Unter den 100 wichtigsten Titeln der Schweizer Börse figurieren nur zwei touristisch geprägte Firmen: Der Reisekonzern Kuoni mit einem Jahresumsatz von fast 4,9 Mrd Fr. und einem Marktwert von mehr als 700 Mio Fr. sowie die Zürcher Flughafenbetreiberin Unique mit einem Jahresumsatz von über 0,8 Mrd Fr. und einem Marktwert von mehr als 800 Mio Fr.

Beide Aktien haben klar verloren

Auch in diesen Fällen könnten Investoren infolge der Wirtschaftskrise die Gunst der Stunde an der SIX nutzen wollen: Die Aktien von Unique haben in den letzten zwölf Monaten um 44% nachgegeben und bewegen sich momentan bei 220 Fr. Ebenso die Papiere von Kuoni: Sie sind im selben Zeitraum um 48% gefallen und notierten aktuell bei 270 Fr.

Interessant in diesem Kontext ist, dass Peter Rothwell - der Brite amtet erst seit 5. Januar 2009 als CEO des Schweizer Reisekonzerns - gerne ausführt: «Kuoni ist weiterhin eine attraktive Braut», ergänzt aber im selben Atemzug, dass sie derzeit «keine Gespräche führt».

So, wie sich das Tourismusunternehmen inzwischen ausgerichtet hat, ist es weniger ein Übernahmekandidat als ein interessanter Bündnispartner. Ein Indiz dafür ist die Vergangenheit des neuen Konzernchefs: Rothwell war vor zwei Jahren federführend an der Fusion von TUI mit First Choice zu Europas Reisegiganten beteiligt.

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Migros kauft bei Kuoni weiter zu

Trotz des vorhandenen Potenzials sind nicht alle bedeutenden Aktionäre Kuoni wohl gesinnt: So hat die Capital Group ihren Anteil kürzlich von 9,75% auf 4,98% praktisch halbiert. Daneben hat sich Richelieu vom einst zweitgrössten Teilhaber unter die meldepflichtige Grenze von 3% verabschiedet.

Im Gegensatz dazu hat die Migros ihre Beteiligung an Kuoni vor wenigen Tagen auf 7,05% erhöht - vor Jahresfrist war man noch mit 3,11% eingestiegen. «Es handelt sich nach wie vor um ein rein finanzielles Investment», sagt Sprecherin Monica Glisenti auf Anfrage. Weitere Angaben macht sie nicht. Bei Kuoni gibt man sich bezüglich des Zukaufs des Detailhandelsriesen weniger euphorisch als bei Vögele (siehe Artikel links). Beim Reisekonzern schätzt man das Engagement der Migros - trotz deren eigener Tourismustochter Hotelplan.

Darüber hinaus braucht Kuoni sich vor einer unfreundlichen Übernahme nicht zu fürchten. Denn die Kuoni-Hugentobler-Stiftung kann dank 25% der Stimmrechte solche Pläne unterbinden. Die restlichen Grossaktionäre erhalten bei Kuoni laut Statuten nie ein höheres Stimmrecht als 3%.

Ebenfalls hoch ist die Hürde bei Unique, da es eine gemischtwirtschaftliche Gesellschaft ist: Um die Besitzerin des Zürcher Flughafens übernehmen zu können, müsste sie erst voll privatisiert werden. Noch gehören fast 39% der öffentlichen Hand; dabei sind ein Drittel plus eine Aktie die gesetzlich vorgeschriebene Mindestbeteiligung des Kantons Zürich. Für eine exter-ne Mehrheitsbeteiligung müssten die Statuten geändert werden.