Manchmal zählt weniger das, was gesagt wird, als das, was nicht gesagt wird. Als Srishti Gupta vor wenigen Tagen auf dem Karriereportal Linkedin ihren Abgang als CEO des Allschwiler Biotech-Unternehmens Idorsia kommentierte, richtete sich ihr Dank an viele. Da war die Rede von einem Patienten, der auf ein neues Medikament wartet, das sein Leben womöglich verändern könnte – er sei vom ersten Tag an ihr «North Star» gewesen. Da ging es um die Gesundheitsfachleute und die Communitys, die ihr am Herzen liegen. Sie bedankte sich für das Vertrauen der Investoren und Investorinnen und strich die Zusammenarbeit mit dem «exceptional team» bei Idorsia heraus.
Was in diesem wohlformulierten Abschiedsgruss fehlt, sind die Namen der beiden Persönlichkeiten, mit denen die akademisch hochdekorierte Managerin in ihren fünf Jahren als Verwaltungsrätin und in ihren knapp neun Monaten als CEO bei Idorsia wohl am engsten zusammengearbeitet haben dürfte: die des Gründerehepaars Jean-Paul und Martine Clozel.
Keine Frage: Das war keine Trennung im Guten. Und es hätte auch nicht passieren dürfen. Wenn man sich nach so kurzer Zeit von einer CEO, die man zum Zeitpunkt der Ernennung bereits seit vier Jahren als Verwaltungsrätin kannte, wegen «strategischer Differenzen» trennen muss, dann ist etwas gründlich schiefgelaufen. Dann hat man sich offenbar zu wenig gut darauf verständigt, wohin die Reise gehen soll.
Das war eine Trennung im Unguten
Zumal die ausgeschiedene Chefin ja durchaus Erfolge vorzuweisen hatte. Immerhin stiegen die Verkäufe des Schlafmittels Quviviq unter ihr auf 134 Millionen Franken, was einem Plus von 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nach der Schuldenrestrukturierung und der Auslizenzierung des Blutdrucksenkers Aprocitentan ist das Schlafmittel das einzige Produkt, das noch vollständig auf die Bilanz des Unternehmens einzahlt. Für ein Medikament, das nach den kommerziellen Versäumnissen der vergangenen Jahre faktisch neu lanciert werden musste, ist das ein beachtliches Plus.
Relaunches gelten als hohe Schule im Pharmamarketing; sie können selbst die Giganten auf die Probe stellen. Das gilt besonders dann, wenn es – wie beim Schlafmittel Quviviq – um ein Medikament geht, das von Hausärzten verschrieben wird; da ist der Aufwand für die Kommerzialisierung besonders gross. So musste etwa Novartis damals 600 Millionen Dollar in die Hand nehmen, um sein Herzmedikament Entresto nach einem verpatzten Launch unter die Leute zu bringen.
Fürs Erste steht bei Idorsia nun wieder Jean-Paul Clozel auf der Kommandobrücke; eigentlich hatte er sich ja längst wieder auf seine wahre Leidenschaft, die Wissenschaft, konzentrieren wollen. Danach soll es ein professioneller Suchprozess richten. Gut so. Denn eines ist klar: Diesmal muss die Personalie sitzen. Ein zweiter Patzer bei der Besetzung der obersten operativen Position könnte das Vertrauen der Investoren, deren Geduld in den vergangenen Jahren ohnehin bereits arg auf die Probe gestellt wurde, wohl nachhaltig erschüttern.

