Das Projekt einer komplett überarbeiteten Führungs- und Konzernstruktur ist im engsten Kreis unter grösster Geheimhaltung entstanden. Das hat die «Handelszeitung» von zwei voneinander unabhängigen Quellen mit Kenntnissen der Pläne erfahren. Die Kernpunkte des Geheimplans sickerten durch, nachdem UBS-VR-Präsident Peter Kurer und CEO Marcel Rohner jüngst die zweite Führungsebene, das Group Managing Board (GMB, siehe Kasten), eingeweiht haben.

«New UBS», wie man den Coup nennen könnte, hat offensichtlich viele Mitglieder des GMB in helle Aufregung versetzt, weil deren Positionen gefährdet sind: Das GMB mit rund 60 Top-Managern wird abgeschafft und durch eine neue zweite Führungsebene unterhalb der Konzernleitung ersetzt, wie die UBS bestätigt. Der Entscheid von Kurer und Rohner, das oberste Kader massiv zu verkleinern, habe ein hektisches Gezerre um Einfluss und die interne Stellung ausgelöst, sagen die Quellen, die auf Anonymität beharren.

Hintergrund des Gerangels soll eine strategische Weichenstellung historischen Ausmasses sein, berichten die Auskunftspersonen und beziehen sich auf Informationen von GMB-Mitgliedern. Die Oberleitung der Bank habe die Losung «Back to the roots» ausgegeben und wolle, dass sich die UBS auf ihre Herkunft besinnt und einen Neuanfang wagt.

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Dreh- und Angelpunkt Schweiz

Dreh- und Angelpunkt soll der Heimmarkt Schweiz sein, während das unter horrenden Verlusten leidende Investment Banking mit Basis New York und London sowie das Asset Management, das ebenfalls schwergewichtig in der angelsächsischen Welt verankert ist und seit Monaten unter Vermögensabflüssen leidet, zu Zulieferern des Stammhauses degradiert würden.

Die neue UBS soll demnach auf nur noch zwei starken Säulen stehen: Dem Retailgeschäft in der Schweiz und der Vermögensverwaltung für eine kapitalstarke und rund um den Globus verteilte Privatkundschaft.

Gebremst würde hingegen die Onshore-Expansion. In Asien ist die UBS heute Nummer eins in der Vermögensverwaltung. Das unbändige Wachstum - in Malaysia etwa wuchs der Personalbestand seit 2005 von unter 10 auf fast 50, in Singapur beschäftigt die Bank rund 2000 Mitarbeiter - führte zu horrenden Kosten, die aus dem Ruder laufen. Asiatische Kunden sind oft Unternehmer, die nun Kredite zurückzahlen müssen und dazu ihre bei der UBS gehaltenen Wertschriften liquidieren müssen.

Grösstes Fragezeichen von «New UBS» sind die USA. Der aus der Akquisition von Paine Webber von 2000 stammende Megabereich mit 25000 Angestellten steht im Zentrum des Desasters. Die Onshore-Vermögensverwaltung machte zu wenig Gewinn und leidet nun unter den Steuerermittlungen der Behörden. Das Investment Banking schrieb bis vor kurzem horrende Verluste. Laut einem Insider ist niemand bereit, auch nur annähernd den einstigen Wert des US-Geschäfts der UBS, das mit rund 15 Mrd Fr. in den Büchern stehen soll, zu offerieren.

Wie schnell die Fokussierung auf die alte Heimat Realität wird, ist somit offen. Klar ist hingegen deren Signalwirkung. Mit ihr begräbt die UBS ihre globalen Ambitionen als führender Finanzmulti.

Rückbesinnung macht Sinn

Einleuchten würde dies auch vor der Tatsache, dass hinter dem Eingreifen der Politik die Absicht steht, wichtige Teile der inländischen Finanzinfrastruktur aufrechtzuerhalten. Für seltene Währungen können sich die Kantonal-, Regional- und Raiffeisenbanken nur an eine Institution wenden: Die UBS. Dasselbe gilt für den Handel an exotischen Börsenplätzen, auch da stünde der Schweizer Finanzmarkt ohne UBS still.

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Zweitens macht die offenbar angestrebte Rückbesinnung auf die Schweiz auch ökonomisch Sinn. Im stabilen inländischen Retailgeschäft - dieses umfasst neben der Kleinkundschaft vor allem das traditionelle Kreditgeschäft für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) des Landes - erzielte die UBS selbst nach Ausbruch der Kreditkrise im Sommer 2007 pro Quartal zwischen 540 und 600 Mio Fr.

In der Vermögensverwaltung für betuchte Kunden aus der Schweiz heraus, dem sogenannten Offshore Banking, lagen die Quartalsgewinne auch 2008 über 1 Mrd Fr. Demgegenüber schrieb die Bank im Investment Banking in den letzten fünf Quartalen zwischen 3 Mrd und 18 Mrd Fr. Verlust.

«New UBS» könnte von frischen Kräften geführt werden. Sollte die UBS die Funktion eines CEO Schweiz einführen, der zu einem Aushängeschild der Strategie würde, räumen Beobachter UBS-Topshots wie Fulvio Micheletti, Chef des KMU-Geschäfts, oder Beat Meister, langjähriger Kadermann der Sparte Schweiz, Chancen ein.

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Für die UBS-Chefs jedenfalls drängt die Zeit. Sie haben die Krise unterschätzt, mussten Staatshilfe annehmen und handelten sich mit dem Festhalten an hohen Boni Ärger in Gesellschaft und Politik ein.

Auf Anfrage sagt UBS-Sprecher Christoph Meier: «UBS konzentriert sich unverändert auf ihre Kerngeschäfte - die weltweite Vermögensverwaltung, das Privat- und Firmenkundengeschäft in der Schweiz, das institutionelle Anlagegeschäft sowie das Investment Banking. Die Geschäfte werden in eigenständigen Divisionen geführt.» UBS habe erst am 12. August angekündigt, dass die Divisionen einen erweitertem operativen Entscheidungsspielraum und verstärkte Ergebnisverantwortung erhielten. «Der Bereich FICC in der Investment Bank wurde repositioniert und richtet sich komplett auf das Kundengeschäft aus», erklärt Meier weiter. «Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, sondern wird weiter vorangetrieben, wie die vor einer Woche bekannt gegebenen Änderungen zeigen.» Zu den Umbauplänen der Konzernspitze wollte sich Meier nicht äussern.

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