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Vergütungsberichte
Kritische Aktionärsstimmen werden weniger

Generalversammlung
Generalversammlung: Aktionäre der Credit Suisse im April 2017.Quelle: Keystone .

Die konsultativen Abstimmungen zum Vergütungsbericht von Schweizer Unternehmen bewähren sich. Auch der Frauenanteil in Verwaltungsräten steigt.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Traktanden zur Vergütung der Unternehmensleitung wurden auch an den bisherigen Generalversammlungen (GV's) 2018 am kritischsten beurteilt. Doch scheint sich das Instrument der konsultativen Vergütungsabstimmung zu bewähren. Denn viele Unternehmen, die an den letztjährigen GV's diesbezüglich noch hohe Dagegen-Stimmen erhielten, konnten den Anteil kritischer Aktionärsstimmen 2018 merklich senken.

Die konsultativen Abstimmungen zum Vergütungsbericht erhielten an den diesjährigen Generalversammlungen im Median 13 Prozent Gegenstimmen, wie die Schweizer Stimmrechtsberaterorganisation Swipra in einer Mitteilung vom Dienstag berichtet. Im internationalen Vergleich ist dies hoch: So weisen etwa britische Unternehmen nur Dagegen-Stimmen von 6 Prozent und US-Gesellschaft von 9 Prozent aus.

Aktionäre in der Schweiz kritischer als in USA und GB

Besonders deutlich präsentieren sich die Unterscheide für das kritischste Viertel der Unternehmen in jedem Land: Während Gesellschaften in der Schweiz 19 Prozent Dagegen-Stimmen erhielten, waren dies 11 Prozent in Grossbritannien und nur 8 Prozent in den USA.

Die Auswertung der bisherigen GV's zeigt ausserdem, dass konsultative und verbindliche Vergütungsabstimmungen von Investoren als wirksame Instrumente eingesetzt werden. Dies schaffe Anreize für Unternehmen zu reagieren, schreibt Swipra. So konnten 43 Prozent der Unternehmen, welche an der GV 2017 mehr als 20 Prozent Dagegen-Stimmen zum Vergütungsbericht aufwiesen, den Anteil kritischer Aktionärsstimmen an der GV 2018 merklich senken. Im Vorjahr gelang lediglich 3 Prozent der Unternehmen eine solche Verbesserung.

Kritischen Punkten in der Vergütung werde zuerst mit Gegenstimmen zum Vergütungsbericht begegnet, schreibt Swipra. Ohne eine zufriedenstellende Reaktion des Unternehmens würden diese Aktionäre im Folgejahr nicht nur die konsultative Abstimmung zum Vergütungsbericht, sondern auch die bindenden Abstimmungen über die Vergütungsbeträge und die Wahlen in den Vergütungsausschuss ablehnen.

Die Auswertung zeigt ausserdem, dass zum ersten Mal seit der Einführung der Verordnung gegen übermässige Vergütungen der Einfluss der Stimmrechtsberater auf die Ergebnisse der GVs abgenommen hat. «Institutionelle Aktionäre folgen demnach weniger häufig nur den Empfehlungen der Stimmrechtsberater, sondern stützen sich vermehrt auch auf eigene Governance- und Abstimmungsrichtlinien», so Swipra weiter. Dies mache ihr Stimmverhalten für Unternehmen weniger berechenbar.

Geschlechterfrage bleibt aktuell

In der GV-Saison 2017/2018 wurde seitens Aktionären und Öffentlichkeit erneut die Geschlechterquote stark thematisiert. Das Abstimmungsverhalten der Aktionäre sowie die Empfehlungen der Stimmrechtsberater weise dabei weiterhin auf eine klare Präferenz für weibliche Verwaltungsratsmitglieder hin, schreibt Swipra.

Gleichzeitig erhöhte sich der Frauenanteil in ihren Verwaltungsräten erneut: Nach den GVs 2018 ist jedes vierte VR-Mitglied (24,5 Prozent) in SMI-Unternehmen eine Frau.

Swipra analysierte die Ergebnisse der Generalversammlungen der 100 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen (SPI100) im Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018.

(sda/mlo)

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