Böse Zungen in der Schweizer Reisebranche behaupten, dass sich die Migros vor Jahresfrist bei Kuoni engagiert hat, um mit Ferien endlich mal wieder richtig Geld zu verdienen, weil die eigene Reise-Tochter Hotelplan immer weniger Profit abwirft. Diese Behauptung ist nicht aus der Luft gegriffen: Den ausgewiesenen Reingewinnen für das vergangene Geschäftsjahr zufolge dürfte für die Migros die Kuoni-Beteiligung «einträglicher» ausfallen als der Hotelplan-Besitz (siehe Tabelle).

Auf Anfrage der «Handelszeitung» will Hotelplan zur Höhe der Dividende an die Migros keine Angaben machen - nach Rücksprache mit dem Mutterhaus. Wenn es angebracht sei, dann schütte man vom Gewinn etwas aus, heisst es. Wobei es nun ein falscher Schluss sei, anzunehmen, dass dies für das vergangene Geschäftsjahr nicht der Fall gewesen sei. Weil der Reingewinn von 2007 auf 2008 jedoch von 62,8 auf 5 Mio Fr. eingebrochen ist, gehen Branchenkenner davon aus, dass sich die Dividende kaum mehr über 1 Mio Fr. bewegen kann.

Eine Millionen-Dividende winkt

Besser geht es Migros dank ihrem «rein finanziellen Investment» in Kuoni. Falls die Generalversammlung am 21. April die vorgeschlagene Dividende von 10 Fr. pro Namenaktie B absegnet - und davon ist auszugehen, erhält die Migros für ihre 5,04% Anteile in Aktien rund 1,92 Mio Fr. überwiesen. Zudem hält der Detailhandelsriese noch 2,01% in Form von Put-Optionen. Selbstverständlich kann die Migros, die mittlerweile der zweitgrösste externe Teilhaber von Kuoni ist, bis zum 21. April noch munter weitere Anteile kaufen.

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Bei ihrer ersten Beteiligung profitiert die Migros davon, dass sich Kuoni wegen des Rekordgewinns - und trotz der Wirtschaftskrise - entschieden hat, auch für 2008 eine Dividende auszurichten, wobei diese deutlich tiefer ausfällt als gewohnt. Normalerweise schüttet Kuoni 30 bis 35% des Reingewinns an seine Investoren aus.