Der schwer angeschlagene Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd verbrennt derzeit 100 Mio Euro - pro Monat. Auf den internationalen Logistikmärkten sind die Frachtraten wegen der geringen Nachfrage so tief, dass nur noch die variablen Kosten gedeckt werden können. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Eine Erholung wird erst für 2011 erwartet. Um bis dahin zu überleben, braucht Hapag Geld - und ruft auch Klaus-Michael Kühne in die Pflicht.

Der Hauptaktionär und Verwaltungsratspräsident des Schweizer Logistikkonzerns Kühne + Nagel hält 15% an der Reederei Hapag-Lloyd - und soll nun, als Teil des extra gegründeten Hapag-Rettungskonsortiums «Albert Ballin», geschätzte 100 Mio Euro Kapital nachschiessen. Insgesamt benötigt Hapag 1,95 Mrd Euro. Für 1,2 Mrd Euro soll Deutschland in Form von Staatsgarantien aufkommen. Den Rest sollen die «Albert-Ballin»-Eigner stellen. Zu diesem Konsortium gehören neben Kühne die Stadt Hamburg, die Versicherer Signal Iduna und Hansemerkur sowie die Banken M.M. Warburg und HSH Nordbank. Die Mitglieder des Konsortiums hatten sich über die Modalitäten der Finanzierung allerdings heillos zerstritten. Eine Lösung schien in weite Ferne gerückt.

Kühne lässt weiter verhandeln

Am vergangenen Freitag wurde nun aber bekannt, dass sich das Konsortium über die Bedingungen des eigenen Hilfsbeitrags einig geworden sei. Doch ob Klaus-Michael Kühne mitmacht, ist nicht sicher. «Da ein weiterer Kapitaleinschuss von Herrn Kühne bei der Hapag-Lloyd AG von einer Reihe von Voraussetzungen abhängig ist, deren Klärung derzeit erfolgt, ist es verfrüht, zu Art und Höhe seines Engagements Stellung zu nehmen», lässt er über einen Sprecher ausrichten. Falls Kühne doch mitzieht, kommt auch ein Teilverkauf seiner Kühne + Nagel-Aktien in Frage. «Die Finanzierung des Anteils kann aus eigenen Mitteln, durch Fremdfinanzierung oder theoretisch durch den Verkauf eines geringen Teils von Kühne + Nagel-Aktien erfolgen», bestätigt der Sprecher. Letzteres werde von «Herrn Kühne aber nicht prioritär angestrebt». Kühne hielt zuletzt 55,8% am Logistikkonzern.

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