Korkfehler - in der Schweizer Umgangssprache bekannt als «Der Wein hat Zapfen» - häufen sich weltweit, weil der Bedarf an Korken angesichts der Wein-Globalisierung immer grösser wird. In Asien werden plötzlich Korken benötigt, in Australien ohnehin, in immer mehr Ländern Lateinamerikas gibt es Weinanbau, und in Osteuropa sind grosse Flächen zur Aufrebung vorgesehen. So kommt es, dass in den USA der Drehverschluss bereits bei sehr hochwertigen Weinen seinen Siegeszug angetreten hat. Alternative Weinverschlüsse sind deshalb aktuell, weil immer mehr Naturkork weltweit verbraucht und die Korkqualität immer schlechter wird. Ist deshalb beispielsweise der Schraub- oder Drehverschluss eine Alternative?

Luftdurchlässigkeit lässt sich regulieren

Nach meiner persönlichen Beobachtung altern Weine mit Schraubverschluss schneller als jene mit Naturkorken. Schraubverschlüsse sind deshalb nach meinem Eindruck nur sinnvoll für Weine, die frisch getrunken werden. Weine, die wirklich über Jahre und Jahrzehnte reifen sollen, benötigen einen Verschluss, der minimale Luftzufuhr erlaubt. Denn nur die Sauerstoffzufuhr in winzigsten Dosen schafft jenen Oxydationsprozess, den wir als Reife bezeichnen. Und genau hier kommen die Kunststoffkorken ins Spiel. Die Firma Nomacorc mit Hauptsitz im amerikanischen Zebulon, North Carolina, und einer europäischen Produktionsstätte im belgischen Thimister-Clermont hat als Marktführerin die genaue Sauerstoff-Durchlässigkeit ihrer einzelnen Korkentypen getestet. Produzenten wie Nomacorc bieten daher Kunststoffkorken mit verschiedener Durchlässigkeit für ganz unterschiedliche Weintypen an. Der grosse Vorteil: Der Wein wird weiterhin «rituell» entkorkt, hat aber wegen des Kunststoffs keine Korkfehler. Der Nachteil anderseits: Die hochwertigen Kunstkorken sind relativ teuer und nicht zu verwechseln mit den simplen Kunststoffstopfen bei manchen Supermarkt-Weinen.

Was aber nach 40 oder 50 Jahren?

Wie sich die Kunstkorken langfristig wirklich auf die Weinentwicklung auswirken, bleibt abzuwarten. Hochwertige Kunststopfen gibt es erst seit etwa zehn Jahren. Das ist für das Leben eines Bordeaux-Weins aus einem guten Jahrgang oder für einen bedeutenden Riesling gar nichts. Solche Weine liegen hin und wieder 40, 50 Jahre im Keller. Interessant wird es erst jenseits der 10-Jahres-Grenze. Erste Experten sind bereits skeptisch hinsichtlich der Reife mit Kunstkorken. Blickt man jedoch auf die wissenschaftliche Spezifizierung dieser Produkte, so müsste der Sauerstoffdurchlass so sein wie bei einem guten Naturkorken. Und weil am Ende nichts über die Praxis geht, werden wir uns bei bedeutenderen Weinen mit Kunstkorken noch etwas gedulden müssen, um ein Urteil zu fällen.Für mich stellt sich beim Schraubverschluss die Frage wirklicher Lagerfähigkeit. In meinem Keller lagern Weine oft mehr als 20 Jahre. Wie ist beim Schraubverschluss die Entwicklung, wenn doch die natürliche Luftdurchlässigkeit des Naturkorkens wegfällt. Der Oxydationsprozess macht das aus, was wir gemeinhin als «Reifung» bezeichnen. Noch drastischer ist das Problem beim hermetisch abdichtenden Glaskorken. Erste Versuche mit fünf Jahre gelagerten Schraubverschluss-Weinen ergaben bei mir persönlich, dass die Weine frühe Alterstöne hatten und sich nicht sehr harmonisch entwickelten. Experten berichten dagegen über positivere Ergebnisse.Mir ganz persönlich ist freilich die Perspektive eines nobleren Kunstkorkens, den man noch aus der Flasche ziehen kann, sympathischer als der Schraubverschluss, den man höchstens rituell mit einer noblen Holz-Drehscheide aufdrehen kann. Und am unsympathischsten ist aber zweifelsfrei ein «Wein mit Zapfen».

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