Kurz vor den Sommerfe- rien schlägt der Direktor der Marketingorganisation Schweiz Tourismus Alarm: «Die Zweitwohnungsbautätigkeit ist eine ökologische Herausforderung für unsere Branche», warnt Jürg Schmid. Intakte Landschaften seien im internationalen Wettbewerb um Feriengäste der wichtigste Trumpf des Landes. Schmid sieht diesen Vorteil akut bedroht, falls ständig neue Objekte aus dem Boden schiessen und die Feriengebiete zersiedeln. Das grösste Problem: Die Ferienwohnungen sind oft nur wenige Wochen im Jahr belegt und stehen sonst leer. Man spricht von kalten Betten.

Es liegen Milliarden brach

Zahlen belegen Schmids Sorge: Dem Verband Swissapartments zufolge gibt es hierzulande rund 180 000 Ferienhäuser und -wohnungen, das sind insgesamt über 600 000 Betten. Davon werden höchstens 20% kommerziell vermietet. Könnte man die leeren Wohnungen nur schon zwölf Wochen pro Jahr zu durchschnittlich 1500 Fr. an den Mann bringen, würde das dem Schweizer Tourismus eine zusätzliche Wertschöpfung von 2 Mrd Fr. bringen. Doch dieses Geld fehlt - und trotzdem müssen die Destinationen ihre Infrastrukturen teuer aufrüsten, um die Spitzenzeiten in der Hochsaison abzudecken.

Jürg Schmid kritisiert die bisherigen Gegenmassnahmen: Sie seien bis auf wenige Ausnahmen viel zu zaghaft. In die Pflicht nimmt er die Politik: «Es ist Sache und Herausforderung der Kantone und Gemeinden, griffige Nutzungsmassnahmen zu treffen und Bauzonenplanungen zu entwickeln.»

Ganz so einfach ist dies nicht, wie das Beispiel Wallis belegt: Das Stimmvolk schmetterte im letzten Jahr den Entwurf für ein Tourismusgesetz ab, das entsprechende Massnahmen vorgesehen hatte. Dies zur Enttäuschung von Staatsratspräsident Jean-Michel Cina, der mit dem Walliser Tourismusdirektor Urs Zenhäusern vergeblich für das Gesetz geworben hatte. Cina gibt nicht auf und will nun einzelne Gemeinden bei der Umsetzung von Massnahmen wie einer Kontingentierung für Zweitwohnungen unterstützen. Zermatt oder Saas Fee haben solche Reglemente bereits erstellt.

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Graubünden zeigt, wie es geht

Weiter ist man in Graubünden, Spitzenreiter in der sogenannten Parahotellerie. Die Hälfte der jährlich rund 12 Mio Logiernächte im Tourismuskanton betrifft Ferienwohnungen. Sie bringen eine Wertschöpfung von 1 Mrd Fr. nach Graubünden. Anhand eines per Dezember 2009 revidierten und im März 2010 vom Bundesrat abgesegneten Richtplans verpflichtet der Kanton mindestens 35 Gemeinden, bis Mitte 2013 Lösungen zur gezielten Lenkung der Zweitwohnungsentwicklung auszuarbeiten.

Die Ziele für alle Gemeinden sind verbindlich definiert: Innerhalb bestehender Bauzonen soll der Zweitwohnungsbau auf 30 bis 50% der bisherigen Entwicklung begrenzt werden. Bei Neueinzonungen sollen maximal 30% der möglichen Nutzung für Zweitwohnungen zur Verfügung stehen. Zur Umsetzung der Massnahmen stellt der Kanton Graubünden einen Werkzeugkasten mit diversen Modellen zur Verfügung, welche die Gemeinden gemäss ihren Bedürfnissen umsetzen können.

An vorderster Front bei der Umsetzung ist zum Beispiel Flims, wo bereits entsprechende Massnahmen im Baugesetz erlassen worden sind. Pioniercharakter haben neue Projekte wie das Rocksresort Laax, Surses Alpin Savognin, Resort Walensee oder das im Bau befindliche Projekt in Andermatt (siehe Artikel rechts). Hier müssen Ferienwohnungen von den Besitzern kommerziell vermietet werden - und erreichen damit viel höhere Auslastungen und deutlich mehr Wertschöpfung.

Nun ist Bundesbern gefordert

Solche Erfolge - und diejenigen der Vermittler von Ferienwohnungen (siehe Kasten links) - bleiben im lauen Kampf gegen die kalten Betten jedoch die Ausnahme. Denn es wird weiter gebaut, und die Gesamtzahl der nicht vermieteten Objekte nimmt eher zu. «Aus touristischer Sicht ist diese Produktion von kalten Betten bedauerlich», sagt Jürg Schmid, der nun Taten der Politiker sehen will. Doch Bundesrat und Parlament tun sich nach wie vor schwer. Schweiz Tourismus schöpfe ihre Möglichkeiten aus, so Schmid, und sei im letzten Jahr eine strategische Partnerschaft mit Interhome eingegangen.