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Lantal: Komfortabel sitzen ­ auf Luft

Das Textilunternehmen staffiert weltweit 60 Prozent der Airlines aus. Jetzt verkünden die Langenthaler die Revolution beim Sitzkomfort in den Flugzeugen. Dieser besteht in der Hauptsache aus Luft, nat

Von Flavian Cajacob
am 27.04.2005

Die britische Königin Elizabeth und US-Präsident George W. Bush reisen vorzüglich mit Lantal. Der saudische König Fahd sowieso und Hans Bünzlistutz aus Hintertupfikon auch. Das Langenthaler Textilunternehmen stattet sowohl Flugzeuge und Privatyachten als auch öffentliche Verkehrsmittel mit Sitzbezügen, Teppichen und Vorhängen aus. Und das mit Erfolg: Der globale Marktanteil des typischen KMU in der Ausstaffierung der Airline-Branche beträgt 60% -­ zum Kundenkreis Lantals zählen weltweit über 300 Fluggesellschaften. Besonders stolz ist man auf die Zusammenarbeit mit den beiden Giganten Boeing und Airbus. Als vor wenigen Wochen der neue Grossraumflieger A380 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, schwoll auch bei Lantal manche Brust. Schliesslich hatte sich das Herstellerkonsortium explizit für ein textiles Programm made in Langenthal entschieden.

Vormacht auf dem Weltmarkt

Lantal hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Vormachtstellung in einer interessanten Nische erarbeitet. Stand am Anfang der Firmengeschichte das einfache Käse-Leinen, so hat sich die 1886 gegründete Firma mittlerweilen auf textile Gesamtlösungen im Bereich Passagiertransport spezialisiert. «Wir sind weltweit die Einzigen, die das dazu benötigte Interieur aus derselben Hand anbieten können», sagt CEO Urs Rickenbacher. 65% des Umsatzes werden inzwischen im Bereich Luftfahrt erwirtschaftet, 25% in der Sparte Bodentransport, wo Lantal 150 Verkehrsbetriebe, zahlreiche Eisenbahngesellschaften im In- und Ausland sowie alle international bekannten Bus-, Bahn- und Sitzhersteller zu den Kunden zählt.

8% des Umsatzes werden im Sektor Residential/Objekte (Möbelstoffe, Teppiche) gemacht und 2% zu Wasser. Gerade was Letzteres anbelangt, ist Rickenbacher davon überzeugt, das 2003 angezapfte Erschliessungspotenzial längst noch nicht ausgeschöpft zu haben. «Zum einen gibt es die Privatklientel, die nach massgeschneiderten Lösungen für ihre Yachten verlangt, zum anderen wird das Kreuzfahrtgeschäft in Zukunft weiter zulegen, die Gesellschaften bauen entsprechend neue Schiffe und überholen die älteren.»

Zuverlässig und innovativ

Der Stoff wird in den eigenen Hallen in Langenthal hergestellt. Den nordamerikanischen Markt deckt das Unternehmen zudem von seiner US-Niederlassung aus ab. Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation, dies seien die drei Schlüssel zum Erfolg, betont der Firmenchef, der zusammen mit seinen Managementkollegen seit dem Management-Buyout im letzten Jahr die Aktienmehrheit am Unternehmen hält. Heute zählt Lantal 356 Mitarbeitende. Ins Auge sticht die Design- und Entwicklungsabteilung, der 15 Personen angehören. «Man kann nicht warten, bis ein Input aus der Branche kommt», sagt Thomas Burst, der für den Bereich Design und Brandmanagement verantwortlich ist. «Wir müssen selber mit Ideen am Markt auftreten, daran arbeiten wir stetig.»

Zu den Errungenschaften des Langenthaler Textilunternehmens gehört aus der Neuzeit unter anderem der atmungsaktive Stoff Climatex Lifeguard. Dieser nimmt Feuchtigkeit vom menschlichen Körper auf, verteilt sie umgehend und sorgt dafür, dass der Sitz rasch wieder trocken ist. Auf den Sitzkomfort der Passagiere legt Lantal Wert. Aktueller Beweis ist eine Weltneuheit, die das Unternehmen vor wenigen Wochen an der Fachmesse «Aircraft Interiors» in Hamburg präsentiert hat: ein Flugzeugsitz mit pneumatischem Kissen. «Als wir vor einem Jahr mit unserer Idee bei den Flugzeugherstellern vorstellig geworden sind, haben alle abgewunken», erinnert sich CEO Rickenbacher, «das hat uns aber zusätzlich motiviert, zu beweisen, dass ein solcher Sitz mit Luftkern realisierbar ist und nur Vorteile bringt.» Dazu gehört neben dem Komfort im Vergleich zu den üblichen, mit Schaumstoff gefüllten Flugzeugsitzen auch eine beträchtliche Gewichtsreduktion. Pro Sitz liessen sich mit dem neuen System bis zu 1,5 kg einsparen. Die Entwicklung hat Lantal 3 Mio Fr. gekostet. Hochgerechnet auf ein modernes Grossraumflugzeug und dessen Treibstoffverbrauch, ergeben sich durch die Reduktion von Material und Ballast jährliche Einsparungen an Kerosinkosten von 1 Mio Dollar. Ein Argument, das auch die Skeptiker überzeugte. «Dass diejenigen, die am Anfang abgewunken haben, nun von einer Revolution in der Luftfahrt-Technik sprechen, freut uns natürlich besonders», sagt Rickenbacher und ist zuversichtlich was die Chancen des pneumatischen Sitzkissens anbelangt. Seine Flugtaufe erlebt das komfortable Hockinterieur noch diesen Frühling: Die italienische Eurofly hat als erste Flug-gesellschaft überhaupt ihre Business-Maschine mit dem Kissen ausgestattet. Bei Lantal geht man davon aus, dass das pneumatische Sitzkissen in der Luftfahrt bis in zehn Jahren Standard ist. Rickenbacher: «Und was für die Flugzeuge gut ist, das kann für Eisenbahn und Bus ja nur recht sein.» Damit auch Hans Bünzlistutz aus Hintertupfikon gut sitzt.

Firmenprofil

Name: Lantal Textiles, Dorfgasse 5, 4901 Langenthal BE

Gründung: 1886 von der Familie Baumann

Umsatz: 89 Mio Fr. im Jahr 2003

Geschäftsleitung: Urs Rickenbacher

Besitzerstruktur: Das Unternehmen befindet sich im Besitz des Managements sowie der Gründerfamilie Baumann, die Minderheitsaktionärin ist

Beschäftigte: 356

Produkte: Stoffe und Teppiche Kunden: Unternehmen aus der Airline- und Transportbranche

Internet: www.lantal.com

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