Bâloise hat vor allem im Lebensversicherungsbereich stark zugelegt. Das erstaunt, zumal in wirtschaftlich schlechten Zeiten normalerweise eher weniger Lebensversicherungsprodukte gekauft werden.

Rolf Schäuble: Derzeit verspüren wir einen regelrechten Nachfrageboom nach klassischen Lebensversicherungen. Eine Zeit lang kamen sogenannte anlagegebundene Lebensversicherungen in Mode, die die klassischen Produkte teilweise vom Markt zu drängen schienen. Nun haben die Kunden aber wieder gemerkt, dass auch die urklassischen Lebensversicherungen ihren Wert haben im Sinne von Sicherheit und Substanz.

Profitiert die Bâloise allenfalls auch von den Problemen beim Lebensversicherer Swiss Life?

Schäuble: Wir konzentrieren uns auf unsere Versprechen gegenüber unseren Kunden. Diese schätzen unsere Solidität und unseren guten Ruf.

? und damit steigt auch die Nachfrage nach Bâloise-Produkten?

Schäuble: Unbestritten, wir verspüren einen vermehrten Kundenzulauf. Aber auch in der Kollektivbranche bei den Vollversicherungen zeichnet sich eine Nachfragezunahme ab.

Auch im Nichtlebenbereich verzeichneten Sie ein Zunahme. Welche Versicherungen werden besonders nachgefragt?

Schäuble: Wir stellen vor allem im Bereich Sach- und Haftpflichtversicherungen einen starken Anstieg fest. Ich glaube, das hängt wiederum mit dem guten und soliden Ruf der Bâloise zusammen. Aber auch konkurrenzfähige Produkte, ein guter Aussendienst und gute Makler, die an uns glauben, verhelfen uns zu diesem Resultat.

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Wie entwickelt sich das Osteuropageschäft?

Schäuble: Das Osteuropageschäft läuft unter anderem über unseren Kooperationspartner OVB. Die Kooperation verläuft gut, und OVB wächst derzeit überdurchschnittlich. Von Bâloise direkt betreuen wir die Märkte in Kroatien und Serbien. Derzeit sind wir dort noch an der Bereinigung der Kundenportefeuilles, was zu Beginn zu Einbrüchen führte. Nun nimmt das Wachstum aber zu, und wir sind auf bestem Weg.

Bâloise galt oder gilt noch immer als Übernahmekandidat. Haben schon Unternehmen an Ihre Tür geklopft?

Schäuble: Ich bin schon seit 15 Jahren in diesem Geschäft und habe diese Spekulationen immer wieder gehört. Aber Bâloise ist und war zu keiner Zeit ein Übernahmekandidat. Wir finden uns alleine sehr gut zurecht.

Wie wirkt sich die derzeit vorherrschende Finanzkrise auf die Schweizer Versicherungsindustrie aus?

Schäuble: Ich glaube nicht, dass die Finanzmarktkrise unmittelbar einen enormen Einfluss auf die Schweizer Versicherungsbranche haben wird. Aber es zeichnet sich ganz klar ab, dass die Krise zu einer Rezession führen wird. Und wir Assekuranzen sind ein Glied in der gesamtwirtschaftlichen Kette. Entsprechend hat die Wirtschaftsabkühlung auch einen Einfluss auf die hiesige Versicherungsindustrie. Denn wenn beispielsweise keine Autos mehr gekauft werden, braucht es auch keine Autoversicherungen mehr.

Kommt es unter den Schweizer Versicherungen zu weiteren Konsolidierungen?

Schäuble: Das glaube ich kaum. Schliesslich ist der Versicherungsplatz Schweiz schon sehr stark konzentriert. So gehört schon fast jede hiesige Assekuranz einem internationalen Unternehmen an.

Sie befürworteten stets eine hohe Aktienquote. Warum nun die Reduktion?

Schäuble: Wir sind zum Schluss gekommen, Massnahmen zu ergreifen, die dem Schutz der Bilanz und des Kapitals dienen. Entsprechend haben wir unsere Aktienquote auf 5,7% reduziert, wovon netto 2,2% in kotierte Aktien investiert sind. Ob es zu einer weiteren Reduktion kommen wird, zeigen letztlich unsere Risikoanalysen.

Werden Sie im 4. Quartal wiederum mit positiven Resultaten auftrumpfen?

Schäuble: Sie werden es kaum glauben, aber ich habe tatsächlich eine Kristallkugel vor mir liegen. Nur leider kann ich daraus nichts Eindeutiges erkennen (lacht).