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Kartellverdacht
Leasing: Selbstanzeige stört das Megageschäft

Leasing: Ein grosses Geschäft mit gewissen Anfälligkeiten.   Keystone

Die Ermittlung gegen Schweizer Autoleasing-Firmen kam durch eine Selbstanzeige zustande, sagt die Weko gegenüber handelszeitung.ch. Neue Dokumente zeigen, wie lukrativ das Geschäft wirklich ist.

Von Christian Bütikofer
am 15.07.2014

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen verschiedene Leasing- und Finanzfirmen eröffnet, die im Automobilmarkt tätig sind.

Offenbar verfügt die Weko über Anhaltspunkte, dass die Leasingfirmen sensible Informationen bezüglich Leasingraten und der Finanzierung von Fahrzeugen austauschen und Preisabsprachen über Zinssätze, Vertragskonditionen, Kommissionen und andere Auslagen getroffen haben könnten. Ins Verfahren sind die nahmhaftesten Automarken und Importeure involviert, von Amag, BMW, und Fiat bis Mercedes, Peugeot und Ford.

Eine Firma, 600 Millionen an Forderungen

Die Untersuchung wird in der Branche wohl für rote Köpfe sorgen, denn die Ermittlungen kamen durch eine Selbstanzeige aus den eigenen Reihen ins Rollen, bestätigte Rafael Corazza von der Weko gegenüber handelszeitung.ch. Damit dürfte die Whistleblower-Firma im Falle einer Busse unter gewissen Umständen billiger wegkommen als die Konkurrenz.

Die Selbstanzeige trifft einen äusserst lukrativen Markt. Das zeigen Dokumente, die handelszeitung.ch für Fords Leasingfirma vorliegen. Die Zahlen allein dieser Firma sind beeindruckend. Als die FMCC Finance als Teil der Ford Motor Company am 1. August 2013 intern verkauft und in die neu gegründete Ford Credit (Switzerland) GmbH eingebracht wurde, präsentierte sie die Bilanz. In den Büchern von FMCC standen gegen 640 Millionen Schweizer Franken an Forderungen gegenüber Leasingkunden zu Buche.

Laut dem Schweizerischen Leasingverband lag 2013 der Jahresumsatz in der Schweiz beim Leasing von Autos und Lastwagen bei über 7 Milliarden Franken.

Die Autoleasing-Branche in der Schweiz kämpft nicht zum ersten Mal mit einem angeschlagenen Ruf. Der letzte grosse Fall machte erst vor wenigen Tagen wegen der langen Ermittlungsdauer wieder Schlagzeilen und ist als «SAR-Leasingpleite» landesweit bekannt geworden. Die Fiat-Leasinggesellschaft Fidis Finance brach Ende Mai 2011 mit ihrem Vorzugspartner SAR Premium Cars von Garagist Riccardo Santoro aus dem Aargau.

190 Fahrzeuge veruntreut

Fidis transportierte damals mit 17 Sattelschleppern reihenweise Luxusschlitten bei SAR ab und reichte Strafanzeige ein - in jenen Tagen ging es zu wie im Wilden Westen. Santoro soll hinter dem Rücken von Fidis deren Autos vor Ende des dreijährigen Leasingvertrages zurückgenommen und 190 Fahrzeuge im Wert von 22 Millionen Franken veruntreut haben, schrieb die «Aargauer Zeitung».

Fidis wirft Santoro weiter Betrug, Urkundenfälschung und Diebstahl vor. Dieser widerspricht: Fidis habe von den vorzeitigen Rücknahmen gewusst. Diese seien Teil des gemeinsamen Leasingmodells von SAR und Fidis gewesen. Die SAR-Leasingpleite hält seither die Aargauer Justiz auf Trab und ist derart komplex, dass die Kantonale Staatsanwaltschaft nach dem Zusammenbruch von Santoros Autoimperium die von Fidis abtransportierten Autos vorsorglich beschlagnahmte; dies, weil die Eigentumsverhältnisse unklar waren.

Im März 2012 musste der Grosse Rat wegen des «grössten Falls von Wirtschaftskriminalität seit 20 Jahren» der Staatsanwaltschaft ein zusätzliches Ermittler-Team bewilligen. Ein Ende der Untersuchung ist bis heute nicht in Sicht.

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