Da waren es nur noch sieben. Die Übernahme der Sachsen LB durch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) degradiert die nächste der einst so stolzen Landesbanken zu einer Zweigstelle. Das Schicksal ereilte in den vergangenen Jahren bereits die Häuser in Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Und das nächste «Negerlein», um bei dem Vers des Kinderliedes zu bleiben, ist bereits ausgeguckt: Die Düsseldorfer WestLB.

Die Gründe für Zusammenschlüsse sind immer wieder die gleichen. Die Eigentümer müssen erkennen, dass ihre Institute allein nicht mehr überlebensfähig sind. Die Einnahmen aus dem Geschäft mit den Sparkassen vor Ort reichen nicht mehr aus. Tragfähige Alternativen sind gefragt. Wer keine hat, braucht einen Partner.
Das ist keine neue Erkenntnis. Bereits 1989 empfahlen die Unternehmensberater von McKinsey, eine einzige Sparkassen-Zentralbank zu installieren, der alle Landesbanken als unselbstständige Tochterinstitute zugeordnet würden. Die Konzentrationspläne, die vom damaligen Sparkassenpräsidenten Helmut Geiger propagiert wurden, scheiterten am Widerstand der Länder.
Diese bilden auch heute noch die grösste Hürde. Das zeigt das Verhalten von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Nach den Pannen im Aktienhandel und der seit Jahren notorischen Ertragsschwäche der Bank haben die nordrhein-westfälischen Sparkassen-Verbände die Geduld mit der Bank verloren und wollen auf Mitgliedertreffen eine Fusion mit der LBBW voranbringen. Doch mit der schwarz-gelben Landesregierung ist dies nicht so einfach zu machen. Sie fürchtet um die 5800 Arbeitsplätze bei der WestLB und um den Finanzstandort Düsseldorf.
Rüttgers denkt seit einigen Tagen laut über allerlei Alternativen zur LBBW-Fusion nach. So könnte man aus seiner Sicht die WestLB mit mehreren Grosssparkassen zusammenspannen, damit die Landesbank Zugang zu Privatkunden bekommt – ein Modell, wie es die LBBW erfolgreich umgesetzt hat.
Eine andere Variante wären Zusammenschlüsse mehrerer Landesbanken. Nach einem Bericht des «Focus» schwebt Rüttgers eine Aufteilung in eine Nord- und eine Südgruppe vor. Die WestLB soll sich mit der Nord/LB, der HSH Nordbank und der Landesbank Berlin (LBB) zusammentun. Auf der anderen Seite stünde die LBBW mit der Bayern LB, der Sachsen LB und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).
Derlei Planspielen werden allerdings innerhalb des öffentlich-rechtlichen Sektors wenige Chancen eingeräumt. «Eine so weitgehende Konsolidierung wäre durchaus begrüssenswert, aber sie ist vollkommen unrealistisch», hiess es in hochrangigen Sparkassenkreisen. Keine Landesbank sei derzeit an einer solchen Lösung interessiert. «Ein Zusammenschluss von vier Banken wäre wenigstens viermal so kompliziert wie eine einfache Fusion von WestLB und LBBW.» Rüttgers Vorstoss wurde als Versuch gewertet, «von den Problemen bei seiner eigenen Landesbank abzulenken».
Neue Dynamik bekam die Konsolidierungsdebatte nicht erst durch die Probleme von Sachsen LB und WestLB. Der Auslöser war vielmehr vor zwei Jahren, dass die Staatsgarantien für die Landesbanken wegfielen. Bis dahin sicherte die wirtschaftliche Rückendeckung durch die Bundesländer den Instituten beste Bonitätsnoten. So fiel es ihnen ein leicht,
Geld zu Schleuderzinsen aufzunehmen und mit Gewinn weiter zu verleihen. Ohne staatliche Hilfe sind ausgefeiltere Geschäftsmodelle gefragt – doch nur wenige hatten bei der Suche nach stabilen Ertragsquellen Erfolg. Als vergleichsweise krisenfest gelten die LBBW, die LBB und die Helaba, die durch direkten Kontakt zu Privat- und Firmenkunden punkten, sowie die auf Schiffsfinanzierungen spezialisierte HSH Nordbank. Die Bayern LB sucht ihr Glück mit einer Expansion nach Osteuropa. Die Nord/LB will sich als Bank für den Ostseeraum positionieren.

Wahlen blockieren Reformen

Langfristig überzeugend sind davon aber nur wenige Konzepte. Gerade Helaba und Nord/LB werden immer wieder als künftige Juniorpartner gehandelt. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass es über die WestLB hinaus bald zu weiteren Veränderungen im Sektor kommt. Der einfachste Grund: In Hessen und Niedersachsen wird Ende Januar 2008 gewählt. Eine Diskussion über die Zukunft der eigenen Landesbank kann kein Regierungschef gebrauchen.

Anzeige