Die ZKB verleiht bereits das dritte Jahr den ZKB Kunstpreis mit einer Preissumme von 10000 Fr. an eine von 12 ausgewählten Soloshows an der Messe Kunst Zürich. Sie honoriert mit diesem Engagement neben einer aussergewöhnlichen künstlerischen Arbeit auch das Bemühen der Messeleitung um eine nachhaltige Vermittlung aktueller Kunst. Dabei hat sich die Jury, bestehend aus Tobia Bezzola (Kurator Kunsthaus Zürich), Beatrix Ruf (Direktorin Kunsthalle Zürich) und Sabine Rusterholz (Direktorin Kunsthalls Glarus), für zwölf junge Galerien entschieden, die den gegenwärtigen Kunstdiskurs im Kanton Zürich entscheidend mitprägen. Ziel ist es, Netzwerke entstehen zu lassen, sowohl bei den Kunstschaffenden und ihren Vermittlern wie auch im Diskurs mit dem Publikum.

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Obwohl die Einzelausstellungen unterschiedlicher nicht sein könnten, ist es interessant, die Parallelen inhaltlicher wie auch formaler Natur zu beobachten.

Zwischen Ordnung und Chaos

Auffallend sind die Parallelen zwischen den drei Künstlerinnen Athene Galiciadis (geb. 1978), Romana Del Negro (geb. 1968) und Anna Amadio (geb. 1963). Auch wenn die Arbeiten sich formal nicht zwingend ähneln oder ergänzen, sind sie in ihrer Auseinandersetzung und Arbeitsweise mit dem Material inhaltlich ähnlich. Alle drei Künstlerinnen lassen sich von nicht vorgesehenen Momenten leiten. Der Formfindungsakt wird dabei zum Akt der Selbstfindung.

Athene Galiciadis (bei Claudia Groeflin Galerie) bewegt sich in einer fortwährenden Auseinandersetzung mit dem ambivalenten Verhältnis von Form und Inhalt, rastlos auf der Suche nach einer ästhetischen Lösung. «Wenn ich vor einem Blatt Papier sitze, lasse ich mich von der Bewegung meiner Finger leiten, bis hin zu einer Form. So entstehen spontane Einfälle, die sich von jeglicher Idee emanzipiert haben», beschreibt sie ihre Arbeitsweise.

Sowohl inhaltlich wie formal lassen sich Parallelen feststellen zwischen Galiciadis und Romana Del Negro (Galerie Kenworth-Ball Lange + Pult). Auch bei Del Negro übernimmt die Intuition die Leitung in ihrem Schaffen, geleitet von Neugierde und (Un-)Geduld anstelle eines Konzeptes. Formen, Farben und Kompositionen werden assoziativ kombiniert und oszillieren in raumgreifenden Installationen zwischen Ordnung und Chaos. Seltsame Welten entstehen zwischen Natur und Architektur als labile Momentaufnahme zwischen Zerstörung und Innehalten.

Eine formale und inhaltliche Vernetzung findet man neben Del Negros Verbindung zu Anna Galiciadis auch zur international bereits anerkannten Anna Amadio (bei Lullin + Ferrari). Ebenso wie bei Del Negro ist das räumliche Moment bei Armadios Plastiken und Zeichnungen essenziell. Ihr Umgang mit Farbe ist von räumlich-skulpturalen Überlegungen geprägt. Dabei wird Farbe in erster Linie zu Materie und es entstehen Reflexionen über den menschlichen Lebensraum.

High Art und Low Culture

Ein grosser thematischer Schwerpunkt an der diesjährigen ZKB-Kunstpreis-Verleihung ist die Auseinandersetzung von Kunst mit Massenkultur. Sieben der zwölf Nominierten befassen sich in unterschiedlicher Art und Weise mit diesem gesellschaftspolitischen Phänomen, sei es als Vehikel zur Selbstfindung oder als offene Kritik am (Kunst-)Markt.

Christina Forrer (bei Bolte Lang) zeigt in einer begehbaren Gesamtinstallation aus verschiedenen Werken (Zeichnungen und Skulpturen) eine Arbeit, die auf unsere sich stets wandelnde und auf sich selbst bezogene Welt hinweist. Com&Com (bei Bernhard Bischoff & Partner) werfen einen ironisch-kritischen Blick auf den Warencharakter der Kunst in einem frechen Spiel von Original und Fälschung. Bei Abbt Projects begegnen wir mit Patrick Hari (geb. 1977) einem Künstler, dessen Arbeiten ebenso leichtfüssig daherkommen wie die Arbeiten von Tom Huber, geb. 1976 (Galerie Rotwand). Auch Hari spielt mit gesellschaftlichen Codes. Sieht sich Huber als «Unterhalter», versteht sich Hari als Suchender. Er lotet das allgemeine Verständnis von Kunst aus und verwischt dabei die Grenzen zwischen Skulptur, Installation, Dokumentation und Inszenierung. Sein Werk ist einer ständigen Weiterbewegung unterworfen. So kann es sein, dass er innerhalb der Arbeit plötzlich als Protagonist auftritt oder die Ausstellungsbesucher in den Prozess integriert und so sein Werk während der Zeit der Ausstellung ständig verändert.

Identitätsfindung

Stand in den vorgängig besprochenen Arbeiten die Reflexion des Mensch-Seins über den menschlichen Lebensraum und seine Verbindung zur Massenkultur im Zentrum, geht es bei Tanja Roscic (Freymond - Guth & Co Fine Arts) und Marc Elsener (Christinger De Mayo) um eine andere Art der Auseinadersetzung und Identitätsfindung. Beide greifen auf historische Kontexte und Formensprachen zurück. Bedient sich Roscic des Okkultismus und der Mystik, in deren Kontext sie kryptische Fabelwesen erschafft, die in pseudowissenschaftlicher Manier die Nöte und Qualen der menschlichen Seele ausloten, nimmt Marc Elsener Bezug zur naiven Bauernmalerei, zur Art Brut und zur Bildsprache der Renaissance. So winzig und unbedeutend die Menschen in Elseners riesigen Landschaften wirken mögen, sind sie doch stets Dreh- und Angelpunkt des Bildgeschehens. Harmlose Motive offenbaren durch eine Form von existenzialistischer Selbstbefragung.

Die zwölf nominierten Arbeiten beweisen im Kleinen, was uns im Grossen bewegt: Die ständige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit unserer Welt ebenso wie das «Sich-darin-Finden». Dies könnte angesichts der gegenwärtigen Weltlage überaus ernsthaft daherkommen. Glücklicherweise ist dem nicht so. Alle Werke zeigen mit Tiefgang gesellschaftskritische Aspekte auf. Sie verschliessen sich den Problemen nicht, verlieren aber trotzdem nie den Humor.

Man darf sich auf eine spannende Nomination mit prägenden zeitgenössischen Künstlern und einer hochkarätigen Jury freuen.