Das Bündner Energieunternehmen Repower sieht sich aufgrund der schwierigen Marktbedingungen gezwungen, massive Wertberichtigungen vorzunehmen. Das Geschäftsjahr 2013 wird deshalb mit einem Verlust enden. Das Unternehmen verweist dabei insbesondere auf die strompolitische Lage in Deutschland und in der Schweiz. Eine wirksame Energiemarktreform lasse auf sich warten und die Förderung der neuen erneuerbaren Energien erfolge marktverzerrend.

Repower muss ausserordentliche Wertberichtigungen im Wert von rund 220 Millionen Franken vornehmen. Diese erfolgen aufgrund der aktualisierten Einschätzung der zukünftigen Energiepreisentwicklung im Rahmen des Jahresabschlusses 2013 und betreffen Projekte, laufende Verträge und bestehende Anlagen. Entgegen der bisherigen Erwartungen sei deshalb für 2013 mit einem «substantiellen» Reinverlust zu rechnen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Repower sieht derzeit «keine rasche Trendumkehr der schwierigen Marktbedingungen».

Laufende Kraftwerksprojekte am stärksten betroffen

Von den Wertberichtigungen seien insbesondere laufende Kraftwerksprojekte betroffen, da die Rahmenbedingungen für Investitionen in nicht geförderte Technologien in der aktuellen energiepolitischen Situation nicht mehr gegeben seien. Hier berichtigt Repower die Werte um rund 110 Millionen Franken. Das weitere Vorgehen soll projektspezifisch festgelegt werden.

Wertberichtigungen von je rund 55 Millionen Franken nimmt das Unternehmen bei den langfristigen Verträgen und bei den bestehenden Anlagen im In- und Ausland vor. Damit werden den aktualisierten zukünftigen Preiserwartungen Rechnung getragen.

Weiter wurde beschlossen, künftig auf Beteiligungen an Kohlekraftwerksgesellschaften zu verzichten. Ausserdem plant das Unternehmen den geordneten Ausstieg aus der Saline Joniche bis spätestens Ende 2015.

Unzufrieden mit Politik

Im Nachgang zu den deutschen Wahlen sei zu erwarten, dass eine konsequente und wirksame Energiemarktreform auf sich warten lasse, begründet Repower die aktuelle Einschätzung der Lage. Die Förderung der neuen erneuerbaren Energien werde voraussichtlich weiterhin auf der Basis von marktverzerrenden Einspeisevergütungen erfolgen. Zudem zeige auch die Schweizerische Energiepolitik bis jetzt keine Weichenstellung hin zu marktorientierten Fördersystemen.

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Der «heute sehr tiefe» Strompreis werde sich deshalb in absehbarer Zeit wohl nicht erholen sondern der Markt dürfte weiter mit subventioniertem Strom überschwemmt werden.

Der EBIT 2013 wird gemäss der neuen Prognose vor ausserordentlichen Wertberichtigungen voraussichtlich rund 10 Prozent unter dem Vorjahreswert (81 Millionen) liegen. Zieht man nebst den 10 Prozent die 220 Millionen an Wertberichtigungen ab, ergäbe sich ein negativer EBIT im Bereich von 140 bis 150 Millionen Franken.

Effizienzprogramm verläuft nach Plan

Positiv wirke sich indes bereits die Umsetzung des im Januar 2013 kommunizierten Effizienzprogramms aus, schreibt Repower weiter. Dieses verlaufe nach Plan und werde seine volle Wirkung mit jährlichen Einsparungen von 10 bis 15 Millionen Franken im Jahr 2014 entfalten.

Trotz der ausserordentlichen Wertberichtigungen verfüge das Unternehmen über eine «nach wie vor starke Bilanz und über eine solide Finanzierung», heisst es weiter. Es sei zu betonen, dass diese Korrekturen das operative Geschäft nicht beeinflussen.

(awp/jev)