Der Reisekonzern Kuoni prüft nach dem abgeschlossenen Verkauf des Reiseveranstaltergeschäfts offenbar eine Aufspaltung der Gruppe. Gemäss einem Artikel der «SonntagsZeitung» sind zwei Finanzinstitute mit der Suche nach Optionen für die verbliebenen drei Geschäftseinheiten beauftragt worden. Kuoni wollte die entsprechenden Gerüchte nicht kommentieren. Analysten orten im Falle einer Aufspaltung Mehrwert und an der Börse sind die Aktien am Montag ensprechend gesucht.

Die US-Bank Morgan Stanley und ein Schweizer Finanzinstitut seien beauftragt worden, nach potenziellen Käufern und Szenarien für die verbliebenen drei Unternehmensteile zu suchen, heisst es im Artikel. Damit würden sich die Zeichen mehren, dass der Konzern aufgesplittet und von der Börse genommen wird.

Mehr Autonomie

In dieses Bild passe auch, dass den drei verbliebenen Divisionen, der Visa-Sparte VFS, dem Gruppenreisegeschäft GTS und Global Travel Distribution (GTD) innerhalb der Gruppe mehr Autonomie zugestanden werden soll, heisst es weiter. Durch seine «bedrängte Lage» sei Kuoni längst zu einem Übernahmeziel für Private Equity-Firmen geworden. Als Interessenten werden im Artikel die Beteiligungsgesellschaften BC Partners, Permira, Partners Group und Carlyle genannt.

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Kuoni-Sprecher Peter Brun wollte gegenüber AWP auf Anfrage keinen Kommentar zum Artikel abgeben. «Wir kommentieren grundsätzlich keinen anonymen Marktgerüchte».

Visa-Sparte als Perle

Anfang November hatte der Reisekonzern mit den Neunmonatszahlen bereits weitere Restrukturierungen angekündigt. Das verlustschreibende Gruppenreisegeschäft GTS soll «umfassend» restrukturiert werden, hiess es damals. Ein Verkauf der kränkelnden Sparte sei aber «überhaupt kein Thema», sagte VR-Präsident Heinz Karrer.

Handlungsbedarf sehen Experten auch bei der Destinationsmanagement-Sparte GTD, wo der operative Gewinn nach neun Monaten trotz Umsatzwachstum nur knapp im positiven Bereich lag. Als eigentliche «Perle» wird allgemein die Visa-Sparte VFS bezeichnet, deren ehemaliger CEO Zubin Karkaria die Leitung der Gesamtgruppe übernommen hat.

Mehrwert durch Aufspaltung

Den Wert der Visa-Sparte VFS schätzt Kepler Cheuvreux-Analyst Jon Cox in einem aktuellen Kommentar auf 750 Millionen Franken, was nicht weit von der aktuellen Marktkapitalisierung der ganzen Gruppe entfernt liege. Für den Fall einer Aufspaltung rechne er zwar mit substanziellen Abschreibungen vor allem bei GTD, sehe damit aber noch immer ein gewisses Potenzial in der Bewertung.

An der Börse sind die Kuoni-Aktien am Montagmorgen deutlich gesucht. Bis 12.30 Uhr gewinnen die Titel 3,2% und werden mit 240,40 Franken gehandelt. In den letzten Monaten hatte sich der Kurs der Aktien vom Anfang September markierten Allzeittief bei 174,30 Franken bereits deutlich erholt.

(awp/ise/chb)