«Es geht nicht um das Alter, sondern um die Erfahrung, schwierige Situationen meistern zu können», sagt Markus Graf, CEO Lienhardt & Partner Privatbank, Zürich, im Interview mit der «Handelszeitung» auf die Frage, ob nun wieder Banker der alten Garde gefragt sind, um die Krise erfolgreich zu meistern.

Viele Kunden wurden von ihren Vermögensverwaltern getäuscht und mussten teilweise massive Verluste im privaten Portefeuille hinnehmen. «Die Krise hat deutlich gezeigt, wo die Probleme in der Kundenbetreuung liegen», sagt Thomas Pixer, Head Deutschsprachiges Europa, Zentral- und Osteuropa bei Rothschild Private Banking & Trust. Dabei weist Pixer auf erschreckend tiefe Beratungsqualität, Umsatzdruck, Massenabfertigung sowie Interessenkonflikte und falsche Anreizsysteme hin. Das Resultat: Viele Kunden äusserten ihren Unmut darin, ihre Bankbeziehungen zu wechseln. Die Kündigungen nahmen ein bis anhin unbekanntes Ausmass an.

Allerdings warnt Pixer vor einer übereilten Kündigung. Ein Wechsel des Kundenberaters oder der Bank bringe nur dann eine tatsächliche Verbesserung, wenn er gut vorbereitet werde, so Pixer. «Dabei müssen die Kunden nicht nur die neue Bank unter die Lupe nehmen, sondern auch ihren neuen Kundenberater auf die Probe stellen», erklärt Pixer und verweist auf eine Checkliste mit zwölf Fragen (siehe Seite 52).

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Neben den herben Enttäuschungen werden die Vermögensverwalter auch zunehmend mit dem Bedürfnis nach einer umfassenden Finanzberatung für die Kunden konfrontiert. «Im grundlegend veränderten Investitionsumfeld fühlen sich viele Anleger zunehmend verunsichert», sagen Roger von Mentlen, Regionalleiter UBS, und Alexander Kobler, Global Head UBS Wealth Management Research.

Allerdings dürfe sich eine Situationsanalyse nicht nur auf das Hier und Heute beziehen, sondern müsse auch auf die jeweiligen Lebensziele und Zukunftserwartungen bezogen werden, so die beiden UBS-Mitarbeiter.

Bei der anschliessenden Auswahl der Anlagen kann durchaus auf die Unterstützung des Kundenberaters gezählt werden. Allerdings: «Vorsicht ist nach wie vor oberstes Gebot», so Richard Nahmani, Teilhaber Holding Privé und Vorsitzender der Geschäftsleitung Lombard Odier Darier Hentsch & Cie. «Doch neben traditionellen Anlagen dürfen dem Portefeuille auch gewisse dynamische Positionen beigemischt werden», sagt er. So sei etwa ein Wiedereinstieg in Aktien eines Branchenleaders überlegenswert, so Nahmani.