Fast täglich melden neue Firmen Kurzarbeit an: In Bern reichten 134 Unternehmen für rund 2800 Beschäftigte entsprechende Gesuche ein. In Zürich warten gegenwärtig 60 Betriebe auf grünes Licht für Kurzarbeit, im Aargau 60 und im Thurgau 40.

In den kantonalen Arbeitsämtern hat sich die Lage in den vergangenen Wochen zugespitzt. Gesamtschweizerisch dürften nach den Weihnachtsferien über 20000 Beschäftigte kurzarbeiten. «Wir haben so etwas noch nie erlebt», heisst es beim Aargauischen Amt für Wirtschaft und Arbeit über den explosiven Anstieg der Gesuche. Anders als im Ausland können die Firmen hierzulande nicht auf flächendeckende Staatshilfe hoffen. Kleinen und mittelgrossen Firmen (KMU) kann der Bund bei Liquiditätsengpässen zwar helfen. Hilferufen exportorientierter Konzerne steht er jedoch mit leeren Händen gegenüber.

Leuthard geisselt Firmen

Für Grossfirmen, die in der Boomphase zu wenig Reserven gebildet haben, um drei bis vier Monate zu überbrücken, hat Wirtschaftsministerin Doris Leuthard kein Verständnis: «In diesen Fällen stelle ich mir die Frage nach der Professionalität der Verwaltungsräte.»

Weil gleichzeitig mit der Zahl der Kurzarbeiter auch die Arbeitslosenquote zunimmt, stösst die Arbeitslosenversicherung (ALV) an ihre finanziellen Grenzen. Das setzt den Bundesrat unter Zugzwang: Serge Gaillard vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erwartet, dass der Beitragssatz schon 2010 von 2 auf 2,3% steigt.

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