Für den Reisekonzern Kuoni fällt Ägypten als Tourismusdestination bis auf weiteres weg. «Ägypten ist in diesem Jahr verloren», sagte der interimistische Konzernchef Peter Meier an einer Telefonkonferenz zum Halbjahresresultat.

Eine baldige Rückkehr der Touristen in das Land am Nil ist laut Meier nicht zu erwarten. «Aus unserer Sicht wird Ägypten in den nächsten 18 Monaten kaum zurückkommen, unabhängig davon, was auf politischer Ebene passiert.» Das Aussendepartement (EDA) hatte vergangene Woche als Reaktion auf die seit Wochen anhaltende Gewalt eine generelle Reisewarnung für Ägypten herausgegeben. Die grossen Schweizer Reiseveranstalter transportieren keine Reisenden mehr ins Land.

Aktuell befinden sich laut Meier noch etwa 200 Gäste in Ägypten, die über Kuoni gebucht haben. Diese werden bis Anfang September zurückgekehrt sein.

Touristen haben Vertrauen verloren

Mit Ägypten-Reisen wird Kuoni im zweiten Geschäftshalbjahr kaum Umsatz machen. In der Vergangenheit generierten diese Reisen laut Meier Einnahmen von etwa 100 Millionen Franken pro Jahr, davon jeweils mehr als die Hälfte im letzten Quartal. Teilweise lässt sich der Rückgang gemäss dem Kuoni-Chef zwar kompensieren. Erfahrungsgemäss weiche aber nur etwa die Hälfte jener, die eine Ägypten-Reise geplant haben, auf eine andere Destination aus.

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Dass Ägypten als Feriendestination vorerst wegfällt, findet Meier bedauerlich. Das Land habe «extrem viele Erfolgsfaktoren für erfolgreichen Tourismus». Als Beispiele nannte er die günstigen klimatischen Bedingungen und die relativ tiefen Preise. «Man muss aber auch der Realität ins Auge sehen.»

Anders als beim arabischen Frühling 2011 werde der Einbruch des Tourismussektors in Ägypten diesmal nachhaltig sein, prophezeite Meier. Selbst wenn sich die Sicherheitslage wieder verbessern sollte, habe das Land «bei den Touristen extrem viel Vertrauen verloren.»

«Wenn man nach zwei Jahren noch keine stabile Regierung hat, dann ist die Volksmeinung gemacht, dass die Instabilität permanent ist», sagte der Kuoni-Chef. «Und wenn dann die Muslimbrüder noch Vorschriften machen wollen, welche Badekleider man tragen darf, dann kommt auch noch ein kulturelles Problem dazu.»

(muv/jev/sda)