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Absturz
Kurssturz: Twitter-Mitarbeiter stossen Aktien ab

Kurssturz: Twitter-Mitarbeiter stossen Aktien ab
Da war die Stimmung noch gut: Twitter beim Börsengang. Keystone

Sechs Monate nach dem Börsengang dürfen Twitter-Mitarbeiter seit heute ihre Anteile verkaufen. Prompt büsst der Titel fast 20 Prozent ein und stürzt auf ein Rekordtief. Ist das der Anfang vom Ende?

Von Mathias Ohanian
am 06.05.2014

Nach dem Börsengang vor einem halben Jahr ist am heutigen Dienstag die Haltefrist von Aktien für Twitter-Mitarbeiter und frühe Investoren ausgelaufen – und prompt fielen die Anteile des Kurznachrichtendienstes auf ein neues Rekordtief. In den ersten 20 Handelsminuten sank der Kurs um rund 10 Prozent auf zwischenzeitlich nur noch gut 34 Dollar.

Gegen 20 Uhr unserer Zeit notierte der Titel am Dienstagabend mit fast 15 Prozent weniger bei nur noch 33 Dollar. An der New Yorker Börse schloss Twitter mit einem Minus von insgesamt 18 Prozent und unter 32 Dollar. Die Papiere verzeichneten das höchste Handelsvolumen seit dem Börsenstart.

Am 7. November wagte Twitter den Gang aufs Parkett – mit einem Volumen von 2,1 Milliarden Dollar und 26 Dollar pro Anteil. Seitdem hat die Aktie eine wahre Achterbahnfahrt hingelegt: Zwischenzeitlich war sie im Dezember auf fast 75 Dollar geklettert.

Nutzerzahlen enttäuschen Analysten

Bereits in der vergangenen Woche wartete das Unternehmen mit Negativmeldungen auf: Im ersten Quartal schrieb Twitter einen Verlust von 132 Millionen Dollar, nach 27 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Verschlechterung ist eine Spätfolge des Börsengangs: Twitter muss für Anteile, die es seinen Mitarbeitern als Teil ihrer Vergütung gewährt, hohe Kosten verbuchen. Das hatte dem Unternehmen bereits das Jahresergebnis 2013 verhagelt.

Auch die Nutzerzahlen enttäuschten die Analysten: Die Vorstellung, dass das Unternehmen irgendwann auf Augenhöhe mit Facebook stehe, sei unrealistisch, sagte Brian Wieser, Analyst bei Pivotal Research. «Twitter ist und bleibt ein Nischenanbieter.» Vergangenen Dienstag brach der Kurs nachbörslich um 10 Prozent auf 38 Dollar ein.

Zahl der Twitter-Karteileichen offenbar hoch

Zwar steigt die Zahl der registrierten Twitter-Konten. Doch das Gros der registrierten Nutzer zwitschert selbst kaum: Laut Twopcharts, einem Webdienst, der die Aktivität bei Twitter misst, gab es Ende März lediglich rund 126 Millionen Konten, von denen in diesem Monat mindestens ein Tweet abgesetzt wurde. Von fast der Hälfte der Konten (44 Prozent) wurde demnach sogar noch nie eine Nachricht geschrieben.

Platzt die Tech-Blase bald?

Entsprechend halten einige Fachleute Twitter noch immer für viel zu teuer: «Als man dachte, dass Twitter mit 26 Dollar pro Anteil stark überbewertet sei, verdoppelte sich der Preis plötzlich», schrieb Prem Watsa, Chef des kanadischen Versicherers Fairfax kürzlich laut Bloomberg an seine Mitarbeiter. Deshalb befürchtet Watsa ein Platzen der Internetblase – zum zweiten Mal binnen 15 Jahren: «Diese Art der Spekulation wird ebenso enden wie der vorherige Tech-Boom 1999 und 2000 – sehr böse.»

(mit Material von sda)

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