thiam

Die Abstimmung war zwar nicht bindend. Eine Zustimmung von weniger als 80 Prozent wird Experten zufolge von vielen Verwaltungsräten aber als Signal aufgefasst, das Thema noch mal anzugehen. «Es ist meine Aufgabe, das in Zukunft zu vermeiden», erklärte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.

Die Aktionäre stören sich daran, dass Konzernchef Tidjane Thiam trotz eines Verlustes von 2,7 Milliarden Franken (2,5 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr immer noch 10,2 Millionen Franken erhält. Als Vorbild nannte eine Eigentümerin Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der angesichts eines ähnlich hohen Fehlbetrags ganz auf einen Bonus verzichtete.

Kritik von Kleinaktionären

«Am Vergütungssystem stimmt etwas nicht», erklärte auch Kleinaktionär Rolf Lüthi mit Blick auf die Credit Suisse. «Die Interessen der Aktionäre werden nicht berücksichtigt.» Alleine 2016 verlor die Bank ein Drittel an Börsenwert. Der Jahresverlust zeichne ein katastrophales Bild der Bank, sagte Kleinaktionär Richard Fischer. «Sie wissen nicht, was sie tun, Herr Rohner. Sie provozieren mit ihrer Masslosigkeit staatliche Regulierung.»

Aber nicht nur Kleinaktionäre sprachen sich gegen die hohen Löhne aus. Auch einflussreiche Stimmrechtsberater wie ISS, Glass Lewis und Ethos empfahlen bei mehreren Tagesordnungspunkten ein «Nein», obwohl die Bank kürzlich zurückruderte und die ursprünglich vorgesehenen Vergütungen kürzte.

«Sie sind die letzte geblieben Altlast»

Rohner erklärte, es sei falsch, dass das gegenwärtige Management für die Fehler der Vorgänger zur Kasse gebeten werde. Er räumte aber ein, dass die Sensibilität der Bank für das Thema nicht hoch genug gewesen sei. «Dafür will ich mich entschuldigen.»

Mehreren Aktionären reichte das nicht. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann forderte die Abwahl Rohners und eines weiteren Verwaltungsrates. «Nur so kann ein echter Richtungswechsel bei der Credit Suisse eingeleitete werden und das Vertrauen in den Verwaltungsrat zurückgewonnen werden.»Kleinaktionär Charles Guggenheim sagte in Anspielung auf die Milliarden-Bussen, die die Bank wegen Verfehlungen vor allen in den USA bezahlen musste, zu Rohner: «Sie sind die letzte übriggebliebene Altlast.» Sie konnten sich mit ihrer Forderung nicht durchsetzen. 91 Prozent der Aktionäre wählten Rohner erneut zum Verwaltungsratspräsidenten.

Kritik über die Boni hinaus

Nicht nur wegen ihrer Boni stand die CS in der Kritik. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Beteiligung der Grossbank bei der Finanzierung der umstrittenen North Dakota Access Pipeline in den USA.

Während der Rede von CS-Chef Tidjane Thiam liessen zwei Greenpeace-Aktivisten ein gelbes Plakat vor der Tribüne herunter mit der Aufschrift «Stop dirty pipeline deals». Thiam sagte dazu: «Ich unterstütze die freie Meinungsäusserung», und fuhr fort.

(reuters/sda/gku/jfr/me)

Anzeige