Griechenland und die anderen Euro-Länder mit bedrohter Zahlungsfähigkeit bescheren den Schweizer Hypothekarnehmern historisch tiefe Zinsen in sämtlichen Laufzeiten. Fünfjährige Festhypotheken kosten aktuell zwischen 2 und 2,5%, zehnjährige weniger als 3% und sechsmonatige Geldmarkt-Hypotheken 1 bis 1,25%.

Die recht fortgeschrittene Erholung der Schweizer Wirtschaft rechtfertigt ein derart tiefes Zinsniveau allerdings nicht. Ohne die Euro-Krise dürften die Zinsen heute um mindestens einen Prozentpunkt höher liegen.

Hypothekarnehmern bietet diese Situation sowohl Chancen als auch Risiken. Ein Fortschreiten oder gar eine Ausweitung der Eurokrise würde die Zinsen weiterhin tief halten. Eine Lösung der Krise hätte einen allenfalls sprunghaften Zinsanstieg zur Folge.

Warnung vor Liborhypotheken

Viele Bankberater warnen ihre Kunden deshalb heute vor Geldmarkthypotheken (auch Liborhypotheken genannt). Ihre Begründung: Geldmarkthypotheken seien nur attraktiv bei tiefen oder sinkenden Zinsen. Vor einem absehbaren Zinsanstieg solle man stattdessen eine langjährige Festhypothek abschliessen, um noch möglichst lange von den tiefen Zinsen zu profitieren. Ein Blick auf die Zinsen und Zinskosten in den vergangenen neun Jahren zeigt ein anderes Bild. Geldmarkthypotheken waren nicht nur kurzfristig und in Tiefzinsphasen sehr günstig, auch langfristig waren ihre Kosten deutlich tiefer: Zehnjährige Festhypotheken kosteten seit 2001 durchschnittlich 4%, fünfjährige Festhypotheken 3,5%. Die Zinsen für eine Geldmarkthypothek lagen im selben Zeitraum bei durchschnittlich 2,4%. Bei einer Hypothek über 500 000 Fr. zahlte ein Eigenheimbesitzer mit einer Geldmarkthypothek somit 55 000 Fr. weniger Zinsen als mit einer fünfjährigen Festhypothek. Wer sich jetzt für eine langjährige Festhypothek entscheidet, hat je nach Zeitpunkt und Dynamik des Zinsanstiegs noch mehrere Quartale oder sogar mehrere Jahre lang höhere Zinskosten zu tragen als mit einer Geldmarkthypothek. Erst ein markanter Zinsanstieg hätte zur Folge, dass die Geldmarkthypothek teurer wäre als die langjährige Festhypothek. Solche Phasen waren in den letzten Jahren aber kurz und selten. Geldmarkthypotheken gehören dank dieses Zinsvorteils in jedes Hypotheken-Portefeuille.

Cap mit langer Laufzeit wählen

Geldmarkthypotheken erlauben im Unterschied zu Festhypotheken, kurzfristig in eine andere Hypothekarform zu wechseln. Sollte sich beispielsweise der erwartete Zinsanstieg verzögern, profitiert der Kreditnehmer mit einer Geldmarkthypothek weiterhin von den sehr tiefen Zinsen - und steigt erst später in eine Festhypothek um. Es empfiehlt sich, die Geldmarkthypothek mit einem Zinsdach (einem sogenannten Cap) gegen das Risiko eines heftigen Zinsanstiegs abzusichern. Bei vielen Geldmarkthypotheken ist ein Zinsdach schon eingeschlossen, meistens ist es aber auf drei oder fünf Jahre beschränkt. In dieser kurzen Zeit kann die Zinsabsicherung ihre Wirkung in der Regel nicht voll entfalten. Das Zinsdach sollte eine Laufzeit von mindestens sieben Jahren haben.

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