Die Subprime-Krise lieferte das Exempel, der Madoff-Betrugsfall den Beweis: Die Finanzmärkte sind heute derart globalisiert, dass ein Grossverlust überall Spuren hinterlässt.

Der Finanzplatz Schweiz, wo sich der Schaden auf insgesamt 5 Mrd Dollar belaufen könnte, ist da keine Ausnahme. Hier sind sowohl bekannte Hedge-Fonds-Profis wie Rainer-Marc Frey mit seiner Firma Horizon 21 Madoff auf den Leim gekrochen als auch konservative Institute wie die St. Galler Kantonalbank («Handelszeitung-Online» berichtete). Letztere sieht über ihre Privatbankentochter Hyposwiss weniger als 200 Mio Fr. durch den Betrugsfall gefährdet.

Hinzu kommen Härtefälle wie die kleine Luzerner Privatbank Reichmuth & Co. mit 330 Mio Fr. oder die Westschweizer Hedge-Spezialistin Union Bancaire Privée (UBP), die rund 1 Mrd Fr. bei Madoff angelegt hat. Marginal betroffen sehen sich auch die Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie Versicherer wie Swiss Re (weniger als 3 Mio Dollar), Bâloise (13 Mio Dollar), Helvetia (6 Mio Fr.).

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Gegenstand von Abklärungen

Während seit Bekanntwerden des Betrugsfalls täglich neue Banken und Versicherer ihre Verstrickungen anmelden, werden die tatsächlich Leidtragenden der Krise aber nicht publik: Die Kunden. Denn gerade Banken hatten in den seltensten Fällen Gelder aus ihrer Bilanz investiert, sondern die ihnen anvertrauten Vermögen. Da die Vermögensverwaltung aber eine Haupteinnahmequelle der Finanzdienstleister darstellt, hat nun eine fieberhafte Suche nach betroffenen Geldern eingesetzt.

So bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Zwar sind nach Aussage des Instituts weder bankeigene Instrumente noch jene der Kantonalbank-Fondsvertreiberin Swisscanto in die Affäre verwickelt. Dennoch sei jetzt «Gegenstand von Abklärungen», ob ZKB-Kunden allenfalls in die einschlägigen Hedge-Fonds investiert haben. Ähnlich tönt es bei der St. Galler Privatbank Wegelin: «Es ist nicht auszuschliessen, dass vereinzelte Kunden durch Investments in Dachfonds von Dritten indirekten Performanceschaden erleiden könnten. Dies dürfte sich allerdings in engen Grenzen halten.» Pikant: In der jüngs- ten Ausgabe des jeweils viel beachteten Wegelin-Anlagekommentars kommt die Privatbank zum Schluss «Hedge-Fonds? Können wir abhaken» (siehe Seite 35).

Genau diese auch dem Retailanleger zugänglichen Dachfonds streuen den Madoff-Verlust weiter. Ausgangspunkt dafür ist die sogenannte «open architecture» im Fondsvertrieb namhafter Schweizer Banken. Diese macht es möglich, dass Kunden nicht nur in bankeigene, sondern eben auch in Produkte anderer Emittenten investieren können. Und der vom Betrug tangierte Reichmuth-Fonds Matterhorn ist ebenso frei am Markt erhältlich wie Produkte der UBP. «Dach-Hedge-Fonds dritter Anbieter sind über die «open architecture» der Credit Suisse erhältlich», bestätigt Sprecherin Corene Sullivan die Praxis für die Credit Suisse. Und Kunden hatten keinen Grund, den Matterhorn-Fonds nicht zu kaufen, erreichte dieser doch 2007 eine Performance von 20% und war von der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) zum Handel zugelassen.

«Das fand ich seltsam»

«Die EBK ist jetzt daran, das weitere Vorgehen abzuklären» - weiter wollte sich EBK-Sprecher Alain Bichsel nicht zum Fall äussern. Derweil nehmen die geschädigten Banken das Heft selber in die Hand. «Wir informieren die Kunden und prüfen die rechtlichen Möglichkeiten», sagt Christof Reichmuth, CEO und unbeschränkt haftender Partner der Privatbank Reichmuth & Co. Der Weg bis dahin ist weit, denn er muss sich an die Fonds halten, die wiederum bei Madoff in-vestiert waren. Glücklich, wer vorzeitig Lunte gerochen hat: Lawrence Howell, CEO der Privatbank EFG, der Madoff selbst mehrere Male getroffen hat, sagt: «Ich fand es seltsam, dass Bernard Madoff das Custody selbst betrieben hat.»