Nachdem sowohl der Schweizer Branchenprimus Kuoni als auch die Nummer zwei Hotelplan ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 kommuniziert haben, ist klar: Für die Migros rechnet sich ihr Engagement im Tourismussektor derzeit bloss dank Kuoni - dem Rivalen der hauseigenen Reisetochter Hotelplan. Letztere ist 2009 tief in die Verlustzone gerutscht.

Falls die Generalversammlung des Kuoni-Konzerns am 20. April die vorgeschlagene Dividende von 8 Fr. pro Aktie absegnet - und davon ist auszugehen -, erhält die Migros für ihre aktuell 7,5% in Form von Anteilen 2,28 Mio Fr. überwiesen. Zudem hält der Detailhandelsriese noch 1,0% in Form von Put-Optionen; wohl um sich gegen Kursrisiken abzusichern.

Weniger Dividende von Kuoni

Der Wermutstropfen für die Migros im zweiten zählbaren Jahr ihrer Beteiligung an Kuoni ist, dass für 2009 die Dividende 2 Fr. tiefer ausfällt als für 2008. Doch damals wurden nur 1,9 Mio Fr. garniert, weil der Detailhandelsriese erst 5,0% gezeichnet hatte. Obwohl die Migros seit über einem Jahr der drittgrösste Teilhaber an Kuoni ist, werden beide Seiten nicht müde zu betonen, dass es sich dabei um ein «rein finanzielles Investment» handelt - ebenso wollen die Gerüchte um eine Übernahme von Hotelplan durch Kuoni nicht verstummen. Immerhin konnte der Aktionär Migros vom grössten Konkurrenten seiner Reisetochter bald mehr als 4 Mio Fr. an Gewinnausschüttungen kassieren.

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Migros und Hotelplan uneins

Kein Geld für die Migros gibt es nach dem Krisenjahr 2009 von der eigenen Hotelplan-Gruppe. Wie hoch der Verlust unter dem Strich ausfällt, ist nicht bekannt, da weder Hotelplan noch Migros den Reingewinn bekannt geben - im Gegensatz zum Vorjahr.

Umso pikanter ist, dass beim publizierten operativen Betriebsverlust die Meinungen der beiden Seiten auseinandergehen: Hotelplan hat ihn im Geschäftsbericht 2009 am 16. März 2010 mit einem Minus von 21,6 Mio Fr. rapportiert; die Migros hat ihn an der Bilanzpressekonferenz 2009 am 30. März 2010 mit einem Minus von 26,6 Mio Fr. beziffert. Die Erklärung von Hotelplan zur Differenz: Dies sei das Betriebsergebnis (Ebit) vor Vorsorgeeffekten, die genau 5 Mio Fr. zugunsten des effektiven Ebit ausmachten.