Wenn im Juni 2008 Europas Starfussballer um den EM-Titel kämpfen, kümmert sich Kuoni neben dem Rasen um das leibliche Wohl von Teams, Funktionären, Ehrengästen und Sponsoren. Im Auswahlverfahren um das Exklusivmandat als Accomodation Agency der Uefa Euro 08 hat der Reiseveranstalter mit seiner Incoming-Division Destination Management die Mitbewerber ausgestochen. Kuoni organisiert während der Euro 140000 Übernachtungen in 22000 Zimmern und 440 Hotels in Österreich und der Schweiz. Über die Summe, welche der Reisekonzern vom europäischen Fussballverband Uefa für diesen Auftrag erhält, herrscht Stillschweigen.

Lukrativ dürfte das Geschäft auf jeden Fall sein, denn Kuoni will sich künftig vermehrt dem Management von grossen Sport- und auch Kulturanlässen widmen. Sie sind ein Bestandteil, wie es im Fachjargon heisst, des MICE-Marktes, der die Organisation von Tagungen, Kongressen, Messen und Events betreibt. Parallel zum Kerngeschäft Ferienreisen möchte Kuoni das Wachstum in diesem Segment vorantreiben. Deshalb wurde innerhalb der Konzernsparte Destination Management neu die Abteilung Kuoni Events Schweiz lanciert. Das Destination Management erbringt Gastgeber-Leistungen und steuert rund 1 Mrd Fr. an den Konzernumsatz von über 4 Mrd Fr. bei.Mit der neuen Abteilung will Kuoni im MICE-Bereich weltweite Dienstleistungen an Unternehmen mit Sitz in der Schweiz erbringen. Dieter Rumpel, per kommenden 1. März Leiter von Kuoni Events Schweiz, ist ambitioniert: «Wir wollen innert weniger Jahre zu einer der führenden MICE-Agenturen werden.»

1 Milliarde Marktvolumen

Messen muss sich Kuoni mit verschiedenen Mitbewerbern, die in einem boomenden MICE-Markt ebenfalls kräftig wachsen. Schweizweit gibt es rund zehn bedeutende Anbieter, die sich um einen Markt streiten, der sich zuletzt mit jährlichen Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich markant entwickelt hat. Gemäss einer Statistik von Schweiz Tourismus wurden im Jahr 2002 rund 5% aller Gästeübernachtungen dem MICE-Markt zugerechnet, was einem Umsatz von rund 550 Mio Fr. entspricht. Fachleute sind sich einig, dass heute das Geschäft bereits 1 Mrd Fr. schwer ist.Der boomende Schweizer Markt hat etwa die britische und grösste europäische- MICE-Anbieterin Grass Roots dazu veranlasst, durch den Kauf der Zürcher Agentur Spectrum Events hierzulande ein Standbein zu setzen. Grass Roots strebt in der Schweiz mit vorerst 20 Mitarbeitenden insbesondere ein Wachstum im Event-Bereich an. Während der Euro 08 organisiert die Agentur eine Reihe von Events und Incentive-Reisen für ausländische Unternehmen und will so ebenfalls vom Grossanlass profitieren.

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Von ihren Hauptsitzen in der Westschweiz aus buhlen mit Conventus und der aktuellen Marktführerin MCI Group ebenfalls zwei renommierte Agenturen um die Vorherrschaft im MICE-Markt. Mit einer Belegschaft von 155 Mitarbeitern hat die MCI Group ihren Schweizer Umsatz im letzten Jahr um 35% gesteigert und bewegt sich deutlich im dreistelligen Millionen-Bereich. Gemäss Polo Looser, Geschäftsführer von MCI Zürich, ist für 2008 eine weitere Steigerung um mindestens 20% budgetiert. Dies auch ohne Euro 08, an der MCI aufgrund der Kuoni-Exklusivität nur vereinzelte Projekte für Stammkunden realisieren kann.Bei Kuoni ist man zuversichtlich, im MICE-Markt bald ganz vorne mitmischen zu können, und setzt dabei auf das vorhandene weltweite Netzwerk. «Da wir weltweit über 50 eigene lokale Destinationsbüros betreiben, ist eine hohe preisliche, kreative und zeitliche Flexibilität gewährleistet», sagt Rumpel. Ihm schwebt vor, Grossunternehmen künftig als Vollservice-Agentur hochwertige Programme inklusive Flug anzubieten.