Das Geschäft mit der freiwilligen CO-Kompensation floriert - trotz Flaute im Reisegeschäft weist etwa der Reiseveranstalter Hotelplan ein ungebrochenes Wachstum aus. In den Filialen von Hotelplan, Travelhouse und in den Globus-Lounges habe sich die Zahl der Kompensierenden in den vergangenen zwei Krisenquartalen gegenüber den Vorjahresquartalen um 750% gesteigert, bilanziert M-Travel-Sprecherin Elina Fleischmann. Damit seien in den letzten sechs Monaten Einnahmen von 100000 Fr. generiert worden. Nachhaltigkeitsthemen wie der Klimaschutz erhielten eine immer grössere Bedeutung, trotz der Wirtschaftskrise.

Eine positive Bilanz zieht auch der Car-Sharing-Anbieter Mobility. Jeder fünfte Kunde fährt mittlerweile aus freien Stücken klimaneutral. «Der Anteil der Kunden, welche einen Aufpreis bezahlen, um klimaneutral zu fahren, hat sich 2008 gegenüber dem Vorjahr auf 22,3% verdoppelt», sagt Mobility-Geschäftsführerin Viviana Buchmann auf Anfrage. Total seien der Klimaorganisation Myclimate letztes Jahr 202000 Fr. zur Kompensation von 1590 t CO überwiesen worden.

Weitere Zunahme erwartet

Der Reiseveranstalter Tui Suisse weist zwar keine genauen Zahlen aus, weil die Kompensation über Dritte ablaufe. TUI-Sprecher Roland Schmid erklärt aber: «Die Zahl der Kunden, welche ihre Reisen kompensieren, steigt auf tiefem Niveau prozentual zweistellig an.» Die Kompensation erfolge unabhängig von konjunkturellen Rahmenbedingungen. Bei der Fluggesellschaft TUIfly, die Kompensationen direkt über die Webseite ermöglicht, würden bereits 40% der Direkt-Internetbucher ihre CO-Emissionen kompensieren. Der Reisekonzern Kuoni bietet seit 2007 ein Kompensationsmodell an, weist aber keine Zahlen aus.

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Das gute Klima in diesem Markt spürt Myclimate, der grösste Schweizer Kompensationspartner, direkt. «Im Vergleich zu 2007 konnten letztes Jahr die Kompensationsverkäufe von 100000 t CO auf 196000 t CO fast verdoppelt werden», sagt Myclimate-Sprecherin Kathrin Dellantonio. Partner von Myclimate sind unter anderem Swiss, Lufthansa, Virgin Atlantic, TUIfly, Kuoni, Hotelplan, Seat, Volvo, Hyundai und Unilever. Für das laufende Jahr erwartet Myclimate eine Steigerung um 50%.

Um einen Anhaltspunkt über die Dimensionen zu haben: Swiss rechnet bei einem Flug Zürich-London retour mit 0,267 t CO-Emissionen. Die Kompensationskosten betragen dabei 8 Fr. Bei einem Flug Zürich-New York retour rechnet sie mit 1,24 t CO bei Kompensationskosten von 38 Fr. pro Economy-Passagier. Im Fall von Myclimate zahlt der Kunde für 1 t CO genauso viel, wie die Vermeidung dieser Tonne in den Projekten kostet. Die Schweiz muss gemäss Kyoto-Vereinbarung ihre Treibhausgase zwischen 1990 und 2012 von 52,8 auf 48,6 Mio t senken.

Auch die Schweizer Post hat den klimaneutralem Versand gegen Zuschlag Anfang Jahr auf expliziten Kundenwunsch eingeführt. Post-Sprecher Richard Pfister: «Gemäss Umfrage sind rund ein Fünftel der Geschäftskunden und rund ein Drittel der Privatkunden an dem Angebot interessiert.»

Kunden optimieren CO2-Bilanz

Konkurrentin DHL-Express Schweiz ist schon seit 2007 aktiv im CO-Neutralisieren. Die Zahl der klimaneutralen DHL-Sendungen habe sich letztes Jahr verdreifacht. Die Nachfrage auch in der Wirtschaftskrise erklärt sich DHL-Sprecher Thomas Jeiziner wie folgt: «Klimafreundlichkeit ist mittlerweile für Firmen börsenrelevant. Zudem wird uns die Wirtschaftskrise vielleicht die nächsten zwei Jahre beschäftigen, die Klimakrise wird länger ein Thema bleiben.» Die Kompensation können sich übrigens die Kunden für ihre CO-Bilanz anrechnen lassen und nicht die Anbieter.

Beim CO-Kompensationsangebot der Swiss steht ebenfalls der Wunsch der Kunden im Vordergrund. «Wir haben vom Angebot keine finanziellen Vorteile», sagt Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel. Dennoch wolle Swiss das klimaneutrale Angebot ausdehnen und kundenfreundlicher gestalten. Derzeit nutzen weniger als 1% der Kunden das Angebot. Als Trend zeichnet sich ab, dass Unternehmen den Kunden Klimakompensationen schenken - bei DHL etwa versenden Privatkunden ihre Pakete gratis klimaneutral.