Die Klimadebatte hat den Schweizer Detailhandel erreicht: Nach zahlreichen Medienberichten über die energiefressenden Glühbirnen im vergangenen Frühjahr schnellten die Verkaufszahlen von Energiesparlampen in die Höhe.

Der Grossverteiler Coop hat in den ersten sieben Monaten die doppelte bis dreifache Absatzmenge verzeichnet. Auch bei Konkurrentin Migros wurde nahezu eine Umsatzverdoppelung erreicht. Denselben Trend beobachtet das Einrichtungshaus Ikea. «Wir haben zudem festgestellt, dass der Knick beim Absatz von Leuchtmitteln, der jeweils im Frühjahr zu registrieren war, 2007 wesentlich später eingetreten ist», sagt Ikea-Sprecherin Sonja Blöchlinger.
Bereits werden für den Herbstbeginn Engpässe prognostiziert. «Lieferengpässe sind auf dem Weltmarkt unumgänglich, da die Nachfrage das Angebot weit übersteigt», stellt Coop-Mediensprecher Takashi Sugimoto fest. Coop versucht, mit einer laufenden Sortimentserweiterung Abhilfe zu schaffen.
Auch Migros hat reagiert. «Wir haben frühzeitig mit unseren Partnern Kontakt aufgenommen und entsprechende Bestellungen getätigt», erklärt Migros-Sprecher Walter Staub. Doch wie die Nachfrage nach dem 1. Halbjahr effektiv sein werde, könne man nicht vorher-sagen.

Philips und Osram unter Volllast

Auf der Herstellerseite tut man sein Möglichstes. Allerdings macht sich eine gewisse Hilflosigkeit bemerkbar. «Die Nachfrage ist bereits heute grösser als das Angebot», klagt der zuständige Produktverantwortliche von Philips, Kurt Mäder. «Die vorhandenen Produktionskapazitäten werden voll ausgeschöpft und der Ausstoss, wo möglich, gesteigert.»
Dies ist laut Mitbewerber Osram, der zum Siemens-Konzern gehört, nicht ganz einfach. «Es ist nur beschränkt möglich, die Produktion sofort zu steigern, denn der Weltmarkt an Sparlampen ist ziemlich ausgelastet», sagt Hans-Rudolf Bosshard, Marketingleiter bei Osram. «Würden Sparlampen nur in der Schweiz boomen, könnten wir die Produktion leicht anpassen.» Doch hier handle es sich um ein europaweites Phänomen, so Bosshard. Für den Lampenhersteller bedeutet das nicht bloss einen Produktionsengpass. Der Trend zu umweltfreundlicheren Leuchtmitteln bedingt eine Anpassung der heutigen Produktionsstandorte in Deutschland und Norditalien, in Osteuropa, den USA und China. «Und da neue Technologien gefordert sind, kann dies sogar zur Schliessung und Verlagerung ganzer Werke führen», erklärt Bosshard.

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Konsumenten warten nicht ab

Die Konsumenten decken sich also mit Energiesparlampen ein, dabei sind die Gesetze noch gar nicht verschärft. Bis Mitte Oktober läuft die Vernehmlassung für die Revision der Energieverordnung. Voraussichtlich ab Ende 2008 wird der Verkauf von Glühbirnen der besonders stromfressenden Klassen F und G, abgesehen von einzelnen Ausnahmen wie Kühlschrank- und Backofenlampen, verboten. In diese Kategorie fallen vor allem farbige Glühbirnen.
Diese Lampen machen allerdings nur rund 10% des Gesamt-sortiments der Grossverteiler aus und einen winzigen Bruchteil des gesamten Schweizer Elektrizitätsverbrauchs von total 57,8 Mrd KWh. In Übersee dagegen wird härter durchgegriffen: In Australien werden ab 2010 alle konventionellen Glühbirnen verboten.