BLUEWIN TV. Bluewin TV fliegen die Herzen zu, und Cablecom ist der Bösewicht vom Dienst. Diesen Eindruck hatte die Öffentlichkeit seit dem Start von Bluewin vor einem Jahr. Doch weit gefehlt: Zwar hat die Swisscom-Fernsehsparte inzwischen über 50000 Kunden gewonnen, was den Markteinschätzungen entspricht. Die Gewinnschwelle ist aber noch weit entfernt. Und die Kosten waren deutlich höher als erwartet. Die Installationskosten pro Kunde konnten noch immer nicht stark unter 1400 Fr. gesenkt werden. Dabei war ursprünglich mit 500 Fr. gerechnet worden.

Swisscom zog die Notbremse und nahm die Light-Version von Bluewin TV aus dem Sortiment. Nun sucht der Telekom-Riese Kooperationspartner für die Verlegung von Glasfasernetzen, wie CEO Carsten Schloter der Sonntagspresse bekannt gab. Damit versucht Swisscom, die Poleposition im Bereich Infrastruktur zu verteidigen.

Nur 65 Prozent der Anschlüsse

Die Flucht nach vorne ist nötig: Das Übertragungsmaterial von Bluewin TV kann nie mit demjenigen der Marktführerin Cablecom mithalten. Die Kupfer-Doppeladern, aus denen die Telefonleitungen bestehen, sind um ein Vielfaches leistungsschwächer als die von den Kabel-TV-Netzbetreibern verwendeten Koaxialkabel. Zudem hängt bei Telefonleitungen die nutzbare Bandbreite von der Entfernung des Endgerätes zum Verteiler ab. Schliesslich werden Fernsehdaten von Swisscom als Punkt-zu-Punkt-Verbindung übertragen. Dabei empfängt der Nutzer nur die Daten des angeforderten Programms. Beim Kabel-TV-Broadcasting stehen dagegen sämtliche Programme gleichzeitig zur Verfügung.Das heisst: Bluewin-TV-Abonnenten können derzeit bloss zwei Fernseh- oder Aufnahmegeräte gleichzeitig laufen lassen. «Ein Haushalt gerät hier schnell an Grenzen», sagt Martin Volken, Leiter Technik beim Verband Swisscable. Die Einführung von Sendern in «High Definition Television (HDTV)»-Qualität dürfte das Nadelöhr Telefonleitung noch enger werden lassen. Für Swisscom ist das bitter. Denn schon heute sind bloss 65% aller Telefonanschlüsse überhaupt Bluewin-TV-fähig. Bis Ende 2008 will Swisscom deshalb laut Mediensprecher Sepp Huber 600 bis 700 Mio Fr. in die Verbesserung des Netzes investieren. Dazu werden Glasfaserverbindungen in die Quartiere geführt und dort Verteilkästen aufgebaut. Die Verteilkästen sollen nicht weiter als 750 m von den angeschlossenen Haushalten entfernt sein und so Bandbreiten von bis zu 30 MBit/s ermöglichen, also auch HDTV. «Mittelfristig genügt das aber nicht. Es wird unumgänglich sein, höhere Datenraten bis in die Wohnungen liefern zu können», ist Volken überzeugt. Cablecom befindet sich demgegenüber in einer komfortableren Lage. Schon heute beträgt die Übertragungsrate pro Kanal 52 MBit/s. 1,3 Mio Haushalte in der Schweiz werden bis Ende 2008 bezüglich Bandbreite und Zweiwegtauglichkeit modernisiert. Weiteres Entwicklungspotenzial besteht. Hugo Wyler, Mediensprecher von Cablecom bestätigt, dass eine flächendeckende Umrüstung auf Glasfasernetze nicht geplant beziehungsweise nötig sei.

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Konkurrenz auf Glasfasern

Swisscom wird nicht nur von Cabelcom bedrängt, sondern auch von anderen Telekomunternehmen. Vergangene Woche gab der Mobilfunkanbieter Orange bekannt, er beteilige sich mit einem Fernseh-Pilotversuch am Glasfasernetz der Zürcher Elektrizitätswerke (EWZ). Dabei soll es nicht bleiben. «Es ist unsere Absicht, auch in anderen Städten ein Quadplay-Angebot mit Digital-TV, Ultra Highspeed Internet, Festnetz und Mobiltelefonie anzubieten», sagt CEO Andreas Wetter. Das geplante Orange-Angebot ermöglicht den Empfang von vier HDTV-Kanälen und 50 normalen Kanälen sowie die Aufzeichnung mehrerer Sendungen gleichzeitig. Überdies sind für Aufzeichnungen keine Harddisk-Recorder mehr nötig, da die Sendungen direkt im Netz abgespeichert werden. Mit diesem Angebot kann Swisscom noch nicht konkurrieren.

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