Ob die Bologna-Reform an Europas Universitäten nach nur zehn Jahren wirklich gescheitert ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist hingegen, dass auch der aktuelle Jahrgang an Hochschulabsolventen beruflich eine Zukunft hat. Entsprechend schlagen hierzulande nicht sie Alarm, sondern einige hundert Studenten in tieferen Semestern; in der Deutschschweiz ist übrigens kein Hörsaal mehr besetzt.

Den Wechsel seiner Abgänger ins Berufsleben sieht beispielsweise Roger Gfrörer, Leiter Career Services der Universität Zürich, gelassen: «Es scheint, dass unsere Studierenden erstaunlich gut mit der Krise zurechtkommen.» Der dort angebotene Workshop mit dem Titel «Jobsuche in Krisenzeiten» sei jedenfalls nicht ausgebucht und der Beratungsbedarf auch nicht besonders gross.

Auch der jährliche «Stellenbarometer» der «Handelszeitung» spricht - wie vor Jahresfrist - eine deutliche Sprache - trotz anhaltender Wirtschaftskrise: Auch 2010 wird in vielen Branchen und Betrieben die Nachfrage nach Akademikern, aber auch nach Lehrlingen stabil bleiben. Insbesondere die Finanzindustrie, die Beratungsunternehmen sowie die Wirtschaftsprüfer gehen von einem anhaltend hohen Bedarf an neuen Arbeitskräften aus (siehe Seiten 55 und 56), wobei sich diese Aussagen vor allem auf grössere Konzerne mit Sitz in der Schweiz beziehen. Und diese sind auch durchaus bereit, anständige, um nicht zu sagen beachtliche Löhne zu bezahlen (siehe Seite 57).

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Ebenso eine deutliche Sprache spricht das Angebot am diesjährigen Absolventenkongress in Zürich, der am Donnerstag, 10. Dezember 2009, zum 20. Mal stattfindet: Mehr als 3000 Stellen und Praktika sollen die budgetierten 3000 Interessenten, sprich Studienabgänger, anlocken.

Mit Spannung erwarten sowohl Besucher der Messe als auch Beobachter der Szene vor allem, wie sich die Bankenwelt präsentiert und wie viele Ausbildungs- und Direkteinstiegsstellen nach der Zäsur des Vorjahres angeboten werden. Immerhin signalisieren Finanzdienstleiter sowie Beratungsfirmen weiterhin den grössten Bedarf an Akademikern.

Dafür ist das Teilnehmerfeld am Zürcher Absolventenkongress ein Spiegelbild der Realwirtschaft: Nachdem es letztes Jahr über 120 Aussteller waren, sind es dieses Jahr noch knapp 100 Unternehmen und Organisationen. Obwohl sie anwesend sind, spiegelt sich die aktuelle Befindlichkeit auch bei den beiden Schweizer Grossbanken: Während die Credit Suisse 300 Hochschulabsolventen sucht, sind es bei der UBS 100.