1. Home
  2. Unternehmen
  3. Kuoni sucht sein Glück nun in Asien

Umbau
Kuoni sucht sein Glück nun in Asien

Die Kuoni-Führung zeigt sich über ihren Coup hocherfreut. Mit dem Verkauf des Veranstaltergeschäfts soll der Reisekonzern fit gemacht werden für die Zukunft. Ein Scheitern sehen sie nicht.

Von Gabriel Knupfer
am 14.01.2015

Selten hat man eine Konzernspitze bei der Bekanntgabe einer massiven Desinvestition so zufrieden gesehen wie heute bei Kuoni. «Ein wichtiger Schritt für die Gruppe», sei der Entscheid, das Reiseveranstaltergeschäft zu verkaufen, so Konzernchef Peter Meier an der eilig einberufenen Pressekonferenz. «Wir sind zuversichtlich, dass wir nach dem Umbau schneller wachsen als der Markt.»

Was war geschehen? Der Schweizer Reisekonzern hatte am Mittwoch überraschend bekanntgegeben, dass das zuletzt nicht mehr lukrative Geschäft mit der Organisation und dem Verkauf von Reisen abgestossen werden soll. Ein Geschäft, das bis heute rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht und in dem rund 3800 Mitarbeiter beschäftigt sind. Vor allem aber ein Geschäft mit dem Kuoni seit 1906 zu einem internationalen Konzern von Weltruf herangewachsen ist.

Anpassung an globale Veränderungen

«Wir wollen uns künftig ganz auf das Kerngeschäft, das sich in den letzten Jahren herauskristallisiert hat, konzentrieren», so Verwaltungsratspräsident Heinz Karrer zum radikalen Schnitt. «Kuoni hat sich in seiner hundertjährigen Geschichte immer wieder erfolgreich an globale Veränderungen angepasst und ich bin überzeugt, dass dies auch jetzt wieder gelingt.»

Fortan soll sich Kuoni nach dem Willen der Konzernleitung, auf die Rolle als Dienstleister für die globale Reiseindustrie fokussieren. Namentlich sind dies die drei Bereiche «Global Travel Distribution», «Global Travel Services» und «VFS Global». Alle drei Bereiche konzentrieren sich stark im asiatisch-pazifischen Raum und haben mit dem historischen Geschäft nur noch am Rande zu tun.

Und das macht Kuoni künftig noch

Global Travel Distribution (GTD) ist mit 58 Prozent des Umsatzes der grösste Brocken in der geplanten Unternehmensstruktur. Die Abteilung ist als Anbieter von Hotelübernachtungen und anderen Reisedienstleistungen für Unternehmenskunden im globalen Massstab stark positioniert. Online werden so täglich 38'000 Übernachtungen verkauft. Fast die Hälfte des Umsatzes erzielt GTD in Asien, im Mittleren Osten und in Afrika.

Mit Global Travel Services (GTS) bleibt Kuoni im reduzierten Rahmen auch als Reiseanbieter tätig. Allerdings nicht mehr in Europa, sondern vor allem im asiatisch-pazifischen Raum. Über GTS bietet Kuoni unter anderem Gruppenreisen durch Europa an. Die wachsende Reisefähigkeit breiter Bevölkerungsschichten in China sei eine grosse Chance für Kuoni, betont Konzernchef Peter Meier. 2014 hat man bereits 50'000 Reisegruppen mit drei Millionen Übernachtungen durch Europa geschleust.

VFS Global schliesslich ist der globale Marktführer im Bereich der Visa-Dienstleistungen. Viele Regierungen haben die Visabeschaffung in den letzten Jahren ausgelagert. VFS Global betreibt deshalb für 45 Regierungen 1400 Visa-Antragszentren in 117 Ländern. 70 Prozent des Umsatzes stammen auch hier aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

Kuoni hat China im Fokus

Der Ausstieg aus dem Reiseveranstaltergeschäft betrifft Kuoni Schweiz, Grossbritannien, Benelux, Hongkong/China und Indien sowie das Geschäft in Skandinavien mit insgesamt etwa 3800 Mitarbeitenden und einem Nettoerlös von 2,2 Milliarden Franken im Jahr 2014. In der neuen Kuoni Group verbleiben rund 8000 Mitarbeitende und ein Erlös von 3,4 Milliarden Franken.

Interessant ist auch die Verschiebung bei den Quell- und Zielmärkten. Während bisher 58 Prozent der Reisenden aus Europa und 30 Prozent aus Ostasien kamen (Stand 2014), sollen die Europäer in der neuen Kuoni Group nur noch 34 Prozent des Umsatzes generieren – gegenüber 44 Prozent aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Als Zielmarkt bleibt dagegen Europa klar führend, hier soll der Anteil bei 58 Prozent bleiben.

Zusammenarbeit mit Morgan Stanley

Die beschworene «Konzentration aufs Kerngeschäft» bedeutet also auf der Kundenseite eine Konzentration auf Asien und insbesondere China. Um die Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum zu stärken sollen zusätzliche Mittel in den Aufbau der Marke in diesen Märkten fliessen. Mittel, die durch den Verkauf der sechs Reise-Sparten in Europa freiwerden sollen.

Für den Verkauf der unerwünschten Sparten will Kuoni mit der US-Grossbank Morgan Stanley zusammenarbeiten. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir für das Reiseveranstaltergeschäft neue Eigentümer finden», sagt Konzernchef Peter Meier. Die einzelnen Abteilungen seien gut aufgestellt.

«Reiselust verschwindet nicht»

Verluste aufgrund geopolitischer Ereignisse wie dem arabischen Frühling hätten den Entscheid kaum beeinflusst, sagt Meier. «Obwohl wir beispielsweise von der Krise in Ägypten stark betroffen waren, war es ein strategischer Entscheid zur Konzentration auf wenige und dafür starke Bereiche.»

«Die Reiselust verschwindet durch solche Krisen nicht», so Meier. «Es findet nur eine Umlagerung in andere Regionen statt.» Die Analysen hätten aber für Kuoni gezeigt, dass im Bereich der Digitalisierung und im asiatisch-pazifischen Raum das grösste Potenzial bestehe.

Noch keine Verhandlungen

Obwohl gerade der Bereich der Pauschalreisen in Skandinavien (Outbound Nordic) 2014 hohe Verluste einfahren dürfte, will Kuoni für alle Sparten neue Eigentümer finden. Für den Erhalt aller Jobs könne man nie garantieren, sagt VR-Präsident Heinz Karrer, «doch wir gehen davon aus, dass die Geschäfte weiterbetrieben werden». Durch den Namen und die Marktstellung sei Kuoni attraktiv.

Mit möglichen Interessenten wurde bisher allerdings noch nicht verhandelt. «Es war wichtig den Entscheid so schnell wie möglich zu kommunizieren», so Karrer, «schliesslich wollten wir nicht, dass wegen der Verhandlungen etwas an die Öffentlichkeit durchsickert und wir plötzlich unter Zugzwang kommen».

Marke Kuoni darf der Käufer nutzen

Wer für den Kauf in Frage käme, wollten die Verantwortlichen nicht sagen. Es sei aber klar, dass grosse Konkurrenten wie Tui von der Marke profitieren könnten. Die Käufer werden den Namen Kuoni weiterhin nutzen dürfen. Alle vom Verkauf betroffenen Unternehmensteile werden bis auf weiteres weiterbetrieben.

An der Börse teilt man übrigens die Freude der Kuoni-Führung. Nach der Bekanntgabe des Umbaus stieg die Aktie bis 14 Uhr um mehr als sechs Prozent.

Anzeige