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Arbeitsmarkt
Künstliche Intelligenz braucht menschliche Skills

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Der bekannteste Roboter der Welt, «Sophia» – wie können wir künstliche Intelligenz richtig bedienen?Quelle: Getty Images

Entegen der weit verbreiteten Meinung schafft Künstliche Intelligenz neue Arbeitsplätze. Dazu müssen Firmen in Umschulungen investieren.

Von David Torcasso
am 18.09.2018

Im Diskurs über Künstliche Intelligenz werden immer wieder Untergangsszenarien mit Millionen von Arbeitslosen beschrieben. Die Maschinen werden den Menschen die Arbeit wegnehmen, lautet der allgemeine Tenor. Die aktuelle Studie «The Future of Jobs Report» des World Economic Forum WEF besagt das Gegenteil: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz schafft neue Arbeitsplätze. Und zwar beim täglichen Umgang mit dieser Technologie – und auch in der klaren Abgrenzung des Menschen davon. 

Auch in der Schweiz werden bei zahlreichen Jobprofilen sogenannte «KI-Fähigkeiten» verlangt. Dabei geht es darum, wie man neuronale Netze und «Deep Learning» entwickeln und in konkreten Anwendungen einsetzen kann. Zwischen 2015 und 2017 ist der Bedarf nach Arbeitskräften mit diesen Skills weltweit um 190 Prozent gestiegen. Die Daten für die Studie kommen unter anderen vom Karriere-Netzwerk Linkedin, das weltweit über 500 Millionen User zählt. 

Aufwand für die Umschulung

Es besteht aber nicht nur ein grosser Bedarf an neuen Arbeitskräften, die KI bedienen können, sondern auch umgeschulte Mitarbeiter, die sich in diesem Bereich auskennen, verhelfen Firmen zu einer schneller wachsenden Prosperität. 2018 werden noch 71 Prozent aller Arbeitsaufgaben von Menschen erledigt. 2022 werden es noch rund 58 Prozent sein.

Deshalb ist die Umschulung von Arbeitskräften für die Bedienung von «Machine Learning» entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Neben dem Auswerten von Big Data und Software-Anwendungen wird der Umgang mit Künstlicher Intelligenz an dritter Stelle bei den gesuchten Skills bei Schweizer Unternehmen genannt.

Die Schweiz investiert wenig Zeit

Die Studie geht auch davon aus, dass der Bedarf an solchen Fachkräften nicht durch Neuanstellungen gedeckt werden kann. «Um ein Szenario zu vermeiden, bei dem wir alle verlieren, müssen Unternehmen ihre Arbeitskräfte in der Umschulung unterstützen», schreibt WEF-Gründer Klaus Schwab

Die Schweiz bildet beim zeitlichen Aufwand für die Weiterbildung von Mitarbeitern das Schlusslicht: Hierzulande werden dafür im Durchschnitt nur 83 Tage aufgewendet. In Frankreich sind es 105 Tage. Dieser Zeitraum wird nach Angaben des WEF benötigt, um betroffene Mitarbeiter neu zu qualifizieren oder mit nötigen Tools auszurüsten. Die Investition in die Weiterbildung der Mitarbeiter wirke sich auch unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes aus.

Die Schweiz gehört zu einem der wettbewerbsfähigsten Länder der Welt, vor allem auch wegen der gut ausgebildeten Arbeitskräfte. Der Anteil der Maschinen an der Arbeitsleistung steigt aber auch hierzulande. Deshalb werden in dem für die Schweiz relevanten Bereich der Finanzdienstleistungen bis 2022 rund 30 Prozent mehr AI und «Machine Learning»-Spezialisten benötigt. Dazu kommen Datenanalysten, «Innovation Professionals» und sogenannte «Human-Machine Interaction Designer». Jobs in der Administration, Finanzanalyse und Buchhaltung fallen dagegen um rund einen Viertel weg. 

KI bringt mehr anstatt weniger Jobs

In der Studie des WEF wird zwar geschätzt, dass der Anteil der Maschinen an der Arbeitsleistung von heute 29 Prozent auf 50 Prozent im Jahre 2022 steigen wird. Dieser schnelle Wandel führe aber zu mehr und nicht zu weniger Arbeitsplätzen, so das Fazit. Sie besagt, dass Unternehmen zuerst Arbeitskräfte mit Kenntnisse in neuen Technologien einstellen, und erst an zweiter Stelle auf Automatisierung setzen. Zudem geben 72 Prozent der Unternehmen an, die bestehenden Arbeitskräfte zu behalten. Unter der Bedingung, dass sich weiterbilden. 

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