Die Hausse am Kunstmarkt wird anhalten. Daran zweifelt an der am Mittwoch angelaufenen führenden Kunstmesse Art Basel niemand. Profiteure sind nicht nur die Galerien, sondern vor allem auch die Kunst-Versicherer: Schwindelerregende Verkaufspreise bedeuten höhere Versicherungsprämien.

Denn diese sind direkt an den Wert der Kunstgegenstände gekoppelt. «Absolut gesehen wurden die Versicherungen unter Umständen teurer, obwohl der Prämiensatz in den letzten Jahren eher gesunken ist», erklärt Gabriela Rossi, Kunsthistorikerin beim Schweizer Marktführer Axa Art.

Grund für den rasant wachsenden Kunstversicherungsmarkt sind die Marktausweitung – es gibt mehr und grössere Privatsammlungen – und die steigende Sensibilisierung aufgrund der astronomischen Verkaufspreise.

Diebstähle steigern Sensibilität

«Wir sind innert vier Jahren von 0 auf 650 Mio Fr. versicherte Werte gekommen», sagt Oliver Class, Kunstexperte bei der Allianz Suisse, dem jüngsten Player in der Schweiz. Damit hat der Versicherer bereits rund einen Viertel Marktanteil erreicht.

Erst schätzungsweise 10 bis 15% aller Kunstobjekte in der Schweiz sind von einer Kunstversicherung gedeckt. Das Gros ist überhaupt nicht versichert. Rund 10 bis 15% laufen unter Hausratversicherungen. Bei Axa Art rechnet man angesichts dieses Potenzials in den nächsten Jahren mit Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich.

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Es ist im Übrigen nicht die Angst vor Überfällen, die Kunstsammler vermehrt in die Arme von Versicherungen treibt. Spektakuläre Diebstähle wie jüngst in Zürich, Kilchberg oder Pfäffikon haben nach Aussagen der Versicherer zwar die Sensibilität gesteigert, aber keinen eigentlichen Nachfrage-Hype ausgelöst. Tatsächlich machen Einbruch-Diebstähle wenige Prozent aller Versicherungsfälle aus (vgl. Tabelle).

Weitaus relevanter sind für die Versicherungsbranche Beschädigungen. Gut 70% aller Fälle betreffen nämlich Schäden, die entweder bei Sammlern oder auf Transporten entstehen. Beschädigung, Reparatur und ein allenfalls daraus resultierender Minderwert sind durch Hausratversicherungen nicht gedeckt. Dafür springen die Kunstversicherer hier immer stärker mit spezialisierten Produkten in die Lücke.

Am umfassendsten positioniert sich die Nationale Suisse. Sie deckt etwa auch Flug- und Zollkosten, die notwendig werden im Zusammenhang mit der Wiedererlangung von abhanden gekommenen Kunstgegenständen. Ausserdem bezahlt sie die Mehrkosten, falls ein Versicherter ein gestohlenes Objekt erwirbt und dieses zurückgeben muss.

Allianz Suisse setzt ebenfalls auf spezielle Deckungskonditionen, besonders für die Klasse der Superreichen. Ausserdem will der Versicherer durch Expertise punkten. Vier der fünf Angestellten im Bereich Kunstversicherungen sind Kunsthistoriker. Im Gegensatz zur Konkurrenz – und auch zur UBS, der führenden Bank für Kunstfragen – kann sich Oliver Class von der Allianz Suisse zudem vorstellen, ein Cross-Selling im Art-Banking zu institutionalisieren. Als Partner kommt dafür die Allianz- Tochter Dresdner Bank in Frage.

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Steigende Gewaltbereitschaft

Axa Art fördert dagegen aktiv die Restaurierungsforschung und arbeitet beispielsweise mit der Tate Gallery in London an Methoden für die Oberflächenbehandlung von Acryl-Bildern. Ausserdem verfolgt der Schweizer Marktführer, der weltweit 50 Kunsthistoriker beschäftigt, einen ganzheitlichen Versicherungsansatz.

Eine grosse Herausforderung für alle Kunstversicherer ist die korrekte Bewertung von Kunstobjekten, nicht nur für Neukunden, sondern auch für die Nachbewertung von bestehenden Versicherungen. «Man darf nicht den derzeitigen Marktspekulationen nachgeben. Aber trotzdem muss man den Preisen gerecht werden», so Rossi. Daneben kämpfen die Versicherer mit einer steigenden Gewaltbereitschaft. So haben die Axa-Experten einen Katalog zur Sicherheitsüberprüfung von Museen mit über 1000 Fragen erarbeitet. Dennoch versichert das Unternehmen Ausstellungen im Aussenbereich nur noch sehr vorsichtig.

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