Der Reiseanbieter Kuoni hat enttäuscht. Das Halbjahresergebnis, die aktuellen Buchungsstände und die Gewinnprognose fielen unter den Erwartungen aus. Die Kuoni-Aktie ging daraufhin am Donnerstag mit einem Minus von 13,5 Prozent aus dem Handel.

«Die Summe negativer geopolitischer Ereignisse in Ägypten, Kenia, Thailand und der Ukraine bildeten ein anspruchsvolles Geschäftsumfeld, das wir auch für den weiteren Verlauf dieses Jahres erwarten», sagte Kuno-Chef Peter Meier am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

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Währungen als Zusatzproblem

Hinzu kamen schwächere Währungen in Japan, Indien, Indonesien, Australien, Russland sowie Skandinavien, was die Nachfrage der Konsumenten nach Kuoni-Angeboten bremste.

Gerade die Skandinavier verzichteten angesichts der politischen Krisen in Ägypten und Thailand darauf, in diesen Ländern im Winter und Frühling Sonne zu tanken. Dies hatte deutlichen Preisdruck zur Folge. So verbuchte alleine die Skandinavien-Sparte Outbound Nordic einen Umsatztaucher um 12,9 Prozent und einen Betriebsverlust (Ebit) von 32,6 Millionen Franken. Sparmassnahmen wurden eingeleitet.

Rote Zahlen

Unter dem Strich verbuchte Kuoni im ersten Halbjahr, wie in der Branche üblich, rote Zahlen. Der Nettoverlust verringerte sich zwar von 47,4 Millionen auf 14 Millionen Franken. Das Vorjahressemester war vom Ausstieg aus unrentablen Europageschäften belastet und hätte ohne den Primatswechsel der Schweizer Vorsorgepläne sogar mit einem Minus von 74,3 Millionen Franken geschlossen.

Entsprechend verkleinerte sich der um den Pensionskasseneffekt bereinigte Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) leicht von 18 Millionen auf 17,1 Millionen Franken. Ohne den Verkauf einer Liegenschaft in Zürich wäre der Ebit in den ersten sechs Monaten 2014 aber um 10,1 Millionen Franken schlechter ausgefallen.

Analysten sprachen von enttäuschenden und sehr schwachen Halbjahreszahlen. Erstmals seit 2009 sei Umsatz im Halbjahr organisch geschrumpft (-1,0 Prozent). Insgesamt sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf 2,48 Milliarden Franken, was auch an den Spartenverkäufen lag.

Sommergeschäft wohl auch schwierig

Für das Gesamtjahr prognostizierte Kuoni ein Ebit von 85 Millionen bis 95 Millionen Franken. Analysten hatten bis zu einem Drittel mehr erwartet. Es sehe so aus, als ob sich die schwache Entwicklung im Monat Juli, der mit 25 Prozent einen hohen EBIT-Beitrag leiste, fortgesetzt habe, hiess es in einer Ergebniseinschätzung. Derzeit liegen die Buchungsstände in den meisten Sparten im Minus.

Das Konzernergebnis sollte dennoch auf Vorjahreshöhe zu liegen kommen, sagte Konzernchef Meier. Dank des Ausstiegs aus dem defizitären Geschäft in Europa schaffte Kuoni 2013 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen und erzielte 69,2 Millionen Franken Gewinn.

Ein Rückzug aus Skandinavien stehe nicht zur Debatte, bekräftigte Meier. Die angedachte Einführung eine Doppel-Holding-Struktur solle aber helfen, die weltweiten Aktivitäten effizienter zu organisieren. Um das für 2016 angepeilte Margenziel (Ebit-Marge von 2,5 Prozent) zu erreichen, brauche es einen Gewinnbeitrag auch aus Skandinavien.

(sda/chb)