Nach längerer Funkstille beim Industriekonzern wird es in gut einer Woche wieder spannend: Am 19. Oktober wird Sulzer den Auftragseingang per Ende September vorlegen - und manche Investoren wohl auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Als Sulzer Ende August die Zahlen zum 1. Semester präsentierte, entkorkten die Anleger aus Freude über den hohen Reingewinn die Sektflaschen - und ignorierten erst einmal den schwachen Auftragseingang. Der war im 1. Halbjahr um knapp ein Drittel auf noch 1,556 Mrd Fr. eingebrochen. Die Analysten der Bank Wegelin erinnerten prompt daran, dass Sulzer traditionell ein Spätzykliker ist. Heisst: Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise könnten sich im 2. Semester verschärfen. Auch Sulzer selbst war um ein realistisches Szenario bemüht: Der Konzern werde die Talsohle wohl erst im kommenden Jahr erreichen, hiess es.Ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt, dass sich daran nichts geändert hat: In den umsatzmässig grössten Sulzer-Marktsegmenten, dem Geschäft mit der Öl-, Gas- sowie der kohlewasserstoffverarbeitenden Industrie, ist die Lage nach wie vor durchzogen, wie Sulzer der «Handelszeitung» bestätigt.

Petrobras sticht positiv hervor

Dabei gibt es durchaus erfreuliche Beispiele: In Sulzers Öl- und Gasgeschäft, Upstream genannt, sticht beispielsweise Brasilien mit der sehr aktiven Fördergesellschaft Petrobras positiv hervor. «Brasilien will bei der fossilen Energieversorgung autark sein», erklärt Sulzer-CEO Ton Büchner. Deshalb habe die Gesellschaft bekannte Ölfelder entwickelt und Plattformen gebaut, um fördern zu können. «Darüber hinaus hat Petrobras diverse Explorationsarbeiten gestartet, um neue Felder zu finden - und war dabei sehr erfolgreich.» Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern würde Brasilien noch immer auch in die kohlewasserstoffverarbeitende Industrie, Downstream-Geschäft genannt, investieren.

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Im 1. Halbjahr 2009 erzielte Sulzer in Lateinamerika 10% des Umsatzes von 1,7 Mrd Fr. - in der Vorjahresperiode waren es erst 5%.Weltweit gesehen würden sich die Firmen mit ihren Investitionen allerdings nach wie vor zurückhalten. «Im Upstream-Geschäft werden bestehende Projekte verschoben», bestätigt Büchner frühere Aussagen. Im Downstream-Bereich seien die Aktivitäten noch immer schwach. «Das hängt damit zusammen, dass die Nachfrage nach Öl- und petrochemischen Derivativen wie Treibstoff und Kunststoffe stark gesunken ist.» Das sorge für einen grossen Margendruck auf die Industrie, deshalb reduzierten die Firmen ihre Investitionen.Trotz der Wolken am Horizont ist die Mehrheit der Analysten optimistisch. Die Bank Vontobel schreibt in einer Sektorstudie vom 25. September: «Sulzer ist in einer komfortablen Lage, da es noch immer von dem immensen Auftragsbestand von Sulzer Pumps und Sulzer Chemtech zehren kann.» Die erfolgreiche Abarbeitung des margenstarken Auftragsbestandes trage dazu bei, die Margen auf hohem Niveau zu halten. Dennoch könnte das projektbezogene Geschäft - also der Bereich Pumpen und sowie Chemtech mit Trennkolonnen und Mischern - unter einer nachhaltigen Flaute leiden. «Der Negativtrend bei Umsatz und Margen dürfte in den nächsten 12 bis18 Monaten aber fortbestehen», so die Vontobel-Analysten.

Positiv ist auch die Bank Sarasin. Sie schreibt in einer Mitteilung vom 24. September, dass «Sulzer optimal positioniert ist und auch bei weiteren partiellen Konjunktureinbrüchen dank solider Nachfrage nach Energie eine überdurchschnittliche Umsatz- und Gewinnentwicklung ausweisen dürfte».