Die Kunst Zürich hat in den letzten Jahren nicht zuletzt durch den jeweiligen Einbezug einer internationalen Gaststadt ein eigenständiges Profil entwickelt. Sie ist dadurch konkurrenzfähiger geworden und stösst auch beim Fachpublikum auf reges Interesse.

Mit New York als diesjähriger Gaststadt wird dem Publikum eine attraktive und aktuelle Ergänzung geboten. Für diesen Sektor wurden zehn junge Galerien aus New York City ausgewählt, deren Programme sich auf die experimentelle und avantgardistische Gegenwartskunst konzentrieren.

Mit einem Angebot bestehend aus Qualität, Internationalität und Aktualität hat die Kunst Zürich in den letzten Jahren ihren Ruf als eigenständige Entdeckungsmesse gefestigt. Die nüchternen ehemaligen Fabrikhallen gewähren dafür optimale Bedingungen.

Experimentelle Ansätze

Die Messeleitung, bestehend aus Evelyne Fenner und Raphael Karrer, will künftig ihre Nischenstrategie noch intensivieren und nur die Programme der Galerien zulassen, die neben einem professionellen Kunsthandel auch eine nachhaltige Vermittlung jüngster Kunst fördern. Zusätzlich haben sie ausgesuchte Galerien angeschrieben, die auch experimentelle Ansätze verfolgen und so der Messe die Nähe zur aktuellsten Kunstproduktion garantieren.

Eine adäquate Preispolitik und die Möglichkeit von Förderständen für junge Galerien unterstützen diesen programmatischen Ansatz. 15 Galerien ­ also rund 25% der insgesamt 65 Aussteller ­ wurden dieses Jahr für diese Kategorie zugelassen.

Daneben wird weiterhin auf erfahrene Galeristinnen und Galeristen gesetzt, die im Hinblick auf das breit informierte Kunstpublikum aus der Schweiz neben Werken renommierter Namen die nachrückende Künstlergeneration gleichwertig anbieten.

Etablierte Klassiker

Um es gleich vornweg zu nehmen: Auch Liebhaber der klassischen Moderne, von abstraktem Expressionismus, Pop-Art, Action Painting, Nouveaux Réalisme, Farbfeldmalerei und Minimal Art kommen auf dieser doch jungen Messe auf ihre Kosten.

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Zwei wichtige Vertreter des deutschen Expressionismus, Ernst Ludwig Kirchner und Hermann Max Pechstein, sind bei Henze & Ketterer & Triebold (Basel und Bern) zu finden.

Ebenfalls auf hohem Niveau ist die Pop-Art mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Keith Haring, Robert Rauschenberg und Tom Wesselmann auf dem Stand der Auden- Galerie aus Bad Homburg (an einem Gemeinschaftsstand mit Global Art Affairs aus New York) eindrücklich vertreten.

Ebenso im Angebot der Klassiker sind Pierre Alechinski (Art Forum Ute Barth), Eduardo Chillida (Nothelfer, Berlin), Sonia Delaunay und Serge Poliakoff (Proarta, Zürich), Sam Francis, Mark Tobey und Varlin (Carzaniga, Basel), Le Corbusier (Bommer, Zürich), Dieter Roth (Meier, Genf).

Bei den zeitgenössisch Etablierten ist Alessandro Twombly vertreten (Carzaniga, Basel). ArteGiani aus Frankfurt mit Arnulf Rainer und Alighiero Boetti im Galerien-Programm, verspricht auch dieses Jahr ein bekanntes zeitgenössisches Spektrum. Die amerikanische Multimedia Künstlerin Jenny Holzer findet man bei Art Forum Ute Barth aus Zürich. Herbert Hamak ist bei der Galerie Hollenbach aus Stuttgart vertreten, welche seit 2004 auch einen Ausstellungsraum in Zürich betreibt, während die Galerie Jochen Höltje sich vor allem der zeitgenössischen ungegenständlichen Kunst widmet, wie etwa den interaktiven Licht- und Klangobjekten von Peter Vogel.

Die grösste Gruppe der Etablierten bilden jedoch Galerien mit konstruktiv-konkreter Ausrichtung, reduzierten Formen und Farbfeldmalerei. Es ist auffällig, wie häufig konkrete, konstruktive, minimalistische Positionen an dieser Messe vertreten sind.

Die Schweizer Zeitgenossen

Rund die Hälfte der Aussteller kommt aus der Schweiz. Die Zürcher Galerie Hufschmid zeigt u. a. Arbeiten von Urs Frei (Grafiken), Helmut Sennhauser und Valentin Hauri; Scalo beeindruckt mit der stilistisch, umweltpolitisch wie auch zeitlich aktuellsten Arbeit von Annelies Strba, eine Künstlerin, die auch bei Anton Meier aus Genf vertreten ist. Der Galerist stellt ihren neuen Bilderzyklus «Frances und die Elfen» vor, der diesen Sommer im Rudolfinum in Prag erstmals zu sehen war.

Grössere Ausstellungen über Uwe Wittwer liefen oder laufen dieses Jahr in Solothurn, Aachen und Berlin. Eine Auswahl neuerer Arbeiten Wittwers wird ebenfalls am Stand von Anton Meier gezeigt; Uwe Wittwer ist ebenso bei der Galerie Haldemann aus Bern vertreten.

Die reduziert gehaltenen Skulpturen des Zürcher Eisenplastikers James Licini sind bei der Galerie Bommer aus Zürich zu bewundern, und weitere Werke eines bekannten Eisenplastikers und Malers, Jean Mauboulès, bei Ueker & Ueker aus Basel.

Die Fotografien von Chantal Michel (Kabinett, Bern) zeigen Momentaufnahmen einer gelebten Rolle, die spielerisch auf den Punkt gebracht wird, während bei der jungen Galerie Römerapotheke aus Zürich die dunklen «Portraits» von Bergen, Himmel, Stein und Wasser des Thuner Künstlers Reto Camenisch zu entdecken sind.

One-Person-Shows

Dieses Jahr werden zehn «one person shows» gezeigt, das bedeutet, dass eine Galerie einen Stand oder einen grösseren Bereich ihres Standes exklusiv einer Künstlerin oder einem Künstler widmet.

Sein Name ist schon lange Synonym für Fantastische Kunst: Der auf Messen selten gesehene Gast, HR Giger, wird von der Galerie Baviera aus Zürich gezeigt. HR Giger wird ausserdem persönlich bei der Podiumsdiskussion am Samstag anwesend sein.

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Die 1976 geborene Myriam Arnelas erhielt diesen Herbst von der Stadt Zug einen sechsmonatigen Atelieraufenthalt in Kairo zugesprochen. Ihre neuen Malereien sind sinnliche und emotionale Balanceakte. Die Künstlerin, die selbst meist zugleich auch Modell ist, zeigt Blösse, Verletzlichkeit und Unsicherheit. Die Galerie Billing aus Baar widmet der jungen, viel versprechenden Künstlerin ebenfalls eine One-Person-Show.

Die Galerie Benden aus München präsentiert die Wiener Künstlerin Victoria Coeln mit ihren Chromogrammen. Im Atelier der Künstlerin entsteht die Basis für diese Technik am Lichttisch: Victoria Coeln malt mehrere Sets von monochromen, transparenten Filtern in den Primärfarben des Lichts Rot, Grün und Blau. Diese Sets unterscheiden sich in Farbauftrag und Dichte und bilden die Grundlage für das komplexe Mischsystem der Künstlerin.

Chance für junge Talente

Mit den letztjährigen «OffSpaces» hat sich bereits eine Tendenz hin zu ganz jungem, vom etablierten Kulturbetrieb noch weit gehend unberührtem Kunstschaffen aufgezeigt, die dieses Jahr gefestigt wird. Im Vordergrund stehen dabei Galerien, die weniger als fünf Jahre alt sind und deren an der Messe gezeigten Künstler jünger als 35 Jahre sind. Die Tatsache, dass die Kunst Zürich eine neue globale, ganz junge Ausrichtung verfolgt und sich eindeutig über den Kontinent Europa hinaus bewegt, verrät ein viel versprechendes Konzept, welches sich ab 2006 fest etablieren soll.

In den Förderkojen zu reduzierten Standmieten zeigen erstklassige junge Galerien neue Arbeiten junger Talente. Die soeben erst eröffnete Galerie Gabriel Brachot aus Brüssel präsentiert u. a. neue Arbeiten von Sebastian Délire.

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Die Galerie Wachs aus Berlin (ebenfalls 2005 gegründet) verpflichtet u. a. mit Kerstin Pfefferkorn eine viel versprechende Malerin, die in aufwendiger Schichtung kleine, an die Vergänglichkeit mahnende Porträts schafft. Als Kontrast dazu gibt es die jungen wilden Schweizer, wie sie Artdirekt aus Bern mit der Zürcherin Tatjana Gerhard ausstellt.

Figur und Landschaft liegen immer noch und immer wieder im Trend: Sorgfältige Malerei als Kontrapunkt zum trashigen installativen Überborden der letzten Jahre. Ist dies ein Zeichen der Zeit, oder bloss ein Zeichen für Zürich und die Schweiz: Fein, zurückhaltend und innovativ im Stillen? Der Schweizer Maler und Zeichner Christian Denzler (bei Brachot und Kabinett) etwa verweist mit seinen monochromen, sorgfältigen Oberflächenstrukturen auf die Langsamkeit und Relativität des Schaffens und der Wahrnehmung.


Kunst 05 Zürich

- Aussteller: International anerkannte Galerien bieten neben renommierten Positionen auch aktuellste Tendenzen zeitgenössischer Kunst an. Gastsektor ist dieses Jahr New York.

- Ort: ABB-Hallen 550. Zwei insgesamt 8000 m2 grosse ehemalige Fabrikhallen an verkehrsgünstiger Lage hinter dem Bahnhof Zürich-Oerlikon (Eingang: Birchstrasse).

- Anreise: Bis Bahnhof Zürich-Oerlikon mit S-Bahn, Tramlinien 10, 11 oder Buslinie 80.

- Öffnungszeiten: Freitag, 18. November: 14 bis 22 Uhr,

Samstag, 19. und Sonntag, 20. November: 12 bis 20 Uhr, Montag, 21. November: 12 bis 19 Uhr.

- Tickets: Tageskarte 18 Fr., Schüler/Senioren 12 Fr., Abendkasse ab 18 Uhr 10 Fr., Dauerkarte 25 Fr./ Katalog 20 Fr., Museumskarte 34 Fr. (vier Tage gültig für die Kunst 05 Zürich und Kunstmuseen in Zürich und Winterthur).

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- Führungen: 15 Fr./10 Fr. (Schüler/ Senioren). Öffentliche Führungen: Samstag und Sonntag jeweils 15 Uhr. Private Führungen: Täglich bis 20 Uhr (d/e), auf Voranmeldung.

- Tourist Service: Telefon 044 215 40 00

- Veranstalter: Gruppe 44, Evelyne Fenner/Raphael Karrer, Postfach, Forchstrasse 41, Zürich

Telefon 044 381 00 52, Fax 044 381 04 52.


Podiumsreihe: HR Giger im Gespräch mit Norberto Gramaccini (Universität Bern).

Sein Name ist ein Synonym für Fantastische Kunst. 1940 in Chur geboren, zog HR Giger 1962 nach Zürich, wo er Architektur und Industriedesign studierte. Bekannt wurde er mit seinen surrealistischen Traumlandschaften und dem unverwechselbaren «biomechanischen Stil» seiner Airbrush-Malerei. Für seine Mitarbeit in Ridley Scotts Film «Alien» erhielt HR Giger 1980 einen Oscar. Es folgten weitere grosse Filmprojekte und Auszeichnungen.

16 Uhr Podiumsdiskussion, Neu-Oerlikon: Kunstdeponie oder Freilichtgalerie?

- Teilnehmer: Bettina Burkhardt, Co-Leiterin Fachstelle Kunst und Bau, Zürich, Christoph Haerle, Künstler und Architekt, Zürich, Brita Polzer, Redaktorin Kunst Bulletin und freie Kunstkritikerin, Zürich, Martin Waser, Stadtrat und Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement Stadt Zürich.

- Moderation und Führung: Roderick Hönig, Redaktor «Hochparterre».