Auf der Suche nach der Ursache für zwei in Brand geratene Batterien in einer Boeing 787 «Dreamliner» in Boston haben US-Sicherheitsfahnder neue Erkenntnisse veröffentlicht. Demnach habe eine Serie von Kurzschlüssen das Feuer in der Batterie des  Boeing-Flugzeugs im Januar ausgelöst, berichtet «wallstreetjournal.de».

Mehrere Kurzschlüsse haben demnach in einer der acht Batteriezellen «eine unkontrollierte chemische Reaktion bei hohen Temperaturen» in Gang gesetzt. Diese habe sich auf andere Zellen übertragen, bis schliesslich die gesamte Batterie in Flammen stand.

Trotzdem wissen die Experten dem Bericht zufolge immer noch nicht genau, wie es überhaupt zu der Kurzschlussserie kommen konnte. Verschmutzungen könnten genauso gut eine Rolle gespielt haben wie schwer aufzuspürende Probleme mit dem Stromnetz des Flugzeugs.

Zulassungsverfahren könnte erschwert werden

Weiterhin fanden die Fahnder laut «wallstreetjournal.de» heraus, dass schon beim Zulassungsverfahren offensichtlich etwas schief lief: Vor sechs Jahren, als erstmals die Sicherheit der neuartigen Lithium-Ionen-Batterien getestet wurde, hätten sich Boeing und die Aufsichtsbehörden auf fehlerhafte Daten verlassen, teilten die Experten demnach mit.

Einige Annahmen, auf denen das Prüfverfahren basierte, seien «nicht erfüllt» worden, sagte die NTSB-Vorsitzende Deborah Hersman. Insbesondere hätte sich gezeigt, dass «ein Kurzschluss in einer einzelnen Zelle auf angrenzende Zellen übergreifen kann und zu Rauch und Feuer führen» könne, so Hersman. 

Gemäss der Nachrichtenagentur AWP sagte eine Vertreterin der NTSB ebenfalls, dass für die Zukunft im Zusammenhang mit der Zulassung der Batterien möglicherweise ein umfangreicheres Prozedere nötig sei.

Sollten tatsächlich die Batterien ganz neu zertifiziert werden müssen, wäre das ein herber Schlag für Boeing, heisst es weiter. Der Prozess dürfte lange dauern. Für die Fluggesellschaften, die den «Dreamliner» derzeit nicht einsetzen können, gehen die Kosten schon jetzt in die Millionen. Boeing droht eine Flut von Schadenersatzklagen.

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Boeing-Ingenieure melden sich anonym zu Wort

Derweil machen Boeing-Ingenieure laut dem Fachportal «Der Mobilitätsmanager» für «Dreamliner»-Misere den Umstand verantwortlich, dass ein viel zu grosser Teil der Lieferkette ausgelagert war, mit der Folge, dass Zulieferer Teile von bedenklicher Qualität geliefert hätten, die wiederum von Unterlieferanten gekommen seien, denen Boeing nicht habe auf die Finger schauen können.

Einer der Boeing-Experten, der ungenannt bleiben möchte, sagte dem Bericht zufolge, es gehe beim jetzigen Problem mit den bis auf Weiteres stillgelegten Flugzeugen weniger um die Batterien, sondern vielmehr um die Elektronik-Schaltzentralen im Flugzeug, die den elektrischen Stromfluss für die zahlreichen Systeme des Jets steuerten. Im Innern der Schaltzentralen offenbare sich ein wahrer Verhau mit Billigstteilen, oft aus Plastik, die sehr störungsanfällig seien, heisst es weiter.

Boeing-Sprecher Marc Birtel widersprach laut «Der Mobilitätsmanager» Mutmassungen, wonach Boeing die Zulieferer und deren Produkte nicht in ausreichendem Masse überwacht hätte. Zu weiteren Spekulationen wollte er sich nicht äussern.

(tno)