Die Ratingagentur Moodys stufte kürzlich die Kreditwürdigkeit von Griechenland weiter herunter. Das sorgte dafür, dass griechische Staatsanleihen aus einigen Bond-Indizes gestrichen wurden, was teilweise panische Verkäufe von institutionellen Anlegern nach sich zog und prompt für weitere Verunsicherung an den Märkten sorgte. Da nützte es auch wenig, dass Portugal und Spanien zuletzt erfolgreich Anleihen platzierten.

Doch nicht nur die Investoren in Südeuropa-Anleihen haben derzeit Probleme. Wegen der Unsicherheit an den Märkten stürzen sich die Anleger auf die als sicherer geltenden schweizerischen, deutschen und US-Staatsanleihen. Deren Zinsen werden so weiter nach unten gedrückt. So werfen 10-jährige «Eidgenossen» so heissen die Schweizer Staatsanleihen derzeit gerade noch eine Rendite von rund 1,5% ab. Vor einem Jahr waren es noch rund 2,5%.

Herdentrieb sorgt für Unruhe

Daran, dass Anleger die Risiken meiden, dürfte sich vorläufig nichts ändern. Zwar könnten die Anleihenrenditen kurzfristig wieder steigen, werden aber in den nächsten zwölf Monaten auf tiefem Niveau verharren, so die Experten der Bank Sarasin. Zudem könnten Anleihen, die als «sichere Häfen» gelten, aufgrund des Herdentriebs der Investoren starken Schwankungen unterworfen sein. Derweil wird die Risikoprämie zwischen Ländern mit gesunden Staatshaushalten und Staaten mit Fiskalproblemen in den nächsten Quartalen weiter hoch ausfallen, so die Sarasin-Analysten. So beträgt der Unterschied der Zinsen zwischen griechischen und deutschen Anleihen derzeit rund 7%.«Staatsanleihen werden heute anders wahrgenommen als früher», sagt Harald Preissler, Chefökonom der auf Obligationen spezialisierten Bantleon Bank aus Zug. Durch die gefälschten Bilanzen einzelner Staaten sei bei den Investoren sehr viel Vertrauen verloren gegangen. Daher fliesst nun noch viel mehr Liquidität in Fluchtwährungen. «Viele institutionelle Investoren werden längerfristig nicht mehr in Portugal, Spanien und Griechenland anlegen», so Preissler. Die Anleihenrenditen der sicheren Häfen werden daher auf tiefem Niveau bleiben. «Doch für den Investor gibt es keine Fluchtmöglichkeit, er muss sich an tiefere Basisrenditen gewöhnen», sagt Preissler.

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Verzerrte Renditen

Mit den bekannten Folgen: «Durch die Flucht sehen wir eine künstliche Verzerrung der Renditen nach unten», sagt Preissler. Das trifft auch die Schweiz. Erst wenn sich die Aufregung lege und die Euro-Peripherie sich erhole, werden dort die Zinsen sinken und diejenigen der Kernländer wieder steigen, so der Anleihen-Experte. Doch da im 2. Halbjahr die Konjunkturdynamik nachlassen könnte, dürfte sich die Nachfrage kaum abschwächen. 10-jährige Bundesanleihen werden daher nach Meinung der Märkte nicht nachhaltig über 3% steigen und 10-jährige Eidgenossen werden kaum über 2% klettern. Dennoch führt an hoch liquiden und soliden Staatsanleihen kein Weg vorbei, denn sie bieten ein Gegengewicht zu konjunkturellen Risiken. Bei den derzeit niedrigen Coupons sind auch Fremdwährungen kein attraktives Investment mehr, denn die hohe Währungsvolatilität zehrt den Ertrag rasch auf. Die tiefe Verschuldung macht zwar Schwellenländer-Anleihen attraktiv, doch viel Kapital ist schon dahin geflossen. Auch haben erste Staaten, etwa Indien, bereits mit Inflation zu kämpfen und werden daher wohl bald die Zinsen anheben müssen, was die Anleihen-Kurse belastet.

BMW-Bonds attraktiv

Vor diesem Hintergrund erscheinen Unternehmensanleihen attraktiv. «Auch wir kaufen noch», so Preissler. Denn die Rendite von BBB-Unternehmensanleihen liegt im Euro-Raum im Schnitt 200 Basispunkte über derjenigen von Staatsanleihen.Doch wenn der Wirtschaftsmotor ins Stottern geraten könnte, werden diese Positionen bei Bantleon wieder abgestossen und eine defensivere Branchenallokation eingenommen. Die Experten raten derzeit, in deutsche und französische Unternehmensanleihen oder solche aus den Benelux-Staaten zu investieren. Derzeit seien etwa deutsche Automobilbauer mit hohem Exportanteil wie BMW interessant. Doch auch zyklische Konsumgüter, sowie der Medien- und der Industriesektor bieten Potenzial. Bei den defensiven Werten stehen Tabakunternehmen und Versorger im Vordergrund, dort aber eher Anleihen mit längeren Laufzeiten.

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