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Le Bourget: Luftfahrtindustrie im Aufwind

Frankreichs Präsident Sarkozy eröffnet die 49. Luftfahrtmesse in Le Bourget. (Bild: Keystone)

Alle zwei Jahre trifft sich alles, was in der Luftfahrt Rang und Namen hat, in Le Bourget bei Paris. Die wichtigste Luftfahrtmesse setzt heuer auf Optimismus und erhofft sich eine starke Nachfrage bei

Veröffentlicht am 20.06.2011

Hunderttausende Besucher, mehr als 2000 Aussteller, mehr als 150 Flugzeuge: Die internationale Luftfahrtmesse in Le Bourget ist der Magnet der Branche. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat die 49. Ausgabe dieses Anlasses am Morgen eröffnet.

Neben dem ewigen Airbus-Boeing-Duell geht es diesmal auch um Zukunftsperspektiven. Zwar verhagelte der Weltluftfahrtverband IATA gerade die Stimmung mit einer für 2011 von 8,6 auf 4 Milliarden Dollar reduzierten Gewinnprognose der Airlines. Die hohen Ölpreise, Japans Naturkatastrophen und die Unruhen in der arabischen Welt macht der Dachverband von 230 Fluggesellschaften dafür verantwortlich. Trotzdem macht sich in Le Bourget Optimismus breit.

Nicht nur die gestiegene Ausstellerzahl (2113 statt 1982 wie vor zwei Jahren) trägt dazu bei. Vor allem sind es die deutlichen Zuwächse bei Fracht und Passagieren, die die Hersteller positiv stimmen. In erster Linie aber profitiert die Branche davon, dass moderne, verbrauchsärmere Maschinen gefragt sind.

Airbus etwa verzeichnet eine so starke Nachfrage nach seinen neuen A320-Modellen, dass das Unternehmen vorerst den Umbau gebrauchter Jets in Frachtversionen stoppen musste. Die Organisatoren erwarten daher diesmal wieder ein Auftragsfeuerwerk, wie es traditionell den Auftakt in Le Bourget prägt.

Airbus-Pannen und erstmals Chinesen

Zwei Airbus-Vorzeigeflieger - der Militärtransporter A400M und der Mega-Flieger A380 - werden wegen technischer Pannen nur am Boden zu sehen sein.

Erstmals ist auch die chinesische Luftfahrtindustrie in Le Bourget vertreten. Sie greift ebenso wie Brasilianer, Kanadier und Russen mit Neuentwicklungen die globale Vorherrschaft der Rivalen Airbus und Boeing an. Boeing zeigt erstmals ausserhalb der USA die neue Langversion seines legendären Jumbos, die 747-8.

Schweizer Star

Auch die Hersteller kleinerer Regionalmaschinen hoffen auf Grossaufträge. Star der Messe dürfte aber das Solarflugzeug Solar Impulse sein. Das vom Schweizer Flugpionier Bertrand Piccard entwickelte Öko-Fluggerät hat eine Spannweite von 64 Metern, aber nur 1,6 Tonnen Gewicht. Die Flügel sind mit rund 12 000 Solarzellen bestückt.

Optimistische Prognosen

Langfristig zeigt die Nachfrage wieder nach oben, meinen die dominierenden Flugzeugbauer der Welt, Airbus und Boeing. Der US-Hersteller Boeing schätzt den Bedarf in den kommenden 20 Jahren auf 33‘500 Maschinen.

In der Branche wird bereits befürchtet, dass die beiden Platzhirsche die explodierende Nachfrage nach neuen Flugzeugen für die Boomstaaten in Asien und Nahost auf Dauer gar nicht alleine bewältigen können. So hat die indische Fluggesellschaft IndiGo Anfang des Jahres bei Airbus gleich 180 Mittelstreckenflieger bestellt - dem Vernehmen nach bereitet Malaysias Fluggesellschaft Air Asia einen ähnlichen Mega-Auftrag vor.

Neue Mitbewerber

Nicht zuletzt wegen der steigenden Wachstumkurve in der Branche wird die über 100 Jahre alte Luftfahrtmesse erneut Pegel fürs wachsende Selbstbewusstsein der neuen Wettbewerber aus China, Russland, Kanada, Brasilien und Südkorea sein. Sie bedrohen die jahrelange Alleinherrschaft der Flugzeugriesen aus den USA und Europa. Russland etwa stellt mit dem Suchoj SuperJet-100 ein neuentwickeltes Passagierflugzeug vor, das auf dem Weltmarkt Embraer (Brasilien) und Bombardier (Kanada) Konkurrenz machen soll.

Die neue Konkurrenz macht vor allem den betagten bisherigen Erfolgsmodellen wie dem Airbus A320 oder der Boeing 737 zu schaffen. Beide Hersteller setzen daher erfolgreich auf modernisierte und vor allem verbrauchsärmere Versionen. Seit Airbus vergangenen Herbst die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenfliegers A320 vorgestellt hat, gingen bereits mehr als 330 Aufträge und Vorverträge für den neuen Flieger ein.

Boeing steht unter Zugzwang: Rüstet der US-Hersteller seinen Kassenschlager 737 für viel Geld um, oder geht er gleich eine komplette Neuentwicklung an? Die Boeing-Spitze hatte eine Entscheidung für diesen Sommer in Aussicht gestellt. Mit Spannung wird erwartet, ob es dazu in Paris entscheidende Neuigkeiten gibt.

(cms/sda/awp)

 

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