Der Umbau von Galenica zum Spezialisten für Eisenpräparate geht rasch weiter. Dabei dreht sich zunehmend alles um ein Produkt: Das Eisenpräparat Ferinject, das sich erst seit Ende 2007 auf dem Markt befindet.

Laut Analysten der Bank Vontobel belief sich der Umsatz mit dem Präparat im vergangenen Jahr auf 22 Mio Fr., 18 davon in der Schweiz. Im Vergleich zum Gesamtumsatz von Galenica von 2704 Mio Fr. ist das noch kaum erwähnenswert. «Im Vergleich auch zum bestehenden Umsatz des etablierten Eisenprodukts Venofer ist Ferinject immer noch relativ unbedeutend, doch sehen wir hier ein grosses Potenzial», sagt dazu Etienne Jornod, CEO von Galenica (siehe auch «Nachgefragt»). Analysten sehen das ebenso. Allein jene der Bank Vontobel erwarten für das laufende Jahr eine Wachstumsrate von 140% für Ferinject. 2016 soll sich nach dieser Schätzung der Umsatz mit dem Medikament bereits auf 1261 Mio Fr. belaufen.Noch wichtiger aber ist die Profitabilität des neuen Produkts. Wäre der Umsatz entscheidend, hätte der Pharmabereich mit nur 434 Mio Fr. Umsatz oder 16% desjenigen der Gruppe eine geringe Bedeutung für Galenica. Das Unternehmen unterhält seit dem Kauf von Sun Store im März dieses Jahres mit seinen bestehenden Geschäften zusammen die grösste Apothekenkette der Schweiz, ausserdem ist Galenica mit Galexis, Alloga und Unione auch führend in der Logistik des Gesundheitswesens. Sie beliefert sowohl Spitäler, Apotheken wie Ärzte. Dazu kommt noch der relativ kleine Bereich Health Care Information.

Eisen mit hoher Profitabilität

Gemessen am Gewinn verblassen aber alle Bereiche neben Vifor Pharma: Mit dessen 16% Anteil am Umsatz erzielte Galenica allein im letzten Jahr 85% des Betriebsgewinns (gemessen am Ebit). Die Pharmamarge beträgt mehr als 50%, während jene der Gruppe sich auf weniger als 10% beläuft.Und Pharma setzt voll auf Eisen. Nur für Ferinject hat Galenica die kanadische Aspreva übernommen. «Wir hatten mit Ferinject zwar das vielversprechende Produkt, doch fehlten uns die Expertise und die Leute, um das Produkt auch international auf den Markt zu bringen und zu vertreiben», sagt CEO Jornod und ergänzt: «Aspreva andererseits hatte keine eigenen Produkte, dafür aber die Expertise.» Die Integration von Aspreva hat Galenica Mitte Mai für abgeschlossen erklärt.Der einzige Umsatz von Aspreva vor der Übernahme stammte vom Transplantationsmedikament CellCept von Roche, für das die Kanadier von den Baslern die Vertriebsrechte für Anwendungen bei Autoimmunkrankheiten gekauft haben. Diese Rechte sind auf Galenica übergegangen. Weil das Patent des Roche-Medikaments in den USA 2009 und im Rest der Welt Ende 2010 abläuft, werden diese Umsätze einbrechen.Für Etienne Jornod ist der Kauf von Aspreva ein grosser Erfolg: «Wir sind dadurch an viel Know-how gelangt», sagt er. 950 Mio Dollar hat Galenica zwar hingeblättert, doch 430 Mio waren noch bei Aspreva in der Kasse. Netto belief sich der Preis damit auf bloss 520 Mio Dollar, damals 540 Mio in Fr. Allein 2008 erzielte das Unternehmen mit CellCept einen Ertrag von 354 Mio Fr., laut Analystenschätzungen werden es im laufenden Jahr 270 Mio Fr. sein und im nächsten noch immer rund 180 Mio. Kosten fallen dabei so gut wie keine an, wie Etienne Jornod sagt, einzig ein wenig für das Marketing. Damit wird Galenica aus der Übernahme einen Beitrag von 250 Mio Fr. ziehen. Das Unternehmen nutzt die Mittel laut CEO Jornod für weiteren Studien zu CellCept - wie es die Verträge mit Roche vorschreiben - aber auch zu Ferinject.

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Ferinject als Schicksalsprodukt

Die Konzentration auf Ferinject könnte bei dessen Erfolg dereinst sogar zu einer Aufspaltung von Galenica führen, was Etienne Jornod bestätigt, für die nächsten Jahre allerdings ausschliesst. Ganz ohne Risiken ist diese Konzentration nicht. In den USA wurde die Zulassung für Ferinject verweigert. Zudem zeigt sich bei Ärzten noch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den Eisenprodukten. CEO Jornod bleibt darob gelassen. In den USA will er 2011 erneut die Zulassung beantragen. Ausserhalb der Schweiz hat man bisher Eisen hauptsächlich für Dialysepatienten verwendet, weshalb Vertreter und Ärzte noch wenig Erfahrung mit Eisenpräparaten für neue Anwendungen hätten. Doch Eisenmangel sei eine anerkannte Krankheit mit vielen Folgen, betont CEO Jornod. In der Schweiz, der in diesem Markt dank Galenica eine Pionierrolle zukommt, zeigen sich die Ärzte, die die Präparate bereits verwenden, laut Etienne Jornod sehr zufrieden. Bei den anderen brauche es etwas Zeit, doch nehme das Bewusssein für Eisenmangel als Krankheit rasch zu.

 

 

nachgefragt
«Neuer CEO soll 2011 antreten»

Etienne Jornod ist VR-Präsident und CEO von Galenica.

Ist der Fokus auf das Eisenpräparat Ferinject ein Klumpenrisiko?

Etienne Jornod: Ja, wir haben nur ein Ferinject. Andererseits sind wir auch in unseren anderen Geschäftsbereichen sehr stark.

85% des Gewinns erwirtschaftet der Pharmabereich. Könnte dieser künftig selbstständig agieren?

Jornod: Im Moment steht das nicht zur Debatte.

Und wenn sich der erhoffte Erfolg bei Ferinject einstellt?

Jornod: Wenn der Umsatz von Ferinject sehr gross sein wird, macht diese Frage Sinn. Doch im Moment und in den nächsten Jahren stellt sie sich nicht.

Wie sieht der Zeitplan für Ihre Nachfolge als CEO aus?

Jornod: Die Suche läuft. Der neue CEO soll nächstes Jahr das Budet vorbereiten und im Mai 2011 sein Amt antreten.