Von der gegenwärtigen Schieflage der Schweizer Grossbanken profitieren viele Kleine, aber auch die PostFinance, die rekordhohe Neukundenzuflüsse verzeichnet. Wer aber sein Geld von den krisengeschüttelten Banken bei der Finanztochter der Post in Sicherheit bringt, landet möglicherweise wieder bei einer Grossbank: Mangels Banklinzenz ist PostFinance darauf angewiesen, in diversen Sparten mit Partnern zu kooperieren.

Einer dieser Partner ist seit einigen Jahren die UBS. Die Kooperation zwischen PostFinance und UBS konzentriert sich vor allem auf den Fondsbereich. Rund 1,35 Mrd Fr. an Fondsvermögen wurden per Ende September über die Grossbank abgewickelt. Das sind über 80% des gesamten Fondsvolumens der PostFinance.

Keine aktive Kommunikation

Das Hypothekengeschäft hat die Post-Finanztochter seit Mitte Jahr nach Deutschland zur Münchner Hypothekenbank (MBH) ausgelagert. Davor diente auch in diesem Bereich die UBS als Partnerin. Pikantes Detail: Wie zu Zeiten der UBS-Partnerschaft wird auch heute den Kunden verschwiegen, dass sie indirekt ein MBH-Produkt beziehen. «Die Kunden werden und wurden nicht aktiv auf die Kooperation hingewiesen», sagt Mediensprecher Marc Andrey. Der Kundenkontakt laufe ausschliesslich über PostFinance, und für die Finanzierung der Hypothek spiele der Kooperationspartner keine Rolle, so Andrey.

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Der Grund für die Beendigung der UBS-Partnerschaft im Hypothekenbereich liegt nicht an der Krise rund um die Grossbank, wie PostFinance-CEO Jürg Bucher betont. «Wir glauben daran, dass die UBS ein verlässlicher Partner ist – und das war sie innerhalb unserer Kooperation auch stets.» Vielmehr habe das Modell Grenzen gehabt. Und angesichts der eingebrochenen Margen im Hypothekenmarkt seien die Kosten zu hoch gewesen, so der CEO.

Auch bei den 3a-Vorsorgekonti ist PostFinance mangels Banklizenz auf einen Partner angewiesen, und auch hier ist ihr via eine Vorsorgestiftung die UBS behilflich. Anfang Oktober kündigte PostFinance eine Zinserhöhung von 2,25 auf 2,75% auf diesen Konti an, was für einiges Aufsehen sorgte. Die Brisanz lag darin, dass bei einem allfälligen Konkurs der Grossbank die Vorsorgegelder nicht durch die Staatsgarantie geschützt wären. «Mit dem Bundesratentscheid, die Vorsorgegelder als Sondervermögen zu privilegieren und damit besonderen Schutzmassnahmen zu unterstellen, fällt diese Problematik bis zum Betrag von 100000 Fr. weg», sagt Bucher.

Post als Dienstleisterin

Für die Dienstleistungen im Fondsbereich wickelt PostFinance im Gegenzug einen Teil des Zahlungsverkehrs für die UBS ab. Allein das durch die Finanztochter der Post abgewickelte Zahlungsausgangsvolumen beträgt jährlich 22 Mio Transaktionen im Inland und 250000 im Ausland. «Dies macht rund 15% des Zahlungsausganges der UBS aus», sagt UBS-Sprecherin Eveline Müller. Demgegenüber fällt der Zahlungseingang mit jährlich 2,5 Mio Transaktionen wesentlich geringer aus.

Aber nicht nur die UBS lagert einen Teil des Zahlungsverkehrs aus. Sowohl die Glarner Kantonalbank als auch demnächst die Tessiner Kantonalbank und die Banque CIC in Basel führen ihren Zahlungsverkehr über PostFinance aus.

In einem anderen Umfeld bewegt sich die Kooperation zwischen Raiffeisen und Vontobel. Durch das sogenannte Private Labeling konzipiert Vontobel beispielsweise strukturierte Produkte, die durch Raiffeisen unter eigenen Namen vertrieben werden. «Das Partnermodell hat sich sehr gut bewährt», sagt Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz. Entsprechend werde auch in Zukunft davon abgesehen, solche Produkte im eigenen Haus zu konzipieren. Daran ändere auch der Umstand nichts, dass Vontobel-Produkte ebenfalls unter den Marktturbulenzen litten, so der Raiffeisen-CEO.

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Ebenfalls ein Private Labeling – allerdings im Fondsbereich – ermöglicht Julius Bär den Banken der Gemeinschaftsorganisation von Schweizer Regionalbanken (RBA) und der Adler Privatbank. Wie bei den Vontobel-Produkten schlägt sich auch hier die Finanzkrise nieder – zumindest indirekt. «Direkt wird unser Private-Label-Fondsgeschäft nicht von der Krise tangiert. Allerdings fragen Kunden derzeit weniger neue Fonds nach», sagt Thomas van Ditzhuyzen, Leiter Private Label Solutions & Fund Projects. Hinzu komme, dass im Zuge der gesunkenen Kurse bei allen Anlageklassen auch das Private- Label-Fondsvolumen zurückgegangen sei, so van Ditzhuyzen.