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Sammelklage
Label-Wirrwarr: Nestlé soll US-Konsumenten getäuscht haben

Nestle
Nestlé: Ist im ersten Halbjahr 2018 in den USA organisch gewachsen.Quelle: Getty Images

Eine Sammelklage aus Kalifornien wirft Nestlé Irreführung vor. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Nestlé muss sich in den USA wegen eines Labels vor Gericht rechtfertigen. Der Lebensmittelriese bewirbt gewisse Produkte mit der Kennzeichnung, dass keine gentechnisch veränderten Lebensmittel enthalten seien. Das sei Irreführung der Konsumenten, behauptet eine Sammelklage aus Los Angeles.  

Den Vorwurf vorgebracht hat eine Konsumentin aus Kalifornien, die rund 100 Kilometer nördlich von Los Angeles lebt. Sie habe gewisse Nestlé-Produkte im Vertrauen darauf gekauft, dass diese Produkte die strengen Auflagen des Non-GMO-Projekts erfüllen würden, wie es in der 18-seitigen Klageschrift heisst, die Ende Juli eingereicht wurde.  

Vorwurf: Täuschung der Konsumenten

Das Non-GMO-Projekt ist eine amerikanische Organisation, die Lebensmittel zertifiziert. Über 3000 Marken arbeiten mit dem Verbund zusammen. Mehr als 43'000 Produkte tragen das Label. Gemeinsam stehen sie für eine Summe von über 19 Milliarden Dollar. 

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Das Label von Nestlé sehe zwar ähnlich aus wie die Zertifizierung des Non-GMO-Projekts, heisst es in der Klage. Aber die Standards seien wesentlich lascher. Die Klägerin unterstellt dem Lebensmittelkonzern aus Vevey, damit Konsumenten zu täuschen. 

SGS hat Label geprüft

Milchprodukte werden als Beispiel angeführt. Nestlé, so heisst es in der Klage, bezeichne auch jene Milch als frei von gentechnisch veränderten Substanzen, die von Kühen stammt, welche mit hochgezüchtetem Futter genährt werden.  

Nestlé wehrt sich gegen den Täuschungsvorwurf und bezeichnet die Klage als «gegenstandslos». Die Genfer Prüfanstalt SGS habe das Label abgesegnet, Nestlé halte sich an alle US-Gesetze.  

Debatte um gentechnisch veränderte Lebensmittel

  • Seit ihrer Markteinführung vor Jahrzehnten wird darüber diskutiert, ob gentechnisch veränderte Organisamen (GVO) die menschliche Gesundheit oder die Umwelt gefährden. Studien haben unterschiedliche Ergebnisse geliefert. In der Schweiz ist der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Organismen verboten. 2005 hatten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einem Moratorium zugestimmt. Ein generelles Verbot von gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermitteln in EU-Ländern ist dagegen nicht zulässig. Dies urteilte der Europäische Gerichtshof im vergangenen September.

  • Ein Verbot kennen auch die USA nicht. Trotzdem wächst der Markt, getrieben von der Nachfrage von Konsumenten, die vermeintliche Gesundheitsnachteile fürchten. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Euromonitor wird der Umsatz mit GVO-freien Produkten in Amerika im Jahr 2022 auf 19,2 Milliarden US-Dollar gegenüber 15,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 geschätzt, während der weltweite Umsatz von 31,1 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum auf 37,6 Milliarden US-Dollar steigen soll.

  • Vom Boom der GVO-Produkte profitiert auch Nestlé. Der Konzern vom Genfersee kaufte im Dezember 2017 für 2,3 Milliarden Dollar das kanadische Unternehmen Atrium Innovations. Die Akquisition hat bereits im ersten Halbjahr 2018 Resultate gezeitigt. Im Reporting zum Halbjahr heisst es: «Der Erwerb von Atrium Innovations verlieh dem zweiten Quartal einen zusätzlichen Impuls, mit einer starken Nachfrage nach Angeboten ohne gentechnisch veränderte Organismen sowie nach biologischen und naturbelassenen Produkten.»

(ise)