Können Sie sich angesichts der Automobilkrise noch über das gute Geschäftsergebnis 2007/08 freuen?

Joachim Kaufmann: Auf jeden Fall. Feintool hat im letzten Geschäftsjahr das beste Betriebsergebnis seit dem Börsengang erzielt. Dies ist auch ein gelungenes Abschiedsgeschenk aller Mitarbeiter an den scheidenden VR-Präsidenten Fritz Bösch.

Weniger Freude dürfte er aber über die Zukunftsaussichten haben.

Kaufmann: Seit Anfang Oktober erlebt die weltweite Automobilindustrie einen massiven Absatzeinbruch. Dies hat Auswirkungen auf unser Komponentengeschäft für Feinschneideteile und Verbundkomponenten. Es hat dazu geführt, dass wir die Kostenstrukturen anpassen mussten.

Welche Schritte wurden nötig?

Kaufmann: Im Moment werden Überzeiten, Feriensaldi und auch temporäre Mitarbeiter abgebaut.

Kommt es zu Entlassungen?

Kaufmann: Ein Abbau der Stammbelegschaft ist im Moment nicht vorgesehen, da Feintool auf sehr gute Fachkräfte angewiesen ist. Wenn die Krise anhalten sollte, werden wir Kurzarbeit einführen.

Wird dann ein Stellenabbau nötig?

Kaufmann: Nein, wir brauchen die Fachkräfte. Sie sind rar und werden immer wieder von uns ausgebildet. Eine langfristige Krise können wir aber nicht mehr alleine mit Kurzarbeit überbrücken.

Welche Schritte planen Sie neben der Reduktion der Personalkosten?

Kaufmann: Wir werden die Investitionen auf das absolut Notwendige beschränken. Unser oberstes Ziel ist es, in diesem Geschäftsjahr keinen Cashdrain auszuweisen.

Wie sieht es in den anderen Bereichen von Feintool aus?

Kaufmann: Im Segment Automation sind wir vom Abschwung noch nicht betroffen. Dort ist der Auftragseingang und -bestand auf einem guten Niveau. Im Werkzeugbau haben wir weiterhin viele Auftragseingänge. Die erwähnten Kosteneinsparungen sind in diesen Bereichen noch nicht nötig. Im Anlagengeschäft für Feinschneidsysteme spüren wir derzeit die Zurückhaltung beim Investitionsverhalten unserer Kunden. Dies wirkt sich auf den Auftragseingang aus, doch wir haben im Moment noch einen guten Auftragsbestand.

Wie lange hält dieser noch an?

Kaufmann: Wir haben eine Auslastung im Anlagengeschäft von fünf bis sechs Monaten. Daher wird entscheidend sein, wie sich die Auftragslage in den nächsten Monaten entwickelt.

Wie hat sich Plastic/Metal Components 2007/08 entwickelt?

Kaufmann: Positiv war, dass wir erste neue Aufträge von neuen Kunden gewinnen konnten. Diese werden sich erst mittelfristig auf den Geschäftsgang auswirken, sodass sich in diesem Jahr der Auftragseingang und der Umsatz wie erwartet auf einem unbefriedigenden Niveau bewegen. Dass das Betriebsergebnis schlechter ausgefallen ist als im Vorjahr, hängt mit den Start-up-Kosten zusammen, die in den USA angefallen sind.

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Sie haben in diesem Bereich die Partnersuche abgebrochen. Geben Sie das Geschäft nun ganz auf?

Kaufmann: Nein. Aber aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist es derzeit sehr schwierig, überhaupt einen Partner zu finden. Wir werden die Optimierungs- und Restrukturierungsmassnahmen weiterführen, um mittelfristig ein positives Resultat zu erzielen.

Wie geht es nun insgesamt weiter?

Kaufmann: Wie es im 1. Quartal des neuen Kalenderjahres weitergehen wird, kann ich nicht einschätzen. Wir hoffen, dass sich die Situation stabilisiert, ich gehe aber davon aus, dass die Krise dann noch nicht vorbei sein wird.

Sehen Sie einen Silberstreifen am Horizont?

Kaufmann: Nein, den sehe ich noch nicht. Wir können angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen noch keine genauen Prognosen abgeben. Zudem erhalten wir auch keine gesicherten Vorschauzahlen unserer Kunden.

Wie sehen Ihre Aussichten für das kommende Geschäftsjahr aus?

Kaufmann: Umsatz und Betriebsertrag werden klar unter dem Berichtsjahr 2007/08 ausfallen. Die Massnahmen zur Abfederung der Krise werden Spuren hinterlassen.