Als Anfang 2005 Viktor Vekselbergs Engagement bei der Immobiliengesellschaft Züblin bekannt wurde, lief die mediale Spekulationsmaschine an. Beobachter fragten sich, was der verschwiegene Russe mit seinem Firmenanteil von 13% bewirken will. Doch, zur  Enttäuschung der Börsenspekulanten, passierte nichts. Als sich zwei Jahre später der Kurs von Züblin nach einem Höhenflug wieder auf dem Niveau einpendelte, den er zu Beginn von Vekselbergs Engagement hatte, war in Zeitungen noch immer von der «Vekselberg-Fantasie» des Titels die Rede. Gemeint waren mögliche Eingriffe des sonst alles andere als passiven Russen, die den Kurs vielleicht wieder in die Höhe katapultiert hätten. Doch wieder passierte – nichts. Zwar sass für eine Weile ein Vertreter von Vekselberg im Verwaltungsrat, wie CEO Bruno Schefer auf Anfrage erklärt. Als Vekselbergs Repräsentant im vergangenen Dezember aber ausschied, wurde er durch Ex-Implenia-CEO Christian Bubb ersetzt, der unabhängig im VR agiert.

Strategisch «nicht relevant»

Neue Mutmassungen bestehen, seit die israelische Immobiliengesellschaft AlonyHetz sich kürzlich bei der Schweizer PSP Swiss Property mehr Einfluss verschafft und sich zwei der sechs Verwaltungsratssitze gesichert hat. «Wird Vekselberg nun ähnlich vorgehen?», fragt sich da manch einer. Doch passieren wird auch diesmal – nichts. Denn das Engagement des Oligarchen ist und bleibt eine private Geldanlage. Es läuft nicht über Vekselbergs Investmentgesellschaft Renova, sondern über eine in Panama ansässige Firma namens Lamesa, wie Renova-Mediensprecher Daniel Grotzky bestätigt. Für Renova sei Vekselbergs Engagement bei Züblin strategisch nicht relevant, so  Grotzky. Laut Züblin-CEO Schefer besteht auch derzeit kein Wunsch von Seiten Vekselbergs, wieder im Verwaltungsrat dabei zu sein. Vekselbergs Zurückhaltung bedeutet aber nicht, dass Funkstille zwischen Investor und Unternehmen herrscht. «Wir stehen regelmässig in Kontakt», sagt CEO Schefer. Züblin habe für ihn aber sicher einen anderen Stellenwert als OC Oerlikon oder Sulzer. Bestätigt wird diese Aussage auch durch die Entwicklung von Vekselbergs Engagement. Der Anteil der Lamesa ist nach dem Auslaufen der Wandelanleihe und dessen Umwandlung in Aktien von einst fast 13 auf 10,7% gesunken. Bei der im November weiter fällig werdenden Pflichtwandelanleihe von Züblin ist Vekselberg ebenfalls nicht engagiert. Nach der Umwandlung in Aktien wird sich sein Anteil deshalb noch weiter verringern, voraussichtlich auf 9,4%.

Züblin auch im Ausland aktiv

Doch warum engagierte sich Vekselberg bei Züblin? Offenbar hatte die Firma Ende 2004 in seine Strategie gepasst. Im Gegensatz zu den als etwas bieder geltenden kotierten Konkurrenten ist Züblin auch im Ausland aktiv. Verglichen mit den auf die Schweiz fokussierten Mitbewerbern war Züblins Strategie allerdings weniger erfolgreich. Beim Einstieg Vekselbergs lag der Kurs knapp unter 10 Fr., derzeit liegt die Aktie bei 4 Fr.

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Inzwischen hat Züblin die Strategie etwas angepasst. Sie investiert nur noch in zentral gelegene und energieeffiziente Büroimmobilien in ausgewählten Städten der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs. Aus Ländern wie Holland zieht sie sich zurück.