Für die diesjährige Leistungsschau haben sich elf Projekte qualifiziert, von denen vier ausgezeichnet wurden. Jurypräsident Leonhard Fopp konstatiert in diesem Jahr zwei Trends: «Erstens ist gut sichtbar, dass der seit Jahren von der Asco forcierte ‹Return on Consulting› heute von den Auftraggebern klar eingefordert wird.» Zweitens hätte sich gezeigt, dass die allermeisten Einsendungen dem Anspruch, es müsse sich bei dem Projekt um eine nachhaltige Business Transformation mit Wirkung auf den Werkplatz Schweiz handeln, genügten: «Wir haben die Top-Projekte der Branche zu sehen bekommen.»

Know-how-Transfer zum Kunden

Tatsächlich handelt es sich bei den zertifizierten Projekten um solche, die – meist unter hohem Zeitdruck – die Kundenunternehmen wesentlich veränderten, oder anders gesagt, sie auf eine andere Flughöhe hoben.

Expertise und Umsetzungsstärke der Berater waren auch in diesem Jahr für alle Projekte wesentlich, und wie in den Vorjahren wurde auch diesmal stark darauf geachtet, dass der Know-how-Transfer zum Kunden klappte.

Hinter dem diesjährigen Siegerprojekt stehen der Enterprise-Content-Management-(ECM-)Anbieter Open Connect und das Beratungshaus Ulrich F. Kunz & Partner AG. Zusammen mit dem Hauptpreisträger, der mit «Best Business Transformation» ausgezeichnet wurde, erhielten am Dienstag, 19. August, drei weitere Projekte das Zertifikat «Excellent Business Transformation».

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Expertise führt zum Durchbruch

Wer den Asco-Preis will, muss in einem Transformationsprozess den Beitrag zum Werkplatz Schweiz nachweisen. Mustergültig tat dies nach Ansicht der Jury (siehe Kasten) die Partnerschaft zwischen dem kleinen Beratungshaus Ulrich F. Kunz AG und dem Schweizer ECM-Anbieter Open Connect AG.

Open Connect, die seit 1996 ECM-Lösungen für hoch regulierte Branchen wie Airlines, Finance, Industrie und Pharma anbot, befand sich am Anfang des Mandats in einer schwierigen Situation. Obwohl die Firma über viele Kunden und ein gutes Produkt verfügte, war klar, dass eine rentable Grösse und das dafür nötige Wachstum aus eigenen Mitteln nicht erreicht werden konnte. «Es war ein mutiger Schritt der Geschäftsleitung, uns zu engagieren», erklärt Sandro Schmid, Projektleiter und Partner von Kunz & Partner AG, zumal Beraterhonorare bekanntlich ganz schön zu Buche schlagen.

Umso wichtiger sei es gewesen, sehr rasch mit möglichst effizienten Mitteln zu agieren, erzählt Schmid, «um erst einmal die Prozesse und damit auch das Vertrauen aufzubauen». Glücklicherweise habe eine erste Unternehmensanalyse gezeigt, dass die Firma über sehr viel Potenzial verfügt. «Wir sahen, dass man weit kommen könnte. Vorausgesetzt, dass eine gute Businessplanung vorliegt, die Strukturen entsprechend angepasst werden und die richtige Strategie gewählt wird.»

Gemeinsam mit der Geschäftsleitung ihres Kunden hätten sich die Berater also darangemacht, Managementprozesse zu etablieren und einen Massnahmenplan auszuarbeiten. Die laufenden Projekte durften dabei aber nicht aus den Augen gelassen und mussten gut abgearbeitet werden, schliesslich musste auch die Liquidität sichergestellt werden.

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Dank dem guten Businessplan konnten die Banken vom zukünftigen Wachstum überzeugt und vorteilhafte Konditionen ausgehandelt werden. Die Entwicklung, die rückblickend erzählt wohlgeordnet und ruhig klingt, sei in der Realität von vielen kritischen Momenten begleitet gewesen, erinnert sich der Berater, und von der Notwendigkeit, die Sachlage schmerzlich offen und schonungslos zu benennen. Nachdem während längerer Zeit nicht eindeutig klar gewesen war, ob und in welcher Form Open Connect in Zukunft noch existieren würde, konnte ihre Lage Ende 2006 glücklicherweise stabilisiert werden.

Heute: Flughöhe erreicht

Inzwischen hat Open Connect eine beachtliche Flughöhe erreicht. Der Hauptgrund für diese äusserst positive Entwicklung liegt in dem 2007 mit Lufthansa Technik (LHT) abgeschlossenen Business-Process-Outsourcing-Vertrag über eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Schmid betrachtet es als den wichtigsten Erfolgsfaktor des Projekts, dass die Lufthansa Technik nicht mehr lediglich Kunde war, sondern als strategischer Partner gewonnen werden konnte.

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Dass Lufthansa Technik, eines der weltweit bedeutendsten Unternehmen bei der Wartung, Überholung und Reparatur von Flugzeugen, ihren Triebwerken und Komponenten, Vertrauen fasst zu einem kleinen, bis dato noch kaum bekannten Schweizer Unternehmen, war alles andere als selbstverständlich. Die Zusammenarbeit ist jedoch so erfolgreich, dass sie durchaus als Siebenmeilenschritt auf dem Weg zur papierlosen Werkstatt in der Airline-Industrie bezeichnet werden kann.

Gigantische Archive im Nu

Bislang war gerade die Wartung und Instandhaltung von Flugzeugen alles andere als papierlos, im Gegenteil: «Vom Kaffeemaschinenlieferanten bis zum Propellerhersteller – alle liefern ihre Manuals», erzählt Schmid, «es fallen tonnenweise Dokumente an.» Monatlich gehen in den MRO-Shops (MRO = Maintenance, Repair, Overhaul) über 3000 Dokumente von mehreren 1000 Lieferanten ein, mit teilweise bis zu 500 000 Seiten. Und dies dann nicht hübsch homogen, sondern in den unterschiedlichsten Formaten: Teilweise auf Papier, teilweise digital.

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Innerhalb von drei Jahren entwickelte Open Connect die heutige Lösung auf Basis von Standardkomponenten, die es erlaubt, die ankommenden Dokumente einzuscannen, zu bearbeiten, zu werten und an die Notebooks der zuständigen Ingenieure zu liefern. LHT-Techniker und -Ingenieure der einzelnen MRO-Shops, die miteinander im internen Wettbewerb stehen, erhalten so – über ein einziges System, an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, rund um den Globus – Zugriff auf sämtliche Dokumente, die für den Aufgabenbereich notwendig sind.

«Damit wurde eine riesige Effizienzsteigerung erreicht», konstatiert Schmid. Auch sei die Applikation geschäftskritisch: «Wenn Flugzeuge stehen bleiben, wird es für die Fluggesellschaft sehr schnell sehr teuer.» Das Records-Management spielt in der Airline-Branche eine sehr wichtige Rolle, nicht nur für die Wartung oder Inbetriebnahme, auch fürs Leasing oder für die Versicherung von Flugzeugen sind nachvollziehbare, bis ins kleinste Detail klare Dokumente zwingend nötig. «Je besser man das im Griff hat, desto besser hat man auch die Kosten im Griff», weiss Schmid.

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Für die ganze Branche

Die erarbeitete Lösung sei nicht nur für Lufthansa Technik, sondern für die gesamte Airline-Branche bahnbrechend, erklären Beat Kaiser, CEO Open Connect, und Sandro Schmid übereinstimmend. «Man hat damit vollzogen, was sich viele wünschen: Den ganzen Business-Prozess digital zu steuern und zu unterstützen.»

Weil die Lösung auch zu einer erwünschten Standardisierung innerhalb der Branche führe, sei LHT von Anfang an daran interessiert gewesen, eine marktfähige Lösung zu entwickeln, selbst wenn sie damit der direkten Konkurrenz zur Verfügung stehen würde. Für ein paar Jahre könne man auf den Vorsprung vertrauen, der aus der strategischen Partnerschaft zwischen der LHT und Open Connect resultiere, erklärt Schmid zufrieden.

«Ich hätte nie gedacht, dass wir eines Tages dort ankommen, wo wir heute stehen», erklärt Open-Connect-CEO Beat Kaiser. Tatsächlich lässt sich die heutige Situation seiner Firma mit derjenigen wenige Jahre zuvor kaum vergleichen.

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Mit eDoc liegt ein Produkt für die Verwaltung und Publikation elektronischer Handbücher vor, das auch in anderen Geschäftsfeldern eingesetzt werden kann, beispielsweise im Industrie- oder im Finanzsektor. Auch in personeller Hinsicht hat sich Open Connect stark verändert: War sie vor wenigen Jahren noch ein Mikro-Unternehmen mit rund einem Dutzend Mitarbeitenden, wurden inzwischen 45 Mitarbeitende von Lufthansa Technik erfolgreich eingesourct und 20 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Und ein Ende der Erfolgsgeschichte zeichnet sich noch lange nicht ab. Vor kurzem konnte ein Zusammenarbeitsvertrag mit Abu Dhabi Aircraft Technologies geschlossen werden, dem grössten MRO-Anbieter im Mittleren Osten. Ein erneut grosser Schritt für Open Connect, die diesmal um weitere 65 Mitarbeitende wächst.

Kompetenzen ideal eingesetzt

Tatsächlich stehe man heute in einem intensiven Change-Management-Prozess, bestätigt Kaiser, in dem man sich wiederum beraten lasse.

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Die Skepsis des CEO, der zuvor schon mit mehreren Beratungshäusern erfolglos zusammenzuarbeiten versucht hatte, scheint verflogen. Der grosse Unterschied diesmal sei gewesen, dass das Team um Projektleiter Sandro Schmid nicht lediglich eine Consulting-Dienstleistung im klassischen Sinn erbracht habe, sondern mitunter auch unternehmerische Verantwortung und aktive Umsetzungsarbeit zu leisten vermochte. «Sie haben unser Unternehmen in eine andere Umlaufbahn gebracht», erklärt er schlicht.

So richtig für eine «Boutique»

Schmid bestätigt, dass Kunz & Partner nicht auf der Strategieebene verharre, sondern mitgehe und operativ tätig werde, wenn der Kunde es wünsche. Vorausgesetzt, das Mandat bewege sich im Rahmen ihrer Spezialisierung auf betriebswirtschaftliche und IT-Beratung im Finanzsektor und in den ICT-Industrien. «Es war ein geradezu ideales Projekt für eine Beratungs-‹Boutique›, wie wir es sind», fügt der Berater mit unverhohlener Begeisterung hinzu.

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Gerade wegen der ausgewiesenen Branchenerfahrung und Fachkompetenz der involvierten Teammitglieder habe der personelle Aufwand mit fünf Personen auf Beraterseite vergleichsweise klein gehalten werden können. «Wir konnten unsere Kompetenzen in idealer Weise zugunsten des Kunden einsetzen.»

Nur zu verständlich, dass sich Schmid jetzt riesig über den Preis freut: «Das ist schlicht das Tüpfchen auf dem i.» Die Anerkennung komme überdies genau zum richtigen Zeitpunkt, nämlich heute, wo auch der Kunde selbst die Früchte seiner Arbeit geniessen könne.

Viel Potenzial liegt noch brach

Es sei ganz in Ordnung, dass der Berater bei solchen Projekten nicht im Rampenlicht stehe, meint Schmid, freut sich aber darüber, dass fruchtbare Partnerschaften durch den Asco-Award etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten. «In der Schweiz liegt sehr viel Potenzial brach. Der Asco-Award zeigt, dass durch punktuelle Aktionen sehr viel erreicht werden kann.»

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