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Studie
Langfristigkeit Trumpf von Familienunternehmen

Horgen Glarus: Die Möbelfabrik steht im Zeichen von Tradition.   Keystone

Familienunternehmen haben gegenüber der Konkurrenz eine Reihe von Vorteilen. So ist etwa die Bindung zwischen den Mitarbeitern grösser. Der Patron ist zugleich Vorteil wie auch Risiko.

Veröffentlicht am 24.06.2014

Familienunternehmen, Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, geniessen laut einer Studie auch in Zukunft eine Reihe von Vorteilen. Die oft unumgängliche Figur des Patron ist aber ein Risikio für diese Betriebe: Sie sind vor Anpassungen bis zur tiefgreifenden Änderung der Firmenstruktur nicht verschont.

40 Prozent der Angehörigen der Geschäftsleitung und 49 Prozent der Kadermitarbeiter sind in einem Familienunternehmen zwischen 15 und 24 Jahren tätig, wie eine Studie des Beratungsunternehmens HPO zeigt. Anderswo bleiben nur 17 Prozent der Manager und 25 Prozent der Kader so lange, wie die publizierte Umfrage zeigt.

In den naturgemäss langfristig orientierten Familienunternehmen herrsche das Gefühl vor, dass die Mitarbeiter sich angehört fühlten: «Auch in einer patronalen Führungskultur kann man die Mitarbeiter gut einbeziehen, selbst wenn der Patron am Ende allein entscheidet», sagte Berater Thierry Lalive d'Epiney.

Langfristige Perspektiven

Drei Viertel der Befragten - HPO holte die Meinungen von etwa 300 familien- und nichtfamiliengeführten Unternehmen ein - sagten, dass in Familienunternehmen die Bindungen zwischen den Mitarbeitern enger seien. Bei den nicht-familiengeführten Firmen teilten diese Ansicht zwei Drittel.

Die meisten Befragten zeigte sich so dann der Meinung, dass sich der Charakter von familiengeführten und anderen Unternehmen unterscheide. Eine Mehrheit denkt, dass eine gewisse Einheitlichkeit der Normen und Werte den Familienunternehmen nütze.

«Das langfristige Herangehen an Probleme löst auch die kurzfristigen Probleme besser», sagte Lalive d'Epiney. Der langjährige Topmanager und frühere SBB-Präsident glaubt aber auch, dass die Zusammensetzung des Unternehmens matchentscheidend ist: Die Überarbeitung von Prozessen allein reiche nicht.

Achillesferse Patron

In der Schweiz machen die familiengeführten Unternehmen, die zumeist KMU sind, 88 Prozent der Firmenlandschaft aus. Zum Vergleich: In der EU sind es nur 60 Prozent. Verwandtschaftsverhältnisse im Betrieb und die oft dominierende Stellung eines Firmenchefs stellen diese Firmen aber auch vor Probleme.

58 Prozent waren der Ansicht, dass Familienunternehmen stärker von oben nach unten geführt würden als andere. 51 Prozent sagten, dass ein patriarchalischer Führungsstil die Expansion einer Firma vom regional tätigen zu einem internationalen Unternehmen hemme.

29 Prozent sagten wiederum, dass angesichts sehr personalisierter Verhältnisse in Familienbetrieben bei Firmennachfolgen die Unternehmenskultur neu ausgerichtet werden müsse. «Dort wird eine latentes Risiko allenfalls akut», sagte HPO-Berater Oliver Kohler. Eine falsche Organisation blockiere die Entwicklung: Die Struktur und damit die Firmenkultur müssten dann neu aufgezogen werden.

Starke Persönlichkeiten

Für Thierry Lalive d'Epiney ist der klassische Patron indessen kein Phänomen der Vergangenheit. Auch heute könne ein Unternehmen erfolgreich bestehen, wenn es durch starke Führungspersönlichkeiten geprägt werde.

Vor allem bei der Auslandsexpansion müssten etablierte Denkmuster aber abgelegt werden. Das Modell Schweiz funktioniere im Ausland nicht, hielten die Berater fest. Eine Firma, die wegen traditioneller Strukturen in ihrem Heimmarkt einen fremden Markt nicht verstehe, sei beim Schritt über die Grenzen zum Scheitern verurteilt.

(sda/chb)

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