Vier Jahre, nachdem der damalige CEO Hans Lerch die Business-Travel-Einheit BTI Central Europe mitsamt 1600 Mitarbeitenden an die britische Hogg Robinson Group verkauft und sich danach einzig auf Ferienreisen konzentriert hatte, entdecken die heutigen Kuoni-Manager wieder die Sparte Geschäftsreisen. Per Ende 2007 wurde in die Filiale Zürich-Enge ein neues Business Travel Center integriert. Im Januar sind Kuoni Lausanne und Genf gefolgt. Weitere Einheiten sollen in anderen Städten folgen.

Konzentrieren will sich Kuoni vorwiegend auf KMU-Kunden in der Schweiz. «Wir haben festgestellt, dass Privatkunden, die für ein KMU verantwortlich sind, ihre Geschäftsreisen auch über uns abwickeln möchten», begründet Stefan Leser, Chef von Kuoni Schweiz. Er bezeichnet die Organisation von Geschäftsreisen deshalb als willkommene Ergänzung zum Ferienreisenangebot mit einem ansprechenden Potenzial. Umsatzziele nennt Leser allerdings nicht.

Kampfansage an Hotelplan

Auch wenn die Expansion im Schweizer Geschäftsreisenmarkt regional bleiben soll, ist nachvollziehbar, dass Kuoni im harzenden Schweizer Heimmarkt nach neuen Einnahmemöglichkeiten sucht. Offensichtlich ist auch, dass mit der aktuellen Offensive vor allem der Mitbewerber Hotelplan konkurrenziert wird. Die Migros-Tochter ist im vergangenen Sommer eine Allianz mit dem australischen Geschäftsreisegiganten FCm Travel Solutions eingegangen. Unter der neuen Marke FCm First Business Travel werden in sechs Schweizer Business Travel Centers, darunter Zürich, Genf und Lausanne, vor allem nationale KMU betreut. «Die Hälfte unserer Kunden bewegen sich bei einem Jahresumsatz von 300000 bis 500000 Fr.» , sagt Thomas Stirnimann, Chef der neuen Dachorganisation Migros Travel Switzerland. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Hotelplan mit Geschäftsreisen rund 60 Mio Fr. Umsatz. «In der aktuellen Periode stehen wir bei einem Plus von 12%», so Stirnimann.

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«Schauen nicht auf Mitbewerber»

Profitiert Hotelplan nach dem BTI-Verkauf durch Kuoni von übergelaufenen KMU-Kunden und nutzt die Gunst der Stunde für eine Expansion im Geschäftsreisenmarkt? «Nein», sagt der Ex-Kuoni-Manager Stirnimann. Er ist aber von der Hotelplan-Strategie im Geschäftsreisensegment überzeugt und versichert: «Wir schauen nicht auf unsere Mitbewerber.» Je nachdem, wie rasant Kuoni die Eröffnung von weiteren Business Travel Centers vorantreibt und damit Erfolge feiert, könnte sich dies aber ändern.