Die Überraschung war gross, als der Reisekonzern Kuoni am Dienstag öffentlich machte, wer die Nachfolge des langjährigen CEO Hans Lerch antreten soll ­ er gab den Rücktritt im vergangenen Frühling bekannt. Nicht ausgewiesene Tourismusfachleute wie Peter Fankhauser von Europas zweitgrösstem Touristikkonzern Thomas Cook oder die beiden internen Kandidaten Thomas Stirnimann (CEO KuoniSchweiz) und Reto Wilhelm (CEO Kontinentaleuropa & Incoming) haben das Rennen gemacht ­ ihre Namen tauchten immer auf, wenn um Lerchs Nachfolge spekuliert wurde. Die Nase vorn hatte ein anderer: Armin Meier, 46-jährig und zurzeit Mitglied der Generaldirektion bei der Migros.

«Einstimmige Wahl»

Meier ist Spezialist für Informationstechnologie (IT): Er leitet seit Frühling 2002 bei der Migros die Abteilung Logistik und Informatik. Von 1998 bis 2002 war er Chef von Atraxis, der IT-Tochter der ehemaligen Swissair. Die Wahl Meiers trägt die Handschrift von Andreas Schmid, seit 2002 Verwaltungsratspräsident von Kuoni und selber Quereinsteiger in die Tourismusbranche. «Der Entscheid im Verwaltungsrat war einstimmig», sagt Schmid gegenüber der «HandelsZeitung». «Wir haben bereits ausgewiesene Tourismusfachleute im Konzern.» Dabei denkt er sicher auch an die beiden Kandidaten Stirnimann, 42-jährig, und Wilhelm, 43-jährig. Und an Lerch, der in den Verwaltungsrat wechselt. Sowohl Schmid wie auch Lerch betonen, dass Stirnimann und Wilhelm voll hinter der Wahl Meiers stehen. Dennoch: Die beiden Kuoni-Manager wären im besten Alter gewesen, um den Schritt an die Spitze eines Unternehmens zu machen.

Einige Branchenkenner würde es deshalb nicht erstaunen, wenn es zu einem Abgang aus der heutigen Kuoni-Führungsriege kommt. Meier ist deshalb gefordert, dass er die Führung beisammen halten kann. «Gelingt ihm das, läuft das Geschäft weiter wie bisher. Dann ist es auch kein Nachteil, dass er nicht aus der Tourismusbranche kommt», ist Franz-Xaver Risi, Chefredaktor des Branchenblattes «Schweizer Touristik», überzeugt.

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Meier ist nicht der einzige Quereinsteiger bei einem Schweizer Tourismusunternehmen: Bereits Claus Niederer wechselte 1995 von der Spitze der Migros-Tochter Migrol auf den Chefsessel von Hotelplan ­ und hat das Unternehmen bis zu seinem vor kurzem erfolgten altersbedingten Abgang erfolgreich durch die Turbulenzen der vergangenen Jahre geführt. Auch Niederers Nachfolger ist ein Branchenfremder: Christof Zuber war Chef der Feldschlösschen-Getränkegruppe und hat zuletzt das Geschäft der Biochemiefirma Bioferma Murcia in Spanien aufgebaut.

Online-Geschäft stärken

Warum gerade ein IT-Spezialist an der Kuoni-Spitze? «Wir haben Armin Meier zuerst einmal wegen seiner internationalen Erfahrung und seinen Führungskompetenzen gewählt», sagt Schmid. «Das haben wir stärker gewichtet als seine Kenntnisse in der IT-Branche.» Schaden tun sie allerdings nicht, denn: Das Online-Geschäft bekommt auch in der Reisebranche eine immer grössere Bedeutung. Dieses will Kuoni weiter ausbauen ­ ohne auf die Reisebüros zu verzichten, wie Schmid beteuert: «Die Nachfrage nach guter Beratung ist gross und hat zugenommen.»

Zu seinen Zielen bei Kuoni äussert sich der künftige Chef gegenüber der «HandelsZeitung» nur vage: «Selbstverständlich werden wir uns hohe Ziele setzen, es ist aber für mich verfrüht, konkret etwas dazu zu sagen.» Laut Schmid bestehe kein unmittelbarer Handlungsbedarf, Kuoni habe eine klare Strategie, sei gut ausgerichtet und erfolgreich im Markt. Im ersten Halbjahr 2004 hat Kuoni den Umsatz zwar erhöht, ist unter dem Strich aber in den roten Zahlen geblieben. Das wird Armin Meier sicher ändern wollen.

Kuoni Letzter Kurs: Fr. 457

Fazit: Falls es der neue CEO Armin Meier schafft, seine IT-Kompetenzen wirksam ins Unternehmen einfliessen zu lassen, wird das Online-Geschäft gestärkt werden. Trotzdem wird Kuoni ­ wie die ganze Branche ­ auch künftig den Margendruck spüren.